Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1872-01-16 · Heft 3 (16.1.1872) · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
36 (1872)
Issue
Heft 3 (16.1.1872)
Date
1872-01-16
Page
Seite 43 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226852-3226856--30229-3253096
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lehranstalten seitens der Wischen Jugend, die ein so überraschendes Resultat lieferten, machen es wünschenswerth, auch aus andern Ländern über diesen Gegengenstand Mittheilungen zu erhalten. In Oesterreich stellt sich dieses Verhältniß für die Juden ebenfalls günstig heraus, wenn auch lange nicht so glänzend wie in Preußen. Ich sende Ihnen im Folgenden, was ich hierüber jüngst in einem hiesigen Tageblatte veröffentlicht habe. G. Wolf. Die Journale brachten jüngst eine Notiz über die Schüler des Leopoldstädter Realobergymnasiums ihrer Confession nach. Es befinden sich nämlich in dieser Lehranstalt 346 Israeliten, 126 Katholiken und 10 Protestanten. Auch in der Staatsrealschule zu St. Johann in der Leopoldstadt ist die Zahl der israelit. Schüler fast doppelt so groß als die der Schüler andrer Confessionen. Es befinden sich nämlich in dieser Lehranstalt im heurigen Schuljahre 356 Schüler. Von diesen isind 234 Israeliten, 119 Katholiken, 2 Protestanten und 1 Griechischunirter. Selbstverständlich entsprechen diese Zahlen nicht der Bevölkerungsziffer. Nach der letzten Volkszählung am 31.December 1869 beträgt die Bevölkerung Wiens 607,554 Seelen; darunter sind 40,230 Israeliten. Die Bevölkerung der Leopoldstadt betrug 84,477 Seelen, und darunter waren 19,657 Israeliten. Diese Zahlen liefern den Beweis, daß die Juden verhältnißmäßig ihre Kinder mehr zum Schulbesuch anhalten, als dies bei andern Confesstonen der Fall ist. Doch könnte man meinen, daß dies nur in örtlichen Verhältnissen rc. liege. Dem ist aber nicht so. In dem 3. Hefte des 18. Jahrgangs der „Mittheilungen aus dem Gebiete der Statistik", herausgegeben von der k. k. statistischen Centralcommisfion, Abtheilung: die Hoch- und Mittelschulen der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder von 1851 bis 1870, heißt es Seite 59: „Wenn man nun obige Antheilziffern der einzelnen Religionsbekenntnisse an der Frequenz der Hoch- und Mittelschulen mit jener Ziffer vergleicht, welche dem Verhältnisse der verschiedenen Confessionen in den im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern entspricht, so ergibt sich, daß die lateinisch-katholische Religion um 0.9 Procent mehr als die volle Zahl der Studirenden stellt, während die Griechischunirten um 6.9 Procent und die Griechischorientalischen um l.t Procent im allgemeinen Zurückbleiben. Besonders günstig ist dieses Verhältniß bei den Israeliten, welche 43 um 6.2 Procent mehr an der Frequenz der Hoch- und Mittelschulen als an der Bevölkerung theilnehmen und überhaupt seit der Studienreform von 1851 bis 1870 eine um 190.4 Procent gesteigerte Theilnahme an der höheren geistigen Bildung Nachweisen." Ferner heißt es Seite 72: „Die Zahl israelitischer Schüler überragt die Theilnahme der Israeliten an der Bevölkerung in den in Oesterreich unter der Enns um 14.2 Procent 4.8 Procent in Triest, Görz und Gradisca, Istrien um 9.i - 9.4 - in Böhmen um 10.5 - 7.8 - in Mähren um 14.5 - 15.8 - Auch in der Bukowina überwiegt ihr Besuch an den Gymnasien um 6 Procent und an den Realschulen um 22.2 Procent die bezügliche Bekenntnißziffer." Frankreich. Paris, 2. Januar. Die Redaction der Arch. isr. beginnt ihren 33. Jahrgang mit der Versicherung, daß sie sich nicht loben wolle, fährt aber alsbald mit der Behauptung fort, daß kein jüdisches Blatt bis jetzt „die geistigen Interessen unsers Cultus und die politischen Fragen jeder Art, die sich daran knüpfen, umfaßt Habe" wie sie. Nun, wir wollen dieses Selbstlob,. dieses Weihrauchopfer, welches das französische Journal sich selbst bringt, nicht stören. Wenn es aber hinznfügt, daß kein jüdisches Blatt das Alter der Arch. isr. erreicht habe, so können wir der Redaction eine sonderbare Unwissenheit in ihrer eignen beschichte vorzuwerfen uns nicht versagen. Die Arch. isr. sind von dem Vater des jetzigen Redacteurs erst nach dem Vorgänge der allgemeinen Zeitung des Judenthums gegründet worden, und zwar drei Jahre später, während welcher derselbe ein remunerirter Correspondent unsers Blattes gewesen ist, Arttkel aus Paris und Algier geliefert hat, besonders auch einige werthvolle Briefe aus Marokko, in hebräischer Sprache von einem dortigen Glaubensgenossen verfaßt, vermittelt hatte, deren deutsche Uebersetzung wir in diesem Blatte gaben. Wir bemerken diese Einzelheiten, damit Herr Cahen sich genügend informire in einer Sache, die ja der 3*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.