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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1865-01-24 · Heft 4 (24.1.1865) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
29 (1865)
Issue
Heft 4 (24.1.1865)
Date
1865-01-24
Page
Seite 54 (sequence 8)
Language
German
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54 Berlin, im Januar. (Privatmitth.) Der Professor Traube, der vor kurzem ordentlicher Professor an dem Friedrich-Wilhelms-Jnstitut geworden, hat den Charakter als Geheimer Medicinalrath erhalten. — Wenn in diesem- Augenblicke die päpstliche Enchklica so große Sensation erregt und namentlich das Verdammungsurtheil über die Gewissensfreiheit: so vergißt man, daß die. streng kirchliche Partei im Protestantismus seit langer Zeit ganz dieselben Ansichten verficht, nur daß sie die lutherische und evangelische Kirche als mitberechtigt ansieht, was die katholische nicht thut. Gegen alle Dissenters und gegen die Juden verlangt sie dieselbe Ausschließung auch in bürgerlicher Beziehung, welche die Enchklica fordert. Bekanntlich aber bleibt das Recht und die Duldung in gleicher Weise verletzt und geleugnet, ob man sie auf einen größeren oder geringeren Kreis beschränken will. Man braucht nur die „Berliner Revue" und die „Kreuzzeitung" zu lesen, um sich dessen zu: vergewissern und sich zu überzeugen, daß wenigstens auf diesem Gebiete es hüben gerade wie drüben klingt. Es fiel daher gar nicht auf, daß sich Blätter dieser Art, z. B. das in Wien erscheinende „Vaterland", welches der frühere Redacteur des preußischen Volksblattes redigirt, zu unbedingten Vertheidigern der Enchklica machen. Das letztere schreibt: „Das Wort des Papstes hat das Gewebe zerrissen, womit die Revolution und ihre schillernden Freunde die Kirche und alles legitime Recht der Erde zu umgarnen suchten. Der Papst hatte das erste, für alle Zeiten maßgebend gewordene Scheidungswort: „Wer ist mit Gott?" mit aller Macht neu hingestellt." — Wie vaterländisch hiermit das „Vaterland" sich gerirt, da es den österreichischen Staat unter die Allgewalt des Papstes stellen, will, kann nicht auffallen , da bekanntlich dieser Leute Vaterland nur — eine gewisse' Partei ist. Die Anwendung des Ausrufes Mosis dem goldenen Kalbe gegenüber auf die Enchklica kann man nur belächeln. Es stände sehr übel um die Menschheit, wenn nur diejenigen „mit Gott" wären, die mit der Enchklica. Uebrigens kann man über diese nun schweigen. Für die allgemeine Welt ist sie todt und das nächste große Ereigniß wird ihr Gedächtniß bedecken, nur für die Ultramontanen ist sie ein neuer Anstoß zum Wühlen, was. sie ohne dieselbe auch nicht unterlassen hätten. —. In diesen Tagen fand hier die zweite Trauung eines Ehepaares statt. Dieses, ursprünglich jüdischen Glaubens, trat bei seiner Berheirathung zum Christenthum' über, und^jcht/nach! einer'16jährigen glücklichen Ehe, zur jüdischen Religion zurück^ Es mußte deshalb eine neue Trarmng'-:'nach -jüdischem -Ritus stattfinden., Thorn, 4. Januar.' Das „Kuj. W." Meldet wörtlich Folgendes: „Ende vor. Jahres fand' Hierselbst der liebertritt einer aus England hierhergekommenen Frau, evangel. Confession, zum Judenthum statt. Dieselbe lebte mit ihrem jüd. Ehemanne 4^/2 Jahre in Civilehe und wünschte sehnlichst die Religion ihres-Mannes, den sie kennen und schätzen gelernt hatte, anzunehmen. Nachdem sie vor dem zu diesem Zwecke zusammengetretenen Dreimänner-Gerichte ihrem durch nichts erschütterlichen Entschluß ausgesprochen hatte und von demselben auf die Bedeutsamkeit dieses Schrittes { und! die Bedeutung der jüd. Religion, die von ihren Bekennern Opfer und Entbehrungen fordere, aufmerksam gemacht worden war, wurde die Trauung nach jüdischem Gesetze an dem Ehepaar vorgenommen, worauf dann auch die Beschneidung der drei aus Vieser Ehe bereits entsprossenen Knäblein erfolgte." Gleiwitz, 5. Januar. Wie in mehreren'größeren Jsraeliten-Gemeinden Deutschlands, fand auch in der hiesigen gestern, am Todestage Moses Mendelssohn's, eine solenne Feier zur Erinnerung an den großen, um die deutsche Literatur und die Bildung seiner Glaubensgenossen hochverdienten Philosophen statt: Eingeleitet wurde dieselbe durch den von einem Männerchor ausgeführten 43. Psalm von Mendelssohn- Bartholdh. Hierauf hielt der Lehrer der hiesigen Gemeindeschule, Herr vr. -Marx, die Gedächtnißrede, welche in lichtvoller und bündiger Darstellung die edlen Bestrebungen des Gefeierten für Geistesbildung und Gewissensfreiheit hervorhob. Die durch diese Rede erzeugte gehobene Stimmüng der zahlreich Versammelten', hielt auch während des auf dieselbe folgenden Festmahls' bis zu Ende an. Zuletzt, ward noch eine ansehnliche^ Geldsumme zur Unterstützung verschämter Armenge-' sammelt. . ' 0; - Aus dem PosensHerr, im December. (Privatmitth.) Zwei Gemeinden unserer Provinz, N akel (bei Bromberg) und Wittkowo (Lei Gnesen), haben — ganz aus eigenen Mitteln— Schulhäuser erbaut, in denen nicht blos für die nöthigen Unterrichts-Localitäten sondern auch für Lehrerwohnungen genügend gesorgt ist.

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