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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-07-23 · Heft 30 (23.7.1872) · p. Seite 589

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 30 (23.7.1872)
Date
1872-07-23
Page
Seite 589 (sequence 7)
Language
German
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589 seinen Gedanken nicht immer den correcten Ausdruck zu geben und eine streng logische Folge in der Behandlung der Gegenstände aufrecht zu erhalten versteht. Auch das vorliegende Werk des Verfassers hat wie seine frühem Arbeiten viel Verdienstvolles, ist aber dennoch mehr als schätzbare-Materialiensammlung, denn als erschöpfende und maßgebende Bearbeitung zu betrachten. Hierzu kommt, daß der Verfasser nicht im vollen Maße für seine Abführungen die Stellenangaben hinzufügt, und wo er sie giebt, nicht genau und vollständig. Wir empfehlen daher diese Schrift der Beachtung, ohne zu verhehlen, daß sie eine spätere Behandlung des Gegenstandes nicht überflüssig gemacht hat. In die Details der vielen, in dem vorliegenden Buche besprochenen und angeregten Fragen vermögen wir nicht einzugehen, erkennen aber gern an, daß der Verfasser in viele pädagogische Fragen unserer Zeit eine schätzenswerthe Einsicht erlangt hat. — „Seelenklänge. Gebete und Psalmen der Israeliten nach dem Urtext metrisch bearbeitet von M. A. Wagener. Berlin, Louis Gerschel, 1871." In unserer an Gebetlust und Gebetgeist so armen Zeit fördern wir gern Alles, was dazu beitragen kann, das Gebet wieder auf die Lippen der Menschen zu bringen. Würde in dieser Hinsicht dem gegenwärtigen Geschlechte ein schaffender Geist einwohnen, so könnte er Bedeutendes und Dauerndes leisten, da es veredelten Geschmack und kritischen Sinn genug besitzt, um in Inhalt und Form das Veraltete und Verkehrte auszuscheiden. Abgesehen hiervon haben wir unsere Meinung über Gebete und Psalmen, in gereimte Verse gebracht, zu oft ausgesprochen, als daß wir das vorliegende Büchlein diesem Urtheil entziehen könnten. Wer einen Psalm oder ein ursprüngliches Gebet im Urtexte oder in einer kräftigen, dem Texte sich anpassenden Uebersetzung und dann in dieser gereimten Form liest , der wird die Verwässerung, die Auslassungen und Zusätze sofort bemerken und sich davon höchst unangenehm berührt finden. Solche gereimte Behandlung bringt derartige Uebelstände von selbst mit sich, und diese können höchstens durch eigenen Schwung und dichterische Begabung in etwas ausgeglichen werden. Diese Eigenschaften fehlen aber dem Verfasser, und dazu kommt bisweilen unrichtiges Versmaß, erzwungene Länge oder Kürze der Sylben. Endlich unterwirft der Verfasser Gebete seiner metrischen und gereimten Behandlung, welche hierzu durchaus nicht passen, z. B. das und die V'tö. Da werden dann sehr sonderbare Dinge aus den Texten. „Rede bei dem Trauergottesdienste für Dr. Raphael Kosch, gehalten am 4. April 1872 in Königsberg, von Rabbiner vr. I. Bamberger. Königsberg 1872." Wir freuen uns, dem Gedächtnisse, des verehrten Kosch auch dieses würdige Denkmal errichtet zu sehen. Der edle Geist, die innige und doch freie Gesinnung, welche den Charakter des Heimgegangenen erfüllten, beseelen auch die Worte des Redners und geben sich in dessen Zeichnung des Verklärten kund. So entspricht das Bild, welches uns hier entworfen wird, demjenigen, welches der Verstorbene in seinen Handlungen und Reden selbst von sich gezeichnet hat. — „Moses Mendelssohn, Vortrag von Rabbiner Dr. M. Silberstein. Eßlingen 1872." Es ist immer ein Verdienst, unter den höchst zahlreichen Schriften, Vorträgen und Reden, welche neuerdings über Moses Mendelssohn erschienen sind, noch etwas über denselben sagen zu können, was Aufschluß und Urtheil über den seltenen Mann dem Leser zu bringen vermag. Dies ist aber an dem vorliegenden Vortrage zu rühmen. In gedrängter Weise, wie eine solche Form nothwendig machte, überblickt und charakterisirt der Verfasser den Lebensgang, die Studien , Arbeiten und Wirkungen Mendelssohns so treffend, daß selbst der Kundige sich davon angezogen fühlt. Bonn, 2.Juli. „Muhammedanische Eschatologie nach der Leipziger und der Dresdener Handschrift zum ersten Male arabisch und deutsch mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. M. Wolff, Rabbiner der israelitischen Gemeinde zu Gothenburg. Leipzig, F. A. Brockhaus, 1872." Der gelehrte Herausgeber und Bearbeiter des arabischen Originals der Schemone Perakim des Maimonides veröffentlicht hier eine populäre Darstellung des muhammedanischen Glaubens über Tod, Paradies/' Hölle und Weltgericht im Original, in Uebersetzung und mit kritischen und erläuternden Anmerkungen versehen. Freilich treten hiev die Vorstellungen der Bekenner des Islam in ächt orientalisch-mythologischer Gestalt vor uns auf, in Phantasien , welche nicht dem edlen Schwünge des Menschengeistes, sondern der entzündeten Sinnlichkeit angehören, uud wenn auch auf einer würdigen Moral, doch nur auf.einer groben, beschränkten Bergeltungslehre beruhen. Die Schrift gehört der späteren Zeit an, ohne daß sich ihre Abfassungszeit ünd ihr

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