Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 35 (1871)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1871)
- Date
- 1871-06-13
- Page
- Seite 483 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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488 Eine Wittwe Mitte der Dreißiger (Israelitin., welche Umstände halber ihre jetzige Stelle als Haushälterin verläßt, sucht in einem respectabelcn Hause eine passende Stelle. Dieselbe ist sehr kinderlieb, und würde auch die Pflege der Kinder übernehmen. Beste Referenzen stehen zur Seite. Gefall. Adressen franco Ritzebüttel werden unter den Buchstaben F. L. poste restante erbeten. Pensionäre finden in einer höchst anständigen und gebildeten Familie freundliche und liebevolle Aufnahme. Französischer Unterricht und Musik wird, wenn es gewünscht, im Hause ertheilt. Das Nähere darüber ertheilt Herr Cantor Hast in Breslau, Antonien-Str. 28, 1. Etage. Gladenbach, 4. Juni 1871. In Nr. 21 der Zeitung des Judenthums ist Herr Lehrer Levor von Walsrode so freundlich, Sich zu Mittheilungen über die Annehmlichkeiten hiesiger Lehrerstelle zu erbieten. Unseres Erachtens bezweckt Levor offenbar durch Verbreitung falscher und erdichteter Thatsacheu und durch Vorzeigung noch fälscheren Schriftstücke uns die Anstellung eines Lehrers zu vereiteln. Wir aber fragen: Wie nennt man einen Menschen, der hinter dem Rücken Anderer unwahre Thatsachen verbreitet oder entstellt? Die Beantwortung dieser Frage liegt auf der flachen Hand: man nennt solche Individuen, wenn nicht geradezu Lügner, so doch gelinde gesagt, Berläumder; und wer wird einem Berläumder glauben? Gewiß Niemand. — Schon aus diesen Gründen dürften die Mittheilungen Levors, auch wenn solche selbst an Wahrheit streiften, nicht geeignet sein, uns bei Besetzung hiesiger Lehrerstelle irgendwie hemmend entgegenzutreten. Ganz abgesehen hiervon aber muß die Behauptung Levors, seinen Dienst freiwillig verlaßen zu haben, sehr überraschen und können wir wahrlich nicht begreifen, was Levvr unter „freiwillig^ versteht. Aber freilich, dieser Herr hat es im Verdrehen von Thatsachen schon so weit gebracht, daß er sich in allen Situationen zurcchtsinden kann. Indessen, wenn Levor „freiwillig" verschwand, so fragen wir: Warum brauchte er da bei Nacht und Nebel und in Pantoffeln davon zu schleichen? Fürchte er wohl einen etwaigen Sturm noch nicht befriedigter Gläubiger, oder ein gewaltsaines Zurückhalten seiner Person unsrerseits? Bewahre! Seine Wechselschulden sind ja erst im August und September fällig, seine übrigen Gläubiger waren bezüglich seines Verschwindens in Unkenntniß und wir, wir hätten ihm wahrlich noch ein Sicherheitsgeleite mitgegeben, damit er nie, nie wieder die Grenze rückwärts überschritte! Inzwischen sind wir. im Stande, das „freiwillige" Verschwinden Levors vom hies. Platze besser zu erklären und wir erlauben uns im Interesse der Wahrheit Folgendes zur allgemeinen Kenntnis; zu bringen. Als in 1 SGli unser früherer Lehrer Sugenheimer abzog, betrauten wir der» Lehrer Levor trotz deS entschieden schlechten Eindrucks, den dessen Persönlichkeit auf alle hies. Einwohner machte, mit der vacanten Stelle. Anfangs ging Alles gut und Levor hatte reichlichen Zuspruch von Privatschülern, wodurch ihm eine nicht unbedeutende Nebcnemnahme von anfänglich über lw Thlr. monatlich erwuchs. Aber bald, nachdem L. etwas warm am Platze geworden war, begann er auch schon seinen wahren Charakter zu zeigen, indem er Personen, die ihm in seinen öfteren finanziellen Nöthen zahllose Wohlthaten erzeigt, mit schnödem Undank belohnte dadurch, daß er sie auf jede mögliche Weise insultirte und die elendesten Verleumdungen über sie ausstreuete, während doch bekanntlich ein Hund die Hand liebt, die ihm ein Stück Brot gereicht, ferner die im getäuschten Vertrauen auf seine Biederkeit bei ihm ohne vorherige Ausbedingüng eines Honorars (unvollständigen) Unterricht genossen habenden Privatschüler arg übervortheilte, wodurch er Letztere (bis auf 2—3) auch schon in den ersten paar Monaten verlor, mit seinen christlichen College» in stetem Hader und Processiren lebte, keinen regelmäßigen Unterricht ertheilte, die für die Feiertage üblichen außergewöhnlichen Gebete eigenmächtig bei Seite setzte, endlich den ihm anvertrauten Kindern ganz verkehrte Anschauungen beibrachte, denselben Bücher zum doppelten Preise aufociroirte, mit vielen Personen immerfort Händel suchte u. s. w. Die Folge hiervon waren zahlreiche Beschwerden, die beim Unterzeichneten Vorstande einliefen und die schließlich so Zunahmen und so arg wurden, daß alle Gcuwindeangehörigen einstimmig die Entlassung Levors forderten, worauf wir auch im März d. I. demselben die Stelle kündigten. Und angesichts dieser Thatsachen wagt L. noch mit dreister Stirne noch zu behaupten, er sei freiwillig gegangen!! Nicht übel!- Wir glauben durch vorstehenden Thatsachen, deren Wahrheit wir durch amtliche Atteste zu beweisen erbötig sind, sowie durch die Attestation des Vorstandes von Neubuckow in Mecklenburg, der früheren Dienststelle Levors, der doch den Satz: „Wer Butter auf dem Kopfe hat, der gehe nicht in die Sonne," mehr beherzigen sollte, genügenden Beweis bezüglich des Verhaltens dieses Menschenkindes geliefert zu haben und dürfen uns daher jeder weiteren Aeußerung enthalten. Ter Vorstand der iör Gemeinde Gladenbach. Eine in bester Meßlage sich befindliche -ras Restauration mit feiner und auSgebreiteter Kundschaft, soll unter sehr annehmbaren Bedingungen verpachtet resp. verkauft werden. Adressen unter A. Z. IST 1 nimmt das Aiiüoticcii-liiireaii von Bernhard Freycr in Leipzig entgegen. Coufirmationssehein für Israeliten, n. d. Angaben jtuL Gelehrten. Neue Ausgabe. Schwarzer Druck in. Silber auf weissen Carton. gr. quer 1. 'i(t Thlr. 12 Stück 1 Thlr. baar. Verlag von Heinrich Hunger in Leipzig. Berichtigung. In Ar. 2N. 0. 454. Sp. 2. Z. 10. v. u. licS nicht „und kr*', jondern „unter".