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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-05-09 · Heft 19 (9.5.1865) · p. Seite 291

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 19 (9.5.1865)
Date
1865-05-09
Page
Seite 291 (sequence 9)
Language
German
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291 Herr Redacteur, in Ihrem gediegenen Leitartikel No. ,10 dieser -geschätzten Blätter bemerken, der-Prophet den schönen,, Ausspruch thutr „Nur- Eine. Menschheit soll es sein.1' - Salomon Blum, Hauptschullehrer Rußland. Mitau, im April. (Privatmitth.) Wenn lange Zeit von hier keine Berichte an Sie gelangt sind, so geschah es, weil kein Haltpunkt zu finden war, aus den -dielen Verhandlungen auf allen Gebieten der Stäätseinrichtungen für das, speciell die Juden Betreffende, einen richtigen Schluß ziehen zu können, denn lebhaft kämpft der Gelehrte und höhere Bürgerstand' gegen die Vorrechte des Adels in der Agrarwie in der Justizreformfrage, und wenn der Jude immer wenig oder gar nicht dabei berücksichtigt wird, so geschieht es doch nicht selten , daß er ins Schlepptau genommen wird von denjenigen, die für sich, soviel es angeht, zu erlangen suchen, was ihnen in den baltischen Provinzen schwerer gelingen kann, als im wirklichen Rußland, wo die herzoglichen Rechte mit ihren Zugeständnissen, an bevorzugte Klaffen fehlen, welche die Ersteren aber im ganzen Umfänge festhalten und behaupten, daher auch auf alle neueren, die Juden betreffenden Reformen nachtheilig einwirken. Die Juden in Kurland sind durch gewisse Vertreter nicht wüssige Zuschauer, sondern haben, wie bereits berichtet, zur Wiedererlangung ihrer unter russischem Scepter zugestandenen Rechte, aus denen sie unverschuldet seit 1845 verdrängt worden sind , bei höchster Instanz petitionirt; das Reformbestreben der Staatsregierung hat auf allen Gebieten eine Thätigkeit entwickelt, wobei auch der Befferstellung der Juden im Reiche, Rechnung getragen werden und die auch den Juden in baltischen Provinzen zu Gute kommen soll? Die öffentliche Besprechung einer bis hiezu als nicht beachtenswerth gehaltenen Angelegenheit, auf zwei Wegen angeregt, fand einer günstigen, größtentheils vorurtheilsfreien Reden der öffentlichen Meinung der Gebildeten und solcher, die sich im Auslände umgesehen und den Segen des adoptirten Grundsatzes „bei gleichen Pflichten, gleiche Rechte" wahrgenommen' haben und es ehrlich gestehen, — daß 'die Presse die Zeitfragen lebhaft behandelte und auch der Judenfrage ihre Aufwerksamkeit zuwandte, wird bereits bekannt sein, jedoch : verdient besonders die verehrte Redaction der Rigaer Zeitung, sowie^auch der Baltischen Monatsschrift ihrer freisinnigen und geläuterten Standpunkte wegen, der beide in allen Zeitfragen also auch die Sache der Juden betreffend, , ein nehmen, allseitig denkende Anerkennung. Als Ihr geschätztes Blatt vor Jahren für die in damaliger Zeit erst neu angeregte Judengleichstellung, zuerst das Wort nahm, warenes das Journal „Inland" in Dorpat und die Riga.-Zeitung, die theils Ihre Correspondenzen reprodueirten und theils vortheilhafte Ansichten in der Judenfrage oft aussprachen und in allen Fragen der Neuzeit stets die Tendenz der Menschlichkeit festgehalten. Im August 1862 erschien in der Baltischen Monatsschrift VI. Band II. Heft unter dem Titel „Blick auf die Geschichte der Juden in Europa" von vr. V. Hehn aus Dorpat / worin derselbe sehr geistreich aus verschiedenen Perioden bis zu der Zeit Moses Mendelssohn's, Gräuelthaten, die man gegen Juden im Namen des Christenthums auSgeübt hat, skizirt -- und über den heutigen Standpunkt der Juden und des Judenthums sich rühmlichst ausläßt, kann daher Jedem, der Geist und Herz sucht, dieses Schriftstück bestens empfohlen werden. In derselben Zeitschrift IX. Band VI. .Hest^ April 1864 erfolgte aus dem Pastorat Sissegalle von C. Stoll eine Entgegnung auf Ersteres, wogegen die Redaction eine wiederlegende Randbemerkung machte. Eine große Correspondenz hat d. I. im XI. Band I. Heft der Baltischen Monatsschrift erschienene Schrift „zur Judenfrage von Ant. Eichhorn" in der Riga'schen Zeitung hervorgerufen, worauf wir nächstens wieder zurückzukommen uns Vorbehalten, vorläufig sei gestattet zu bewirken, daß die Entgegnung von der öffentlichen Meinung verurtheilt und nur eine wörtliche Reprodizirung das in Ihrer Zeitung im Jahre 1863 in No. 43 besprochenen libauschen achtzehnköpfigen Gutachten*) ist, welches abermals ins Treffen geführt wurde, und wie damals verunglückt ist. Fiel uns vor Jahren bei den 11 Gutachten der Magistrate die Erscheinung auf, daß alle Städte die längsder livländischen Grenze liegen, für die Juden gesprochen, so müssen wir uns dennoch wundern, daß *) Bon 18 Mitgliedern unterzeichnet, Einer an der Spitze der in der St.' Petersburger Zeitung vom vor. Jahre N. 157 durch Zurhusen vorgefnhrt, Näher kennen zu lernen ist.' ' - 19

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