Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1866)
- Date
- 1866-02-06
- Page
- Seite 89 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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feve schönen Midraschim und die mit geistvollen Parabeln angefüllte Hag ad ah nicht zur Kanzelberedsamkeit verwenden? Gesagt,. gethan, und rasch sehen wir eine Generation von Rednern aufblühen; Salomvn, der populäre Redner, Mannheimer, der witzige, Geiger, der gelehrte, und der Verfasser des Silo ah, der schwung- und geistvolle Redner, sind Sprößlinge dieses silbernen Zeitalters. Es muß hier bemerkt werden, daß die genannten Prediger nicht die einzig nennbaren sind, es sind deren noch viele, die hier ihren Platz finden sollten. Für das erste Zeitalter hat auch Frankreich sein Contingent geliefert; Metz besaß eine beträchtliche und tauschte Jünger mit dem naheliegenden Frankfurt aus. . Das zweite Zeitalter hingegen ging ganz spurlos an den französischen Juden vorüber; sie mußten wohl Kunde von Mendelssvhn's Leistungen haben, weil die Provinzen Elsaß und Lothringen noch ganz deutsch zu jener Zeit waren (ich meine der Sprache nach, sie sind es heute noch zumeist), und bei denen in Südfrankreich waren Uebersetzungen von den Werken jenes großen Mannes vorhanden. So die Briefe an Lavater unter dem Titel lettres juives (Frankfurt 1771) und der französische Demosthenes Mir ab eau hat in London 1 787 ein Schriftchen „Moses Mendelssohn“ veröffentlicht; die französische Revolution brachte viele Redner hervor, aber keinen jüdischen Kanzelredner; die orientalischen Studien hatten ihren de Sacy und Quatremöre, aber keinen jüdischen Vertreter, Basnage lag ihnen für jüdische Geschichte vor, aber keiner unternahm eine neue Bearbeitung nach jüdischen Quellen, die ihnen der Talmud und die reiche Pariser Bibliothek reichlich boten. Wo der Grund dieser Indolenz und muthwilligeu Unthätigkeit zu suchen sei, ist meine Aufgabe nicht hier anzugeben; überlassen wir dieses denNnodernen Geschichtsschreibern des Judenthums. Wir kommen nun zum goldenen Zeitalter, wo die Jünger nicht mehr ein Wanderleben antreten müssen, um für den Rabbinerstand sich auszubilden; die Rabbiuerschulen vereinigen Alles, Talmud, talmudische Kritik, jüdische Geschichte, Philosophie, Homiletik, Rhetorik und sogar orientalische Sprachen. Nun kann jeder “nns, ich kann mich von der alten Benennung nicht trennen, sein Wissen schwarz auf weiß nach Hause tragen und erhält, nach bestandenen Examina seine Pergamentrolle. Welche Methode die bessere.ist, wird die Zukunft lehren, denn was uns die Talmudschulen im Vereine mit den Universitäten hervorgebracht haben, wissen wir; was die Rabbinerschulen uns liefern werden, müssen wir abwarten; in Frankreich wenigstens, wo sie mehr als ein halbes Jahrhundert existirt, kam aus derselben nichts Bedeutendes hervor. Doch läßt sich daraus nicht schließen, denn während das Seminar in Breslau Autoritäten wie Frankel, Graetz, Bernays, Joel und andere, das in Padua, so unbedeutend an sich, doch einen Luzzatto und della Torre an. der Spitze hat, finden wir in dem französischen Seminar Namen, die nur die Schüler kennen; während das erstere jedes Jahr einen öffentlichen Bericht, begleitet von einer gelehrten Abhandlung, über die Leistungen daselbst in die Welt schickt und schon Schüler wie die Herren Di*. Perles, Horowitz und andere aufzuweisen hat, die in ihren Thesen schon ihre Liebe zur Arbeit und Befähigung zeigten, wird in Paris ein Examen bei geschlossenen Thüren gehalten, auch eine Thesis als obligat angegeben, aber wer hat je eine solche gesehen? — Trefflich hat der Großrabbiner aus Paris, H. Isidor, bei einem Banquet in Ems die Größe seiner Collegen in Frankreich hervorgehoben; er sagte: „Wenn wir auch keinen Mendelssohn aufzuweisen haben, so wisset (er spricht zu einigen deutschen Rabbinen) daß wir auf dem Boden stehen, wo die ms ein gestanden haben." Mit andren Worten, wir besitzen jetzt wohl keine notorische Größe, aber wir hatten solche vor 600 Jahren; trauriger Trost, rr-.as* Nbfci ira wi bry was giebt man dafür, was man besaß, das was man besitzt, gilt.. Sollen wir etwa den Fortschritt bei den Arabern suchen, weil sie einst einen Hariri oder Avicenna in ihrer Mitte bargen? Sie sind auf gutem Wege stehen geblieben und wir können nur ihre Vergangenheit schätzen. Wäre jeder so aufrichtig wieder genannte Großrabbiner, und würde man nicht durch einen blinden Patrio-' tismus abgchalten sein, einzusehen, was da fehlt, so würde dem Uebelstande schon lange abgeholfen sein; findet man keinen im Jnlande, der eine Rabbinerschule im Stande ist zu leiten, so sucht man im Auslande. Hat etwa die Akademie in Paris Anstand genommen, in ihrer Mitte einen Haase für hellenische, einen Mo hl für persische und einen Munk für semitische Studien zu wählen, weil sie Deutsche sind? Auch die Sprache kann hier nicht als Ausrede gelten, denn noch find bie' französischen Rabbinen keine Hugo, keine B 0 s s u e t, und 6**