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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-08-06 · Heft 32 (6.8.1861) · p. Seite 463

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 32 (6.8.1861)
Date
1861-08-06
Page
Seite 463 (sequence 9)
Language
German
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4153 was Alles dem Israeliten als -- Bürger zu Theil wird, kömmt, man zu dem Geständniß, daß der niederländische Israelit nicht;nur aus reines Rechtsgesühl andern Bürgern gleichgestellt, Md aus'Unentbehrlichkeit etwa selbst zu hohen Staatsposten.gelangt, sondern daß derselbe auch aus Rücksicht seiner Strebsamkeit, Opferwillkgkeit, Liebe und Treue fürs.Vaterland geachtet und geliebt wird. Daher werden die meisten seiner frommen undwohllhätigen Stiftungen von den Mitbürgern wie von der.hohen Regierung mildreich unterstützt, ja selbst in Aufrechterhaltung .seiner Religion genießt er kräftigen Beistand. So erhalten die israelitischen Soldaten regelmäßig Urlaub auf ihre heiligen Festtagedie Detenirten koschere Kost am Peßach, die jugendlichen Verurtheilten Unterricht in ihrer Religion, die israel. Religionsschulen überhaupt — Elementarunterrichtwird, dem gegenwärtigen Gesetze'gemäß, allen Kindern -unbemittelter Eltern auf den allgemeinen Volksschulen ertheilt — beträchtliche Substdien und dgl. mehr.. . ..^ ... v * . . . ■: ■ Was mich aber heute desonderS zu dieser Bemerkung veranlaßt, ist ein Artikel im Amsterdamer Freitagsblatt, Weekblad voor Israeliten, No. 51, das mir eben vorliegt. Erlauben Sie mir nun, hochgeehrter Herr! diesen Artikel imMesentlichen wiederzugeben, da er manchem Ihrer geehrten Leservon einigem Interesse sein möchte. „Rotterdam, den.7. Juli. Gestern fand hier eine in ihrer Art seltene Feierlichkeit statt. Drei israel. Zöglinge vondemrühmlichstbekanntenTaubstummen-Jnstitut allhier, nämlich zwei Knaben und ein Mädchen, im Alter p./m. 14 Jahr, wurden im Consistoriensaal der ist. Gemeinde confirmirt im Beisein der Vorsteher, des Synagogenrathes, der Schulcommission und mehrerer Honoratioren, nachdem die Knaben vorher in der Synagoge die üblichen vor der Thora laut und deutlich gesprochen hatten.^ : „Der Herr A. D. Lutomirski, Oberlehrer der isr. Gemeindeschule und Religionslehrer der isr. Zöglinge des oberwähnten Instituts, leitete diese Confirmation mit einer sinnigen Rede ein, worin er nachwies, daß die isr. Religion Kch vorzüglich darin von andern Religionen unterscheidet, daß sie nicht so sehr den abstracten Gottesbegriff und andere sublime Vorstellungen zum Wesen ihrer Lehre hat, als vielmehr die Veredlung und Vervollkommnung PeS Menschen und der menschlichen Gesellschaft. Gott ergeben , seinem Wohlthäter dankbar, all seinen Naturgenoffen gerecht und liebevoll und selbst gegen mindere Geschöpfe mlld und schonend zu sein, dies bildet den Zirkelder .die.ausgebreitete Lehre über das Thun- und Lassen der Israeliten umfaßt..... . „Die Katechumcnen.beantworteten in der Lautsprache geläufig die kurz gefaßten Fragen und legten dadurch an den Tag--daß sie ihre Pflichten nach der mosaischen Lehre wohl kennen und begreifen, und gerührt und rührend fleheten sie am Schluffe um den Beistand des Allgütigen in ihrem festen Vornehmen, Gott und Menschen wohlgefällig zu leben. „Der Präsident, des SynagogenratheS'rergriff darauf das Wort, beglückwünschte die Coyfirmandenbelobte die Anstalt, deren Ziel es ist, solche von Natur stiefmütterlich begabten Kinder mit großer Sorgfalt für die Gesellschaft und die Religion heranzubilden, und huldigte besonders dem Director derselben , Herrn D. Hirsch, der mit unermüdlichem Eifer und tiefer Einsicht seinen edlen, Segen verbreitenden Beruf erfüllt, worauf der Directorj bescheiden, dankte für die Anerkennung seiner Pflichttreue und zugleich seinen Dank dem israel. Religionslehrer für den ausdauernden Fleiß in seinem schwierigen Zweige des Unterrichtes abstattete. „Wohlthuend wirkte all Dieses aufs Herz aller. Anwesenden , und mit beseligenden Gefühlen ging Jeder heim..." Nähere Berichte über dieses Institut haben oMschon mehrere öffentliche Blätter gegeben; unter Anderm auch Ihre weit verbreitete Zeitung des Judenthums No. 5. vom 17. Jahrg.; Organ der Taubstummen- und Blinden-Anftalten in Deutschland IV. Jahrg. No. l.und VI. Jahrg. No. 2. In unserer Absicht jedoch , will ich nur Folgendes hinzufügen. 1853 wurde dieses Institut hier von einem Verein errichtet und ist seitdem die Anzahl der Mglinge von 20 bis auf 70 gestiegen. Ein Adjunkt-Oberlehrer, 5 Hülfslehrer, 1 Zeichenlehrer und 1 Lehrerin fungiren an ihr, und an ihrer Spitze steht der obgenannte Herr Hirsch als Director und zugleich Mitglied der Verwaltung. Die Vortrefflichkeit der Organisation und Lehrmethode dieses Instituts hat sich so bewahrt und wird'so allgemein anerkannt, daß detWdrang von neuen Lehrlingen immer größere Räumlichkeiten fordert, so daß augenblicklich ein herrliches Gebäude aufgeführt und für hundert Kinder eingerichtet wird, mit einem Kostenaufwande von 30,000 Fl. Jährlich fließt dafür aus der Staatskasse 2000 Fl., aus der Provinzialkaffe 1000 Fl. und eben so viel aus der städtischen Kaffe, während der Gesammtbetrag der jährlichen Einnahme aus ungefähr 10,600 Fl. sich beläuft. n

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