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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-01-21 · Heft 4 (21.1.1862) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 4 (21.1.1862)
Date
1862-01-21
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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38 sind. An Zahl der Anhänger werden sie gegenwärtig sich wohl ziemlich gleich stehen. Auch von den Culturjuden giebt.es .eine ziemliche Anzahl in^ den LändM hes Chassidismus und der Orthodoxie, nur mit dem Unterschiede, daß jene in den chassidäischen Ländern "EivgebS rene sind, während sie in den oben bezeichneten Gegenden der Orthodoxie, in der Türkei, Syrien und Aegypten nur als Eingewanderte-leben. w Wir sagen, sowohl das Culturjuventhum, als auch der Chassidismus sind aus der Orthodoxie herausgewachsen, und dies zeigt wiederum die Unrichtigkeit jener Behauptungen, die aus dem Lager der Orthodoxie noch immer gehört werden, daß die Durchdringung des Judenthums von der Cultur und die dadurch bewirkte Umgestaltung des Judenthums von einzelnen Männern gemacht sei. Vielmehr zeigt das Entstehen des Chassidismus auch seinerseits, daß das orthodoxe Judenthum von innen heraus eine Bewegung erfuhr, welche es als unhaltbar aufgab und nach zwei entgegengesetzten Seiten forttrieb. Seit ungefähr , dem Abschluß . des Schulchan Aruch war alles Leben, aller geistige Fluß, alles frische Weben.. und Schaffen . aus ihm gewichen; die Casuistik hatte in unabwendbarer .Folge jede Fas er. des einst lebendigen Organismus versteinert und diesen selbst zu einem Automaten gewandelt. Die -Kraft der Entwickelung war aus ihm gewichen. Das konnte, unter dem Drucke versteinerter, alles Lebens, entbehrender Verhältnisse einige Jahrhunderte bestehen. Länger war es nicht zu ertragen; denn die Menschennatur verlangt immer ein Neues, sich Gestaltendes, die schöpferische Kraft des Genius Ausprägendes,, und dies konnte die orthodoxe Casuistik nicht leisten, weil sie die Entwickelung erdrückt hatte. Denn diese Casuistjik spinnt ihre Fäden immer feiner und verästelter aus, entfernt, sich aber dadurch nur um so. mehr vom Herd des Lebens, vom Lebensmittelpunkte.. Da war. es., nur die entgegengesetzte Beschaffenheit der Länder, welche der von innen heraus entstehenden Bewegung die Richtung gab. Im mittleren und westlichen Europa, wo sich seit Jahrhunderten ein großes Culturleben vorbereitet. und geschaffen hatte, und gerade inmitten .des vorigen Jahr- , Hunderts ein, freieres Leben,, zuerst im Geiste und in der; Wissenschaft, dann im gesellschaftlichen.und bürgerlichen Dasein zu erringen begann, trat das Judenthum mitten in jenes hinein, wurde von ihm ergriffen und dnrchdrungen,. und» ward, so zu Dem, was > wir Culturjudenthum. nannten... Daf Gegentheil fand in den Ländern der.Sla-. ven . statt.!. In. Polen stieß die im Jndenthume. erwachte„ , ... ... s | a* AfS 'Bewegung gerade auf die äußerste Zerrüttung der polnischen Nation,^ auf die Zersplitterung und Auflösung ihres ^staatsscheu und die.Versunkenheit ihres .nationalen Lebenß; in Rußland hatte die Reformrichtung Pieters des Großen" nur auf die Uchsten Regionen der Gesellschaft gewirkt, während die Masse des Volkes noch völlig zurückgeblieben. Der Druck, der auf die Juden daselbst geübt, ward, fand^ineLHbstellmig^ einmal Erleichterung, ja wurde seitdem M Polen-rnel gÄßer/nls er vorher gewesen. Die gedachte Bewegung fand daher keinen Ausweg, keinen Wegweiser, kein Vorbild, und mußte demnach in entgegengesetzter Richtung ausfallen. Was im stabil-orthodoxen Jndenthume noch an Vernünftigkeit und - Logik, vorhanden-war, wurde beseitigt, und der phantastische Stoff, den die Kabbala enthielt, zum entstelltesten, ja abscheulichen Aberglauben.verunstaltet. Der nach neuer Befriedigung ringende Geist fand diese diesseit der Weichsel iy vernunftgemäßer Cultur und wissenschaftlicher Bil-. düng, durch welche der erhabene Lehrinhalt des Judenthums nur um so geklärter ans Licht trat, jenseit der Weichsel aber im aller. Vernunft Hohn; sprechenden, alle Erkenntniß vernichtenden ungeheuerlichsten Wunderglauben, dem Chassidismus; dort stieg die lebendige Flamme, von immer neuem Oele gespeist, hoch in die klare, reine Luft empor, Licht und. Wärme ausstrahlend, während sie hier von den dichtesten Nebelnund Dünsten, niedergedrückt, zu beißendem und erstickendem Rauche ward. — Allerdings waren beide Erscheinungen eigentlich nicht neu, vielmehr das orthodoxe Judenthum, so lange dieses noch wahre Lebenskraft in sich trug, immer von ihnen begleitet. Zur Griechen- und Römerzeil nahm die Juden heit außerhalb Palästinas, namentlich in Alexandrien und Rom, lebhaften Antheil am Culturleben, wovon wir.bekanntlich noch viele literarische Zeugnisse in griechischer Sprache be- - sitzen;.aber zu gleicher Zeit begann schon im Philo sich auf. der audern Seite des Judenthums, die Mystik , zu gebären. .,. In , gleicher, Weife. ergriff, das Culturleben die Juden..in .der arabifchffspanischen Periode mit außerordentlicher Kraft, wähxeny. .z«^MchernZeit.hie Kabbalas.eme nachhaltige Entwickelung , fand.. Aber so lange. dieOrthodoxie-eine Fülle.,.des Lehens, enthielt, .so lange.sie zu. .schaffen,, zu bilden ,und. zu entwickeln vermochte, .beherrschte sie rechts und links ihre Begleiterinnen rmd war sim ,Stande, sie, niedexzudrückem wenn. sie. sich von . ihnen bedroht.sah. Jndeß-,.verlangt-,es.;,die Unparteilichkeit,, zu bemerken, daß. die. Orthodoxie,, und. zwar je Mehr. sie an eigener Kraft verlor, den.Culturbestrebungenfeiiidücher.war, .chährenh .

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