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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-04-16 · Heft 16 (16.4.1861) · p. Seite 219

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 16 (16.4.1861)
Date
1861-04-16
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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219 len, achten Juden, die ° das?: verlangen. Dieser Einwand entspringe wohl weniger einem religiösen als einem politischen Bedenken, und; es liege ihm eine politische Abneigung .zu Grunde.- > Es.komme den Gegnern nichti so viel darauf an, dem Judeneide eine confessionelle Formel, als den Juden selber etwas anzuhängen. (Heiterkeit.) Es folgt die Special-Discusston zu §. 1., derdie neue Eidesformel ausspricht. Abg.. Wag euer: Er sei weder für Moses Mendelssohn begeistert, noch habe er sich begeistern wollen. : Ihm falle bei dem vorliegenden Streite der Ausspruch Napoleons ein, daß die. Geschichte nichts weiter sei, als eine fable convenue. , Man behaupte fort und fort, daß die jüdische Nation durch den ungerechten Druck der Christen demoralisirt worden sei. Dieser- Satz finde seine Widerlegung schon in der römischen Geschichte des liberalen Professors Mommsen, aus welcher hervorgehe, daß die Judensich. überall gleich geblieben und. unter den römischen Kaisern dieselben gewesen seien wie heute. Er würde es , als einen. Fortschritt betrachten, wenn das Gesetz , dem Richter die Macht gäbe, in einzelnen Fällen von der jetzigen Formel, zu dispenstren, denn er gebe zu>- daß sie hier und da entbehrlich sei, -aber unbedingt und in allen Fällen sei. sie nicht entbehrlich.? ' .. Abg. vr. Veit: Es sei ihm nicht eingefallen, zu sagen, daß das jüdische rabbinische Recht nicht auf. eigenem Boden., gewachsen, -sondern dem. Judenthum aufgedrängt sei; er habe nur, in Bezug auf, den vorliegendenFall behauptet,, daß die übliche Eidesformel nicht aus .dem Boden des jüdischen Rechts entsprossen, .sondern von außen eingedrungen. sei. - , §. 1. wird mit sehr überwiegender Majorität' angenommen. Dagegen stimmen die Fraktionen der Linken und die Fraktion Reichensperger. .; Bei. §. 2. (Aufhebung der entgegenstehcnden Bestimmungen) nimmt der Abg. Waldeck zur Vertheidigung seines Amendements, das. Wort.. Dasselbe - bezwecke, die bei politischen Eiden übliche Formel auch auf den Eid der Zeugen, Parteien;jc. auszudehnen. Daß eine solche Formel bei den, Juden bedenklich fei, darüber gebe cs freilich hier, und da noch Zweifel; aber dass sie bei Christen, .unbedenklich sei, werde hoch Niemand in Zweifel ziehen. Wenn ein Christ bei Gott schwöre, so; sei das ein richtigerchristlicher..Eid mach; all. und jeder Eonfessiom Als Autorität acUtre,; .er: einen Ausspruch aus. Böhmcr'skanonischem Recht-; nach welchem ein-Eid gültig sei: „mism per upum vsrdum schon durch -das; eine Wort:ich schwöre. . In Frankreich. und; Belgien, -also, überwiegend katholischen Ländern, sei die Eidesformel: je 1e jure, ich schwöre es!*) Das Bedenken,;, daß durch Annahme feines Amendements, der. Gesetzentwurf im Herrenhause scheitern werde, könne, er nicht, für erheblich ansehen; denn wenn die von dem Abg: Wagenep l geäußerten Ansichten in dem anderen Hause Wiederhall; fänden, so würde das - Gesetz auch ohne das Amendement nicht durchgehen'.. — Er gebe noch zu erwägen, daß eine;-solche, allgemeine Eidesformel schon in einem Theile des Vaterlandes in Kraft bestehe, nämlich in Hohenzollcrn-Sigmaringeu, wo sie durch Gesetz vom 20. September 1849; von dem damaligen Fürsten, unserem jetzigen Minister-Präsidenten, eingeführt worden sei. Er halte es nicht für berechtigt, den Eid . an eine, confessionelle Formel zu knüpfen, wenn nicht die Nothwendigkeit dazu vorläge. Daß der Gott der -Juden und Christen nur Einer sei, werde -wohl, nichtbezweifelt-werden; wenn das: Gesetz nun eine Gleichstellung in; der Eidesleistung schaffe, so werde es nur eine wohlthätige Wir-- kllNg Üben. .. : •>!■ - .'sii? iy;;;;,-,''--'v.-j;• ' Abg. Reichensperger (Köln) bestreitet das Bedürfniß zu diesem Amendement. Es sei auf den Juristentäg hingewiesen, allein das Jüristengcfühl stmüNe nicht'immer überein mit'dem Volksgefühl, und darauf komme es hier an: Er (Redner) habe gegen den §. 1. gestimmt, weil Let daselbst 'ausgestellte Eid ein philosophischer sei und alles specifisch Confessionelle ausschließe. - . Abg. Wagencr (Regenwalde): Wenn das Amendement angenommen werde, so müsse auch die Uebcrschrist der Vorlage geändert werden. Die gegenwärtige Üeberschrist handle von'den --Eiden der Juden",'-und es'würde noch hinzugesetzt werden müssen:; „und beiläufig auch der Christen/?.,. (Heiterkeit.) . .. . , ...- Abg. v. Ammon: Die Commission sei, materiell mit . dem. Vorschläge des Abg. Waldeck.einverstanden, und wenn derselbe abgelehnt worden, so sei dies nicht geschehen, weil man die Berechtigung desselben -nicht anerkannte, sondern aus praktischen; Gründen, weil man glaubte, daß bei einem weiteren Eingehen auf denselben das Schicksal der Vorlage, gefährdet; werden möchte.? Man glaubtedaß. ein so dringendes Bedürfniß bei den anderen Eiden nicht vorliege, als. bei .den jüdischen Eiden.. Er beantrage deshalb. Ablehnung des Amendements Waldeck, für welches-einem*; ■ '> *)Bei den Juden besiaüd die - Schwürforniel ursprüng^- (lichsogar nur in:„-Amen!^; ü > - - Medacti/on. -- 16*

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