Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-12-03 · Heft 49 (3.12.1872) · p. Seite 979

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 49 (3.12.1872)
Date
1872-12-03
Page
Seite 979 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3226852-3226902--31229-3254142
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

FeuilleLon-Leilage zu Nr. 49. Leipzig, .den S. December 1872. vr. Karl Feust, geb. in Bamberg, 9. October 1798, gest. in Fürth, 19. August 1872.*) Karl Feust wurde am 9. October 1798 als der jüngste Sohn des vorletzten, mit der Jurisdiction über die „hockfürstlich bambergische und ritterschaftliche Landesjudenschaft^ bekleideten bamberger Oberlandesrabbiners geboren und in früher Jugend von seiner Mutter — der Vater starb, als der Knabe drei Jahre alt war — zum Studium der jüdischen Theologie bestimmt, und zur gründlichen Lectüre der heiligen Schrift und des Talmud angehalten. Angeborenes Talent und reger Fleiß bewirkten, daß er pch unter seinen Altersgenossen vortheilhaft außzeichnete, so daß in den Angehörigen der Wunsch entstand, den Knaben weiter auszubilden. Ein älterer Bruder, der in Göttingen ohne Willen und Hülfe der Aeltern und unter den widrigsten Umstanden Medicin. studirt hatte, veranlaßte, daß der talentvolle jüngere Bruder im Frühjahr 1813 rasch den erforderlichen Elementarunterricht im Deutschen erhielt, und im Monat Mai 1813 in die Oberprimärschule erster Claffe deS Gymnasiums Bamberg ausgenommen wurde. Unter der Leitung tüchtiger, menschenfreundlicher Lehrer, die ihre Schüler erst daran zu gewöhnen hatten, daß sie den unansehnlichen Judenknaben als ebenbürtigen Mitschüler ertrugen, erlangte Letzterer Äsbald die besten Plätze und 1818 das Gymnasialabsolutorium unter Bestätigung der Auszeichnung und Anerkennung eines Preises. Auf der Universität Würzburg studirte er 1818— 1822 zuerst nur Philologie unter der Leitung deS nachmaligen Bischofs Richarz, und als die Unmöglichkeit vorlag, als Jude Anstellung im Lehrfache zu finden, auch Jurisprudenz. .*) Wir geben diese Biographie auszüglich aus einer uns zugekommenen Broschüre; sie mag dem gegenwärtigen Geschlechte ein leuchtendes Beispiel geben, was seine Vorgänger zu kämpfen hatten, und wie sie in Ueberzeugungstreue und Charakter diese Kämpfe bestanden haben! Redaction. Am 7. November 1822 wurde er von der Würzburger Facultät zum Doctor beider Rechte promovirt. Bemerkenswerth ist, daß die Facultät bei der PromotionSfeierlichkeit auS dem Rituale alle jene Stellen wegließ, welche dem Bekenner der jüdischen Religion anstößig fein mußten. Mit dem Abgänge von der Universität begann für den Candidaten der jüdischen Religion eine Zeit der Leiden und Kränkungen, von deren Beschaffenheit die Gegenwart sich kaum eine Vorstellung macht. Zunächst gelang es nicht, bei einem Landgerichte zur Praxis zugelassen zu werden , und es blieb Nichts übrig, als zeitweise der Rechtswissenschaft Valet zu sagen und die Redaction der aachener Zeitung zu übernehmen. Nach Jahr und Tag war es den Bemühungen des auf 'dem Felde der jüdischen Reformliteratur hervorragenden Professors Wolfsohn aus Breslau gelungen, den Landrichter Geiger dahin zu bringen, daß, bedingungsweise, dem jüdischen Praeticanten die Thüreu deS Landgerichts Bamberg I. eröffnet wurden. Durch eine Verkettung widriger Umstände gezwungen, den StaatSconcurs ohne Admissionsdecret — das erst, nach erässnetem Concurse einlangte, und dessen Ertheilung immerhin in Frage stand — mitzumachen, erhielt er dennoch im Concurse vom Jahre 1825 die erste Note und den ersten Platz. Den Acceß für ein Kreis- und Stadtgericht zu erhalten, vollends zurAdvvcatur zu gelangen, war unmöglich, und um den Preis eines gegen bessere Ueberzeugung vorgenommenen, mit ziemlichem CynismüS von nicht geringen Männern angesonnenen, Religionswechsels ein schnöde versagtes Recht zu erwerben, dazu ließ sich der Verewigte nicht herab. So blieb ihm, wenn er überhaupt in Erwartung besserer Zeiten bei der Recktswiffenschaft ausharren wollte, nur die von ministerieller Genehmigung unabhängige-Rolle eines Hülfsarbeiters übrig, in deren verschiedensten Fächern er hiS zum Jahre 1848 thätig war. . Zunächst wurde ihm vom Appellationsgerichte deS ObermainkresseS im Jahre 1826 die Anlage der Hypothekenbücher der Landgerichte Baireuth unv Stadtsteinach übertragen, und seiner Zeit Belobung für die rasche und umsichtige Erledigung dieser Aufträge ertheilt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.