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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-05-06 · Heft 19 (6.5.1862) · p. Seite 259

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 19 (6.5.1862)
Date
1862-05-06
Page
Seite 259 (sequence 15)
Language
German
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Preußen. Magdeburg, 30. April. Äm Tage vor der Abreise des Di*. Philipp so n von hier überreichte der Vorstand demselben eine in den herzlichsten Ausdrücken abgefaßte Adresse, in welcher der Dank der Gemeinde für die vieljährige treue Seelsorge und ihre innigen Wünsche für das Wohl des Scheidenden, damit er noch langeseiner Wirksamkeit für das Allgemeine erhalten bliebe, ausgesprochen waren. — In Nr. 99 der „Magd. Ztg." erschien folgender Nachruf: „In diesen Tagen verläßt uns einer unserer geachtetsten und berühmtesten Mitbürger, der Rabbiner vi*. Philippson, um in der Ferne sich Stärkung seiner Gesundheit zu holen. Wir und viele Handwerker Magdeburgs fühlen uns wohl nothgedrungen, ihm ein dankbares Lebewohl zuzurufen! Er war es, der lange vor 1848 ebenso uneigennützig wie eindringlich und beredt die Gebrechen der Verhältnisse des Handwerkerstandes uns klar machte und deren Abhülfe vorschlug, auf die Nützlichkeit der Association wie auf die Nothwendigkeit des Creditvereins für Handwerker hinwies und kräftig dafür wirkte, denselben ins Leben zu rufen. Sein Andenken wird uns stets theuer bleiben und möge er uns auch in der Ferne ein treuer Berather und Freund bleiben. Der Vorstand des Handwerker- Meister-Bereins." Dieser freundliche Abschiedsgruß war dem Dr. Ph. um so erfreulicher, als derselbe schon mehrere Jahre verhindert war, für diesen, mehrere Tausend Handwerker umfassenden Verein durch Vorträge u. dgl. wirksam zu sein. — Festlichkeiten verbot der Gesundheitszustand des Di*. Ph., der alle Aufregungen vermeiden mußte. Oesterreichischer Kaiserstaat. Raab, 13. April. (Privatmitth.) Anknüpfend an meinen letzten Bericht über die in Prag am 25sten v. M. stattgefundene Notablenversammlung sämmtlicher jüdischer Gemeinden Böhmens möge Nachstehendes als Ergänzung dienen. Wie bekannt, haben die Juden Oesterreichs in den verschiedenen Kronländern unter divergirenden Namen bis zum Jahre 1848 exceptio nelle Steuern zu entrichten gehabt. So beläuft sich in Böhmen allein der aus jener außergewöhnlichen Steuer resultirende Fond auf eine Viertel Million. Nun sind die böhmischen Juden gesonnen, mit den Interessen dieses bedeutenden Capitals ein jüdisches Landes-Waisenhaus zu gründen und ein Seminar nach dem Muster desjenigen zu Breslau ins Leben zu rufen. Indem wir diese frohe Nachricht mit wahrer Befriedigung constatiren, können wir nicht unterlassen, folgenden Wunsch hinzuzufügen. Auch die mährischen Juden haben seit Olims Zeiten ein derartiges Capital todt und brach liegen unter dem Namen „jüdischer Landes-Massafond". Wäre es nicht recht und billig, im Falle jenes Seminar in der Metropole Böhmens wirklich zu Stande käme und die jüdischen Lehramts- und Rabbinats-Candidaten Mährens und Schlesiens dort ihre Ausbildung suchen, daß dieser Anstalt jährlich eine bedeutende Unterstützung aus dem mähr.-jüd. Landes-Massafonds zufließe? Bei dieser Reflexion drängt sich uns folgende Frage auf: Wie kömmt es, nachdem die k. k. Regierung seit dem Jahre 1857 in Ungarn 5 jüdische Musterhauptschulen ins Leben rief, daß — mit Ausnahme an der Pesther — an den übrigen vier noch immer die Creirung der mit denselben in Verbindung stehen sollenden Lehrerbildungsanstalten auf sich warten läßt? Sollte etwa die Lösung dieser Frage mit der Lösung der ungarischen Frage überhaupt im Zusammenhänge stehen? Wir glauben nicht daran. Und es würde nur von Energie und Thatkraft zeigen, wenn die Intelligenz und die Spitzen der jüdischen Gemeinden Ungarns in dieser so wichtigen Sache keine Lauheit an den Tag legen möchten. Denn es bleibt ein für allemal eine unumstößliche Wahrheit, daß die sittliche Kraft, der geistige Fortschritt einer.ganzen Generation in der Elementarschule wurzelt. Wie soll nun aber diese ein kräftiges Leben entfalten, wenn der geistige Träger derselben, wenn der Lehrer keine seinem Berufe entsprechende Ausbildung aus Mangel an Anstalten sich aneignen kann? Bei allem Um- und Aufschwünge, den die in den Kronländern bestehenden christlichen Lehrerbildungsanstalten seit 12 Jahren genommen und aus welchen auch die jüdischen Lehrer bis heute ihr pädagogisches und didaktisches Wissen geschöpft haben — bleiben diese Anstalten speciell für den jüdischen Lehrer lücken - und mangelhaft, indem er daselbst das hebräische Wissen, resp. Kenntniß von p'dn und hebr. Grammatik, ferner die Art und Weise, wie dieses Wissen in der Schule zu verwerthen fei, nicht findet. Es stellt sich also die Nothwendigkeit heraus, daß in jedem Kronlande wenigstens eine jüdische Präparandie bestehe. Sie sehen, in unserem lieben Oester-

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