Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 11 (11.3.1862)
- Date
- 1862-03-11
- Page
- Seite 40 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Anfrage an die Aedactkon. Allenthalben stellt sich das dringende Bedürfniß heraus, daß unsere Gebete sowohl für Alltage als für Sabbath und Feiertage, selbst das gewöhnliche Tischgebet, einer gründlichen Reform bedürfen, da darunter noch sehr viele Gebete vorhanden, die jetzt durchaus nicht mehr anwendbar, auch zu viele Wiederholungen Vorkommen, so daß der Gottesdienst mit diesen Gebeten ohne Andacht und Nachdenken hingebracht wird, um die Zeit nur auszufüllen. Sollte es nicht dringendes Bedürfniß sein, daß die Herren Rabbinen diese Angelegenheit in die Hand nehmen und eine neue Gebetordnung zu erreichen suchen? Aufgeklärte Gemeinden werden eine neue Gebetordnung mit Freuden begrüßen, und weniger gebildete Gemeinden und dem alten Schlendrian Nachhängende werden schon durch den Zeitgeist dahin gebracht werden, diese neue Gebetordnung anzunehmen. Zur geneigten Besprechung in der Zeitung des Judenthums'erlaube mir die Frage anzuregen, ob es nicht wünschenswerth wäre, daß eine Synodal-Versammlung von Rabbinen und Laien (Abgeordnete aus den Gemeinden)! veranlaßt würde, welche über eine allgemein einzuführende Synagogen- und Gebetordnung in Bedachung träte, dann die Schulfrage in Erwägung zöge, ferner über die noch jetzt der Thora gemäß zu beobachtenden Gebräuche und Ceremonien Beschlüsse faßte. In den preußischen Staaten z. B. hat fast jeder Synagogenbezirk abweichende Synagogenordnungen, auch in den Gebeten verschiedene Abweichungen. Die Schulfrage liegt in den kleinen Gemeinden noch sehr im Argen; hinsichtlich der Ausübung der Gebräuche und Ceremomen herrscht die größte Verwirrung. Was zu thun, was. zu lassen? M. L. Israel in Stralsund. Antwort. Versuche, solche Synodal-Versammlungen in Preußen zu Stande zu bringen, sind bis jetzt immer gescheitert, und noch mehr wäre zu bezweifeln, ob eine wirklich versammelte Synode zweckgcmäße Erfolge haben würde, da die Parteien sich noch zu schroff gegenüberstehen, es auch zuletzt doch wieder jeder Gemeinde, ja jedem Individuum überlassen bleiben müßte, was von den Synodalbeschlüssen sie für sich annehmen oder verwerfen würden. Die erwünschte Einheitlichkeit würde also auch dadurch nicht erreicht werden. Was für die preußischen Gemeinden auf diesem Wege am hinderlichsten, ist, daß in der Hauptstadt sich für solche allgemeine Zwecke keine thatkräftigen Männer finden, die so etwas unternehmen und anbahnen möchten. Es ließe sich daher nur dadurch etwas thun, daß von einer Hauptgemeinde einer Provinz die Sache für diese allein erst in Anregung gebracht werde, um zuvor einen Punkt zu finden, an welchen sich die Erweiterung anleh-! nen mag.! Der Herr Fragesteller.mag -sichr-der drei Rabbinerversammlungen von 1844, 45 und 46 erinnern, und wie ihre Beschlüsse weder von älteren noch neueren Ge-' meinden angenommen worden, die? Einen sie mit gehässiger Anfeindung, die Anderen.mit empörender Gleichgültigkeit begruben. Vorläufig muß jede Gemeinde sich eine fortgeschrittenere zum Vorbild nehmen, und, jedes Individuum sich an die allmähligcn Resultate wissenschaftlicher Untersuchung halten. .Die^ RedactiyN. Danksagung und Bekanntmachung. Der Rabbinats-Candidas Herr I. Abraham, hat 4 Jahre hindurch an unsere? öffentlichen Schule als Lehrer mit der größten Treue und Gewissenhaftigkeit fungirt. Wegen seiner rastlosen Thätigkeit und großen Strebsamkeit hatte er sich stets des ungetheiltesten Wohlwollens' Seitens der Vorgesetzten Behörde, wie auch der allgemeinsten Zufriedenheit und Anerkennung Seitens unserer Gemeinde zu erfreuen. .Mit großem Bedauern sehen wir nun diesen höchst moralischen, streng religiösen wie kenntniß- ■ reichen Mann aus unserer Mitte scheiden, da unsere Kinder an ihm in jeder Beziehung ein schönes Muster gehabt haben, und er uns nicht nur vom Katheder aus treu ge- , dient hat, sondern auch von der Kanzel herab? uns oft mit dem Worte Gottes labte und wahrhaft erfreute. Er folgt nun dem ehrenvollen Rufe als Rabbiner nach Oberschlesien. Unsere herzlichsten Segenswünsche begleiten ihn zu seinem neuen Wirkungskreise und möge ihm stets die Achtung und Anerkennung zu Theil werden, die er so wacker verdient! w Gleichzeitig bitten wir q'ualificirt? Bewerber, die auf die hiesige Lehrerstelle regardiren, sich schleunigst an uns wenden zu wollen. — Mit der Stelle ist verbunden 200 Thlr. Fixum nebst freier Wohnung und 20 Thlr. Holzgeld. Der hebräische Privatunterricht wird besonders ■ honorirt. :• Kobylin, den 23. Februar 1862. Der Synagogen- und Schulvorstand. Isidor Romann. Hirsch Neustadt. Druckfehlers In No. 10 des Anzetgeblattes S. 35 Sp. 1 muß die dritte Annonce Henriette Buhler, nicht Büttler, unterschrieben sein. Jüdisches Bolksblatt Ro. 10. | Etwas über die Schöpfung der Erde. — Curiosa. — Ein Versuch, den deutschen Juden einen Papst einzusetzen. — Charakteristisch. — Bemerkenswerth. XL. Durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Jährlich 1 Thlr. Vierteljährig 'U Thlr. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur: I. H.'Luder.