Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1872)
- Date
- 1872-04-09
- Page
- Seite 298 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Anerkennung, Ehre, Ruhm, find Abstufungen eines und desselben Erfolges, sowohl nach der Ausdehnung des Kreises, in welchem sie erlangt wÄden, als auch nach ihrem inneren Gehalte, ich möchte sagen, nach ihrem Gewicht und ihrer Dichtigkeit. Dem entspricht, daß der natürliche Trieb zur Begierde, zur Leidenschaft wird, so daß man diese als Eitelkeit, Ehrgeiz und Ruhmsucht bezeichnet. 7 *. Was ist nun Ruhm? und was bewirkt die Ruhmsucht? . Jedermann kennt die Flüchtigkeit und die Vergänglichkeit des Ruhmes. Die Menschheit consumirt und absorbirt wie eine unermeßliche Summe von Kräften und Thätigkeiten, so auch eine solche von Ehre und Ruhm. Wie viele Berühmtheiten verbleichen "schon während des Lebens ihrer Träger! Oft fragt man, wenn die Todeskunde eines früher viel genannten sich verbreitet: wer war der Mann? Man muß die Blätter der Vergangenheit, aufschlagen, um die Erinnerung an das äufzufrischen, was er früher war. Nichts ist eitler als der; Auhm in der Tagespreise, -und die Sucht, in derselben erwähnt zu werden, führt zu keinem dauernden Ziele, verschafft bisweilen einige Vortheile für den Tag, fügt aber kaum etwas zur allgemeinen Achtung hinzu. Die Mehrzahl aller ruhmgekrönten Namen ist nach einer oder der anderen Generation der Vergessenheit überantwortet, wenige retten sich aus einem Jahrhundert in das andere, darüber hinaus ist es nur einer geringen Anzahl gegeben, bleibend ihren Namen in die Geschichte der Menschheit eingetragen zu sehen. Selbstverständlich haben wir hierbei über die große Menge derer hinwegzusehen, denen nur ihre äußere. Stellung im Leben als Fürsten, Heerführer u. dgl. ein bleibendes Andenken gewährt, ohne daß denselben etwas ruhmwürdiges einwohnt. Ein jeder von uns vermag dies zu beurtheilen, wenn rr sich der Autoritäten erinnert, die zur Zeit seiner Jugend in Wissenschaft, Kunst, Literatur, Industrie, Politik u. s. w. viel gerühmt wurden, und die, da wir kaum das Alter erreicht haben, fast ganz verschollen sind und höchstens noch in Specialgeschichten oder Bibliographien genannt werden. Jedes Jahrhundert z. V. trägt aus seinem Vorgänger einige classische Autoritäten mit sich; eine der nächsten Generationen kennt sie nicht mehr urid lächelt -über ihre vermeintliche Musterhaftigkeit. So ragen aus dem allgemeinen Meere der Vergessenheit immer nur einige wenige grüne Inseln bleibenden und immer frischen Werthes und Ruhmes hervor. Wüßten die< meisten der sich im Lichte des Tages brüstenden Berühmtheiten, wie bald sie zu den vergessenen gehören, fie würden weniger nach der Höhe und mehr nach der Tiefe streben. Und was ist nun der Ruhm nach dem Tode?' Die Persönlichkeit, an die er sich knüpfte, hat als solche zu existiren aufgehört, und ihr Ruhm ist nur noch das Eigenthum eines Namens. Ob sich die Nachkommen diese Persönlichkeit in ihrer Vorstellung mühsam rcconstruiren^ und eben so oft sie verzerren als richtig begreifen, hat für diese Person keine -Beziehung. mehrn i Fragen wir nach dem Werthe des. Ruhmes für den Lebenden, so wird er uns als ein sehrzweideutigererscheivev. Vor allem Wird rr in zählreichen Gemüthern Neid und Eifersucht erwecken, die sich sehr häufig bis zur Feindseligkeit, ja Verfolgung steigern. Das Geschichtchen aus dem Alterthum, wie beim Scherbengericht über Aristides ein atheniensischer Bauer seinen Scherben mit dem Worte. ,^Verbannung" beschreiben ließ und als Guund angab, man nenne Aristides den Gerechten, und daS könne er nicht leiden — ist ein naiver Ausdruck von dem, was zu aller Zeit in unzähligen Fällen, geschieht. Und nun erst, wenn dieser Bauer der College des Aristides gewesen wäre! In der That ein jeder Tropfen Ruhmes, der einem Sterblichen gereicht wird, muß in den meisten Fällen mit einer ganzen Schale Wermuth, vom Neide oder -gar vom Haffe credenzt, bezahlt werden. Er wird bestritten, geläugnet und mit erlogenem Schimpf geschwärzt. Man wird sagen, dafür ist der Genuß des Ruhms in der Befriedigung des eigenen Bewußtseins zu suchen. Hierin liegt indeß ein Widerspruch. Denn der Ruhm ist das Bewußtsein anderer über die Verdienste des Gerühmten. Das eigene Bewußtsein befaßt nur die Ansicht oder Ueberzeugung der eigenen Person über den Werth ihrer Schöpfungen. Dieses jedoch ist bei dem Bescheidenen stets unter dem Niveau des Ruhmes , da dieser seine Schwächen und Mangel am besten selbst erprobt; der Ruhmsüchtige aber findet das, was ihm andere entgegenbringen, stets zu ering für das Maß des Verdienstes, das er selbst sich eilegt. Das Selbstbewußtsein ist also ein ganz anderes Ding als der Ruhm, und eine Ausgleichung findet hier nicht statt. Wir können sagen: das Selbstbewußtsein muß für den Mangel an Ruhm entschädigen, nicht aber kann es die Bitterkeiten des Ruhmes und das Mißgeschick, das ein solcher öfter zur Folge hat, versüßen. Ja, dem tieferen Beobachter wird es nicht entgehen, daß der Ruhm nicht selten selbst der Wirksamkeit dessen, der ihn besitzt, schävigend entgegentritt. Seine Neider und Gegner, nehmen oder beschränken ihm das Feld feiner Wirksamkeit, treten seinen besten Entwürfen und heilsamsten Thaten feindlich entgegen, und rauben ihnen den ihnen zukommenden Einfluß, die wünschenswerthe Ausdehnung, ganz abgesehen davon, daß der erlangte Ruhm die Erwartung von nachfolgenden Werken so hoch spännt, daß die Menge sich von letzteren getäuscht fühlt, und dadurch sich veranlaßt findet, auch den Werth der frühe- Wie dem aber auch sei, der Ehr- und Ruhmtrieb ist ein natürlicher, stets im Menschen vorhandener und wirksamer, und von nicht geringem Nutzen. Zunächst ist sein negativer Einfluß von großer Bedeutung. Er HAt den Menschen vielfach zurück, dem gemeine» und schlechten zu verfallen, um dem Tadel und: der Mißachtung seiner Mitmenschen zu entgehen. DaS Verlangen,, die Achtung seiner Umgebung mcht zu verliere«, hältihn von vielen niedrigen -und bösen Handlungen zurück, wie es m