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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-02-20 · Heft 8 (20.2.1866) · p. Seite 115

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 8 (20.2.1866)
Date
1866-02-20
Page
Seite 115 (sequence 5)
Language
German
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11s , Wenn das Verfahren des Dichters, diesen Grund hatte, und wir zweifeln nicht daran, welche Ironie, welche Verurtheilung liegt gerade darin für die Boruriheile gegen die Juden! Zerstreute Bemerkungen. 6. Die Mystik und die Satzung. Man Hai uns um einigen Aufschluß über eine Auslassung in No. 4, im Art. II über „die Zukunft der Religion" S. 49 ex\nd}t, wo wir einen Umschlag der Anschauung betreffs der jüdischen Satzung, der ganzen Gedanken- und Gefühlswelt, aus welcher und für welche sie entstanden, bereits in dem kabbalistischen Mysticismus fanden. Die Sache ist aber an sich klar und dem Gefchichtskundigen längst bewußt. Sobald man mystischen Inhalt, mystische Motive und Zwecke in der Satzung aufsucht und zu finden meint, fühlt man sich eben von der konkreten Auffassung und einfachen Uebung derselben nicht mehr befriedigt. Einen Beweis fanden wir aber in diesen Tagen in dem, bald irn Drucke beendeten IX. Bande von Grätz' „Geschichte der Juden" S. 884. Als der Sohar zum ersten Male gedruckt werden sollte (Mantua 1558), und einige italienische Rabbiner ihn verbieten und sogar den Bann über die Herausgeber aussprechen wollten, trat Isaak de Lates „als geharnischter Kämpfer" für ihn und die Herausgeber auf. Unter Anderem sagte er: „daß durch die kabbalistische Betrachtung die Ausübung der Religionsgesetze nicht so nüchtern, trocken, geistlos, wie angelernte Menschengebote, erscheine." Man sieht also, daß sich die Leute dessen, worin sie sich von ihren Vorfahren unterschieden, wohl' bewußt waren, daß der einfache Verstand und das einfache religiöse Gefühl vor dem Bedürfniß der lebhaft geweckten Phantasie zurückgewicheu. Von da ab liefen die juridische und die mystische Anschauung der jüdischen Satzung neben einander; anfangs friedlich, ohne Bewußtsein ihres inneren Widerstrebens, dann zu offenbarem Kampfe hervorbrechend, von Sabbathai Zwi bis zum heutigen Chassidismus, der dem'Talmudismus feindlicher ist, als die Reform. ■■ 7. Die drei Mendelssohne. - No. 4 des „Mag. f. d. Lit. d. Auslandes" bringt eine Reliquie Felix Mendelssohn's. „ Aus diesem Artikel erfuhren wir, daß auch der älteste Sohn unseres Mendelssohn's, der sel. Joseph Mendelssohn, als Schriftsteller' ausgetreten, indem er im Februar 1840 anonym zwei Vorträge unter dem Titel: „Bericht über Rossetti's Ideen zu einer neuen Erläuterung des Dante und der Dichter seiner Zeit" herausgab. Behufs dieser Schrift wünschte Joseph Mendelssohn von seinem Neffen Felix eine metrische Übersetzung einiger dunkeln Sonette des Boccaz auf Dante, und die Antwort Felix Mendelssohn's, datirt Leipzig 20. Februar 1840, ist die Reliquie, die das gedachte Blatt mittheilt. 'Für uns hat diese in sofern ein Interesse, da sie sich in ihrem ersten Theile. über die zu veranstaltende Gesammtausgabe von Moses Mendelssohn's Werken ausläßt. Wir haben hier also ein Schreiben des Enkels an den Onkel über die Werke des Großvaters und darum stehe es hier: Lieber Onkel! „Die erste Veranlassung meines heutigen Briefes ist Brockhaus, der mich vorige Woche fragte, warum nicht eine ordentliche Gesammtausgabe der Werke des Großvaters erschiene, da die Wiener Ausgabe erstlich nur ein Nachdruck, in. einem Bande voll Druckfehler, und dann auch, wie er meinte, nicht ordentlich zusammengeftellt sei, und in Hinsicht der Correspondenz und namentlich der angehängten Lebensbeschreibung sehr viel zu wünschen übrig lasse. Er meinte, es werde nicht schwer sein, sich mit den rechtmäßigen Verlegern der einzelnen Werke darüber zu verständigen. Da ich nun die näheren Verhältnisse gar nicht kenne, so sagte ich ihm, ich würde Dir darüber schreiben, und ihm seiner Zeit Deine Antwort mittheilen. Jedenfalls wird es Dich freuen, aus seiner Anfrage den lebhaften und gesteigerten Antheil zu ersehen, den die Menschen jetzt an den Werken des Großvaters nehmen; und wenn eine ordentliche schöne Ausgabe davon, in mehreren Bänden, etwa (wie Brockhaus hinwarf) von Lachmann herausgegeben, vor Allem aber recht genau und echt zu Stande käme, so wäre es wohl für uns Alle ein Vergnügen. Wenn Du auch so denkst, so sagst Du mir wohl bald Deine Meinung, und ich habe dann noch öfter Gelegenheit, Dir darüber zu schreiben." (Bekanntlich ist djese Ausgabe auch bei Brockhaus erschienen.)

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