Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 36 (1872)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1872)
- Date
- 1872-04-09
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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8. März über die' ■; schneidemühler Petition auf die empfindlichste Weise. 3a, er war einer der edelsten seiner Zeit — Friebe seiner Asche! Ueber die Trauerfeierlichkeit, die in der neuen Synagoge am 31. d. stattgefunden hat, erhalten wir von unserm Correspondenten 8. folgenden Bericht: Berlin, 1. April 1872. Für diese Trauerfeier haben wir dem Vorstande einen warmen Dank auszusprechen. Obgleich dieselbe, erst um 11 Uhr beginnen sollte,, belagerte die Menge doch schon vor 9 Uhr das Portal des Gebäudes. Der wundervolle Tempel, schwach beleuchtet, auf den Emporen der Sarg mit Blumen und Kränzen geschmückt und'von Lichtglanz umgeben, machte einen erhabenen Eindruck. Die ersten Reihen der Plätze waren von den; hier lebenden Abgeordneten und Repräsentanten der Gemeinden besetzt. Man bemerkte, unter ihnen: Klotz, Runge, Virchow, Blömer, Gras Eulenburg, , Löwe (Calbe), Duncker, Lasker u. a. m. Sonstige Notabilitäten von den Ministerien und Behörden fehlten. Gleich nach 11 Uhr wurde die Feier durchs ein Präludium eingeleitet und dann vom Chor die erste Abtheilung bei der Todtenfeier ■pxp gesungen. Geiger hatte während des-Chorals die Kanzel bestiegen und nach demselben diev- Leichenrede begonnen. Der Inhalt derselben war ungefähr, folgender: ,,'m bsia-' Der heilige Sänger sprach diese Ueberzeugung aus tiefster, innerster Seele aus, und mit derselben hob fich seine Seele zu Gott empor. So sind auch wir hier versammelt, um diese Ueberzeugung zu verwirklichen. Wir stehen hier nicht um ein Grab, in das ein Menschengebilde versenkt werden soll; wir stehen im Gotteshause; aber aus dem Sage ruft, es unszu ■ nn .tniibar-nta ün ■o Mt y« v-'uwn Nicht Anverwandte schaaren sich hier um den geliebten Todten, den sie im Leben begleitet, die seinen ganzen Wandel verfolgt haben. Wir begleiten. den Verblichenen nicht zur ewigen Ruhestätte. Dort, wo er gewirkt, dort, wo er als Jüngling eingezogen ist, dort, wo er ein Helfer und. Berather. war, dort werden die Zähren aus den Augen rinnen, wenn man ihn in das Grab senkt. Wir. aber, die wir ihm.nicht in's Auge geschaut, sind dennoch von dem Gedanken erfüllt, daß wir ein reiches Menschenleben verloren haben. Hier entwickelte sich sein Geist für das öffentliche Leben, und wir haben uns an demselben erquickt, wie er diese schwierige Aufgabe äufgefaßt und sie gelöst hat. 3a!; .Raphael Jakob Kosch war ein Mann! Das zieht die! Aufmerksamkeit auf ihn für das, was er dem Vaterlande geleistet hat in der Gesinnung für Recht und Freiheit. Was er den Glaubensgenoffen leistete, das ist es, was wir uns an diesem Sarge vergegenwärtigen. Nicht der besonderen Richtung wegen dem Staate gegenüber, nicht also , wollen wir sein Lob verkünden. Hier schweigt jedes besondere Leben. Hier gilt die Wahrhaftigkeit der Gesinnung, die Treue der Ueberzeugung. Nachdem der Sargdeckel nach langer Finfterniß gesprengt war, und ein freies Leben blühte, da betheiligte sich auch Kosch an diesem Streben. Kosch war ein Sohn der Stadt Königsberg, und wenn er auch-dort nicht geboren wurde, dort hat er den Geist emgesogen, und dort hat er ihn ausgeströmt. Und wenn diese Stadt nach einem Vertreter sich umschaute, da fiel der Blick aus Kosch. Er glänzte nicht durch Farbenreichthum der Worte, aber durch die Wahrheit des Gedankens. Er wankte nicht und verlor auch nicht das Vertrauen. Recht und Wahrheit müssen doch endlich siegen! Kosch war ein Mensch in der vollendeten Bedeutung des Wortes. Ähr seid M en sch en, wenn ihr den Beruf des Menschen zu erfassen versteht. Kosch war ein Jude. Wollt ihr die Macht des Judenthums erkennen, schaut hin aus solche Männer! Er trat überall auf, wo das Recht der Juden verkümmert war.- Da neigt sich unser Haupt zur Erde über das, was wir an ihm verloren haben. Wer wird nun eine Stimme erheben für uns? Wer wird uns vertreten und das Recht der Bedrängten wahrnehmen? •’fi ■’batt wr ^81. Ich weiß es aber , daß mein Erlöser lebt! Es wird ein anderer erstehen, der auch hier das Recht zuvertreten als seine Aufgabe betrachtet. Kosch wußte es, daß seine Aufgabe eine schwierige war. Er lauschte an der ehernen Pforte, die nicht so leicht aufgelhan wurde. Er wußte es, daß selbst unter den Erleuchteten und Besten mitunter weiter nichts als ein lächeln oder Mitleid die Antwort war. Er rief ihnen aber immer zu: Verletzet mir kein Glied und wenn eS euch auch unbedeutend scheint! Er pochte und pochte, bis er dennoch siegte. Die kargen Reste seiner Kräfte verwendete er noch einmal gegen die Behörde, die gehässig und in ätzender Weise gegendie Bekenner unseres Glaubens austrat. Er mochte wohl wissen, daß seine Stimme verhallen würde gegen alle die Rücksichten, die; manzu nehmen vorgab, und mit bebender Lippe erscholl, sein Wort. Es war das letzte Bekenntniß seines Glaubens > daS letzte Bekenntniß feines Lebens, mit. dem der Jude aus dem Leben. - scheidet: - "im ■ 'rr irrrba * 'n 15*