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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1871-04-18 · Heft 16 (18.4.1871) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
35 (1871)
Issue
Heft 16 (18.4.1871)
Date
1871-04-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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35. Jahrgang. Allgemeine _ ,11*' 16. Ein unparteiisches Organ für altes jüdische Interesse. Heran Hg eg eben von Rabbiner vr. Ludwig Philippfon in Bonn. Leipzig, den 18. April 1871. Diese Zciluruz erscheint wöchentlich einmal DicnstagS, in 2 bis 2> 2 Doqcn. Preis dcö Jahrgangs t Thlr. Halbjähri.q 2 Thlr. Vierteljährig > Thlr. Inserat? werden mit 1 */* Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. 2lllc Buchhandlungen, Post.nntcr und Zeitungs-Expedinonen nehmen Bestellungen an; der Haupt Expcdnion für beide Letztere hat sich daS König!. Sachs. Haupt-ZcitungS-Bureau unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Rundschau. — Skizzen über die Frage: Was haben die Juden vom Staate zu fordern? XI. und XII. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Königsberg in Pr., Posen, München, Aus dem Hcrzogthnrn Meiningen, Bonn. — Frankreich: Paris. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London. — Nachtrag: Ans Frankreich. — München. Feuilleton-Beilage: Lesesrüchte!. - Napoleon I., die Juden und die österreichische Polizei. - Correspondenz. — Notizen. Leitende Artikel. Bonn, 0. April. Rundschau. Indem wir uns anschicken, dieses niederzuschreiben, geht das seinem Inhalte wie seiner Erscheinung nach erhabene Fest an uns vorüber, und ladet uns, dieses Mal unter den großen tieferschütternden Ereignissen der Gegenwart, ganz besonders zu Erwägung und Betrachtung ein. Unsre Blicke schweifen nicht in die Bergangenheit des grauen Alterthlnns zurück, auch nicht in die wechselvollen Zeiten, die seitdem über die Menschheit und im Besonder,! über Israel hinweggegangen — dazu ist das Herz zu sehr bewegt, der Geist zu sehr ergriffen; aber die Weihe und 'Ruhe des Festes weht ihren milden Hauch dennoch über das aufgeregte Gemüth, und der fast unbewußt wirkende Gedanke des Festes schafft uns einen Gesichtspuuct, aus welchem sich das Augenblickliche leichter übersehen, die allgemeinen Ergebniffe klarer sich anschauen lassen. Man trennt sich schwer von Meinungen, ja Ueberzeugungen, die man durch ein Lebensalter gewonnen und genährt hatte, die uns zur Befriedigung und zu einem hoffnungsreichen Vertrauen auf die große Zukunft gedient haben. Es ist eine schmerzhafte Operation; aber wer aufrichtig nach Wahrheit forscht, und darum nicht hartnäckig und willkürlich die Augen vor den Lehren der Wirklichkeit und der Erfahrung verschließt, wird sich auch ihr unterwerfen. So weh es uns als Menschen, nach dem Werthe, welchen wir der bereits erlangten Civilisation beimaßen, und ihrer Wirksamkeit, insbesondere uns vom jüdisch-religiösen Standpuncte und als Juden thut, wir müssen doch eingestehen und als eine traurige Wahrheit zugeben: die Zeit, in welcher die großen politischen und socialen Werke, Gestaltungen und Uinbilduugen in einer friedlichen, Alles überwindenden Entwickelung zu Stande gebracht werden und sich vollenden, sie ist noch nicht gekommen. Bielmehr, auch noch in diesem neunzehnten Jahrhundert geschehen und vollbringen sie sich im Kriege und durch den Krieg . . . Tie Einheit Italiens mit dem Sturze des Kirchenstaates, ein Problem, an dessen Lösung viele Jahrhunderte vergebens die Italiener arbeiteten, die schon zu Dante's und Petrarca's Zeit zu ihre» höchsten Träumen, zu ihren drängendsten Rationallrieben gehörte, sie ist überraschend schnell durch die Kriege von 1856, 1SU6 und 1870 zu

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