Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 34 (20.8.1872)
- Date
- 1872-08-20
- Page
- Seite 682 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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gesehen, war sehr geschwind Mit einem Weydlein nachgefähren und hatte 18 Personen gerettet. Ein Jude konnte im 'Wasser eine Kuh bei demSchwänze drMfeN, und da sie dem coblenzer Gestäde zueitte, w'utde dtr Jude vom Wäffertöde errettet." So wird erzählt in der kurzen „Umständlichen Beschreibung von dem zu Coblenz verunglückten Schiffe" in den „Monatlichen Nachrichten einiger Merkwürdigkeiten in Zürich gesammelt und herausgegeben. WeiNmonat M'LLLXX." (S. 119 f.). Von den zwanzig Juden, welche sich auf dem Schiffe befanden, wurden sechs „wie durch ein Wunder" gerettet; die Übrigen vierzehn fanden ihren Tod im Rheine. Die Hinterbliebenenen scheuten keine. Mühe und kein Opfer, die stromabwärts getriebenen Leichen der Verunglückten aufzufinden, um sie würdig bestatten zu können, was ihnen auch durch die angestrengte Thätigkeit der Schiffer und Fischer innerhalb der nächsten acht Wochen gelang. Dieses alle schweizerischen Israeliten in tiefe Trauer versetzende Ereigniß hatte auch seine religiöse Seite: es handelte sich nämlich darum, ob die unglücklichen Witlwen sich wieder verheirathen und die verwaisten Kinder das übliche Trauergebet (Kadbifch) verrichten dürften. Mit dieser Anfrage wandte sich der damalige Rabbiner von Endingen-Lengnau, Rabbi Jakob ben Jsserle Schwaich, derselbe, der auch einige Jahre spater Moses Mendelssohn ersuchte, für die hart bedrängten Israeliten seiner Gemeinden ein gutes Wort bei Latz ater in Zürich einzulegen*), in einem ausführlichen Berichte an den ihm befreundeten, als Autorität in weitesten Kreisen bekannten Rabbiner Rabbi Joseph Steinhardt in Fürth, welch letzterer in Uebereinstimmung mit dem Fragesteller den Wittwen die Erlaubniß zur Wiederverheirathung ertheilte und die Söhne der Verunglückten verhielt, das Kaddischgebet eilf Monate vom Unglückstage an gerechnet zu verrichten.**) Ob diese unglücklichen Opfer deS Geschickes auf dem damals noch neuen Friedhofe, wo ihnen nach hundert Jahren eine Gedächtnißfeier veranstaltet und für ihr Seelenheil gebetet wurde***), oder auf der Judeninsel neben den Vätern ein Grab gefunden haben? Wie dem immer sei, die „Judenäule", ausschließliches Eigenthum der schweizerischen Israeliten, verwahrt noch heute eine nicht unbedeutende Anzahl wohlerhaltener Grabsteine. Mitten auf der kleinen Insel ruht neben seiner Gattin einer der ältesten Rabbiner von Endingen-Lengnau, *) Moses Mendelssohns ges. Schriften M, 107. **) R. G. Ä. Das Schreiben des Rabbiners Schwai'ch; datirt vom 8. Marcheschwan 5531 (Oktober 1770), wurde durch einen Joseph aus Endingen direct nach Fürth geschickt.. ***)' Anfangs Elul 5630 (1870). ' Rabbi L ö b Pi N t sch o w; sein Und seiner Gattin Grabstein ragen unter allen hervor. , L . Bereits vor mehreren Jahren hat det Cultürberein der Israeliten in der Schweiz deN anerkennenswerthen Beschluß gefaßt, die hier vorhandenen Grabstäne zu renobire'ü ünd die „Jüdenaule", die laut einem zwischen der Stadt Waldshut und den seligen Herren Satnuel Weil von Lengnäu ünd HNichael Dreifus voll Endzügen, als den bevollmächtigten der beiden genaüüten jüdischen Gemeinden, unter dem 29. November '1813 abgeschlossenen Vertrage Eigenthum der 'schweizerischen Israeliten ist*), der Würde des Ortes gemäß zu umfriedigen, damit auch den spätern Geschlechtern das Andenken an die Judeninsel erhalten bleibe. *) Der Vertrag bezw., Kaufbrief befindet sich fcft Mchive der jüdischen Gemeinde zu Endingen. Bermischies. (Aus Pest.) Eine der ältesten Frauen Pests, Ftöttr Fanni Hürfch, geb. Boskovitz, ist den 2. August im Alter von über 95 Jahren verschieden. Die Verstorbene war bis kurz vor ihrem Tvde noch frisch und regen Geistes und als wohlthätige Frau überall gekannt. Ihre Bahre, an der Herr Di*. KaysetliNg tief ergreifende Worte sprach, umstanden 2 Söhne, 3 Töchter, 15 Enkel, 40 Urenkel und 6 UrureNkel. In den Donaufürstenthümern werden jetzt die sogenannten Nationalgarden entwaffnet. Sie haben sich dort überall als unfähig erwiesen. Sie haben auch überall die Waffen gern in die Depots zurückgeliefert. Nur im Alutadistricte widersetzten sie sich hartnäckig; man hatte von gewisser Seite verbreitet, dir Regierung wolle den Juden Rechte gewähren, und deshalb die Bürger entwaffnen. Erst als immer und immer wieder ihnen zugesichert worden war, es sei dies durchaus nicht der Fall — wer Herrn Kostaforu und lfein Ministerium kennt, setzt eS überhaupt nicht voraus — ergaben sie sich. So sehr sind die Juden in Rckmättlen zum Schreckbilv des ganzen dortigen Volkes gemacht worden! In Cannamore, Präsidentschaft Madras, hat es im Juni Manna geregnet. Dieses Manna war "ein gummiartiger Saft, der auf Baumblättern -und Gräsern kleben blieb. Verlag von Banmgärtner's Buchhandlung in Leipzig. — Drück von I. B. HirfPfeld. Verantwortlicher Redaeteur Dr». H. Lo'tze.