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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-01-21 · Heft 4 (21.1.1862) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 4 (21.1.1862)
Date
1862-01-21
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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ifteiktfr der Mystik zu" liebäugeln' niemals Anstand' nähitt, s den: Mohär mit demselben Beinamen wie die Thora, Mmj lich -;heilig"? belegte und» sich-die Talismane) - Kamaien, j mystischen Gebetformeln üt fl w. Wohlgefallen ließ. Frei- ■ lich kam .ihrem -scharfen Instinkte öfter das 'Gefühldaß J diesem Mystik sie einstens erdrücken werde) und bekämpfte daher auch diese, wo sie unabhängig aufzutreten die Miene machte, wie sie z. B. den - Sabbathai Zwi verurtheilte, dessen vermeintliche . Anhängerschaft in R. Jonathan - Eibenschütz angriff u. dgl.; aber sobald man ihr wieder nachgab, beruhigte sie sich-- und - ließ, während sie jedes profane Studium als - ketzerisch verbot) das Studium und; die Heilighaltung, der Kabbala fortbestehen. -Die westlichen. Juden hatten.ihren Moses Mendelssohn, die östlichen ihren R. I s r a el Baal- Schem,. Jenem entsproß das. Culturjudenthum, Diesem der Ehafstdismus. -Die - Elemente zu dieftn Beidenwie gesagt, waren.vorhanden- und die innere- Bewegung war erwacht; aber jene beiden Männer gaben den ersten und nachhaltigsten Ausdruck, .und - von ihnen datiren daher diese , beiden neuen Erscheinungen im Judenthume. Was der-Ehafstdismus-ist?. - Win wollen hier in die tiefere Begründung) in den Nachweis seiner geschichtlichen Gedankenwurzeln nicht eingehen; noch heute'können wir darüber auf die ausgezeichnete Abhandlung des lw. Ba rasch in den Jahrgängen! 839 und 184V dieser Zeitung verweisen.- Nehmen, wir vielmehr den Chassidismus, wie er als große eoncrete- Erscheinung gegenwärtig vor uns steht. Er geht von - dem Glauben aus, daß jedegute Thät einen guten "Engel, jede Löse That einen bösen Engel zur Welt bringt, daß. somit jedes Individuum durch seine Handlung., zum Bestände , oder zur Vernichtung der Welt beiträgt; . ferner, dass, der-Mensch durch sein Gebet Herr über die. Natur, und kihre Kräfte werde- und daß insonders-.durchdie Namen Gottesj ^durch deren Zeichen und . durch; die besondere- und -verschiedenartige- Zusammensetzung ihrer Buchstaben man Herr über alle gutenu und Lösen Geister, derenes Legion -gebe, werde ' undso über Alles in der-,Welt. Macht erlange. Jnsonders ist es nun der RehLe oder Zadik, welcher zu allem Diesem" die Fähigkeit - und. den j -Schlüssel - besitze; - er vermag durch seinen Segen, sein Händeauflegensein Gebet,' seine Talismane, durch die- Geräthedieer gebraucht, ja durch seine bloße Atmosphäre Armuth -in- Reichthum zu verwandeln- Krankheit in Gesundheit- Unfruchtbarkeit; in Fruchtbarkeit, Haß in Liebe u. fl w.; ans seinen Willen kommt es' an, alle Uehel deS. Geschickeszu verbessern;, alle Gefahren zu beseitigen miteinem-Wortes der chässidische sskebbä ist der größte Wunderthäter, und findet bei feisten Anhängern und durch sie' bei Tausenden Unwissender den Mildesten Glauben. Die Chasstdim verbringen daher ihr Leben mit Müssiggang, Beten, Baden und Trinken - Gelage an allen Festtagen, Gelage an allen Sabbathen, Gelage an allen Werkeltagen. Dafür müssen ihre Weiber Handel treiben, oder irgend ein Geschäft, und werden noch dafür als untergeordnete Wesen behandelt. Der Rebbe oder'Zadik läßt sich aber seine Fürsprache und Wunderthaten gar sehr bezahlen; ohne reichliche Geschenke läßt er Niemanden vor sich, und nach der Höhe der dargebrachten Gäben' steigern sich die Verheißungen. Dieser Wunderglaube ist aber, namentlich unter den Weibern, so ansteckend, daß auch Nicht-Chassidäer zum Wunderthäter ihre Zuflucht nehmen' und für -ihre Leichtgläubigkeit reichliche -Steuern zahlen.' Der Chassidismus hat so im Geiste und im Thun mit dem Rabbinismus gebrochen; er verschmähet den Talmud und die talmudische Gelehrsamkeit, an deren- Stelle er den Sohar gesetzt; er spottet des rabbinisch Frommen als eines blinden Buchstabengläubigen; er übt die meisten Gebräuche, namentlich die gottesdienstlichen nicht und'hat andere an deren Stelle - gebracht, so z. B. hält er'Edeii-'iJahrSStatze»^ seiner verstorbenen Eltern'Trinkgelage,' hält'die Fasttage nicht, lacht und scherzt am neunten Ab) beftt nur für sich, - wenn auch in der' allgemeinen chassidischen Betstube, und unter den gräßlichsten Convülsionen ustd Verzerrungen u. fl w. Es versteht sich von selbst) daß der Chassidismus der größte Feind aller Bildung und Wissenschaft ist, daß er Alle, die nicht zu seiner Secte gehören, verachtet, ja fanatisch haßt) und daß er Nach' nichts mehr strebt, als die Zahl seiner Anhänger "immerfort zu mehren) Eine, einzige Tugend übt er im höchsten Giade, d. i. die Keuschheit-; seine Wohlthätigkeit hat darum geringe^ ren Werthweil er sie, wenn auch in unbegrenztem Masse, stets' nur an den Anhängern feiner Gemeinde übt) Dies ist der Chassidismus, der' feit1 der Mitte des vorigen Jahrhunderts in stetem Wächsthüm begriffen, zuerst im Herzen Polens seine Stätte aufschlüg, hier fast die ganze Judenheit in seine' Fesseln schlug, dann die Grenzen überschritt und Rußlandso weit dort Juden wohnen, Und den größten Theil von'' Galizien)' Ungarn und' dessen -Nebenländer, ° sowie die DvnäufürstenkhüMer überfluthete, anfänglich in den 'Gemeinden^ kleine' Gemeinden für sich bildete, dann die gaäzen Gestieinden verschlang, oder -sich' doch der Herrschaft Wer sie 4*

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