Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 42 (10.10.1859)
- Date
- 1859-10-10
- Page
- Seite 616 (sequence 14)
- Language
- German
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616 teshauseS stdti, dessen Grundstein* erst iyi April % I. gelegt j wuröe. — Mit welcher Opferfteudigkeit die Mitglicher der nur-kleinen Gemeinde übrigens zum Bau der.SKnagogeLei- \ steuerten, geht daraus hepvor> daß fie die Kostemdesselben.fast i ganz aus, eigenen Mitteln, bestritten habenindem^hnen nur j eine Geldunterstützung von ca. 200 Thlrn.von auswärtigen j Glaubensgenossen zu Theif geworden ift,.—•;,% \ .; Wer Gelegenheit hatte - die Regsamkeitzubeobachten,; mit der schon lange vov deM zur Einweihüngsfeier festgefetz-? ten Tage unsere jüdischen Mitbürger Alles aüfbDn/uui der! für sie allerdings so wichtigem Feier dM möglichstey Glanz! zu verleihen, der konnte än der That nur eine Herzliche Freude \ darüber empfinden, daß daS herrlichste HerbfiwettUdie Feier? begünstigt ' ' ' ' ' ' '' ' r’ ' . er getroffenen Anordnung gemäß versammelten sich an? dem genannten Tage die Mitglieder der Gemeinde, so wie die? gefadDey.H^rMästeH-rgens.1.0 Hp sp' ^r.Wohnung des Herrn'Kaufmanns Wnthal', und um IdjUhp setzt fich. der; Festzug pon hier aus in Bewegung mit einem Mufikchop an - der Spitze. ’’/.-c ■ w.vtv “■ I . sDen: Musikern izunächst eröffneten den Zug die Jung-l frauen der Gemeinde, festlich in Weiß , gekleidet; ihnen voran? trug ^Fräulein Jsenthal auf einem weißseidenen Kissen den? Schlüssel der Synagoge./-^- Unmittelbar hinter ihnen wur-\ den wie mit ihren Kleinodien geschmückten Gesetzesrollen von? ihren Besitzern, den Herren Jsenthal, Edel und I. Jakoby ge-j tragen. Nach diesen folgte der zu dieserFestlichkeit aus Potsdam hierher berufene Prediger Herr vr. Cohn, begleitet von. dem Herrn Cantor Lewy aus Stettin , ihnen nach bewegte? -sich in geordneter Reihe der lange Zug der Ehrengäste, so l wie der männlicheü und weMchen Mitglieder der jüdischen: ^Gemeinde,—-Unterden Ehrengästen erblicktemandenHerrn!Landrath des Kreises, den.Herrn Bürgermeister, die Herren Mägistratsmitglieder unserer Stadtden Direktor ' der hie-? MkstKreisgerichts-Deputclüon, so wie die Spitzen der Kauf- - Mannschaft, Bei dem Gotteshause angelangt, überreichte i die Jungfrau, welche den Schlüssel der Synagoge trug, denselben dein Herrn Bürgermeister ungefähr mit den Worten:? „Im Namen dep jüdischen Gemeinde überreiche ich Ihnen. den Schlüssel zur Eröffnung des Tempels", worauf jener die Pforten öffnete, so daß der Festzug seinem Einzug halten konnte. *!-■ "y / . ,:iv'3n der Synagoge begann die Feier, deren Programm? Herr Cantor Lewy entworfen hattemit einem Festgesange, von ihm selbst mit schönerkräftiger Stimme gesungen. Daran HlösseU sich die gebräuchlichen Umgänge mit den GesetzeSrollenMEdoren^Nnfetzung ln die Lade. -7- Die hierbei' üblichen Gesänge wurden vom Cantor Herrn Lewy und mehreren Damen und Herren der Gemeinde, ausgeführt, rrr-. Nach Beendigung d'dDst-DM der Prediger Herr vr. Cohn mit ausgezeichyeter Kraft und lebendiger Beredtsamkeit eine diesem Keste angemessene Rede, .von der alle im Tempel Anwesenden ohne Unterschied des Glaubens aufs Tiefste ergriffen Ämden,. sodaßder.Red^ gebeten, worden ist, die Rede drücken zu fassen.'? Der Tert der Predigt war dem letzten.Wochenabschnitte entlehnt, wo es heißt: .. ) ,, : /,,M dem Tage, da ihr hin Jordan überschreitet und c leiNziehelin das Land? däS'euch'der Odlgd^ott gieht, dann solletihr euch Denksteine setzen und ste .überzi i mit dauernder Tünche." — In . der.Einleitung entwarf der. Redner auf geistreiche Meise, ein Bild des sittlich-religiösen Schaffens der. Gegenwart und des Eigenthümlichen in diesem Schaffen,Er behauptete, daß was Confessionelle nur die Richtung sei, die zuletzt erst zur Religion führe, die in ihrem^höchsten Erfassen .Allewereine, wie verschieden auch unsere Bekenntniffe"und wie groß auch die räumliche Entfernung sei, die uns von einander scheiden. — . i!-": , In dem ersten Theile der Ausführung selbst wurde hie Geschichte der hiesigen jüdischen Gemeinde dargelegt-,' deren erstes Mitglied der oben genannte Herr Kaufmann Jsenjhal, worchngesähr 40 Jahren sich am hiesigen Orte niedergeläffen habe, die von Anfang an das Ziel der Gemeinschaft iMGottesdienste erstrebt und sich die Achtung und das Wohlwollen der Stadt erworben habe, Es sei die.Psiicht der Gemeinde, nunmehr einen Denkstein zu errichten) —Damit war der Uebergang zum zweiten Theile gegeben, der die nun vollendete' Synagoge in ihrer Bedeutung als Denkstein behandelte. Dieselbe sei ein Beweis, daß die hiesige jüdische Gesammtheit sich zu dem Range einer Gemeinde erhoben habe.' ' Der dritte Theil beleuchtete das Wohnhaus in seinem er- 'Dnzenden Verhältniß zur Heiligung durch das Gotteshaus. ^Hierbei,würde auf den Widerspruch, der so oft zwischen Gotteshaus uüd Wohnhaus bestehe/und schließlich darauf hingewiesen, daß sowohl, das Fundament alles Handelns im Leben, wie das Ziel des Glaubens die Wahrheit sein Müsse. ~ Gesang und Gebet beschlossen die gottesdienstliche Feier. — Danach dankte Herr Kaufmann Jsenthal den Ehrengästen, wie den übrigen anwesenden christlichen. Mitbürgern im Namen der jüdischen Gemeinde für die Theilnahme, die sie dadurch bewiesen, daß sie. sich der Feier angeschlossen hätten. Die jüdische Gemeinde selbst begab sichnun wieder in geordnetem Zuge nach dem Hause des Herrn Jsenthal zurück, wo ein gemeinschaftliches Mahl der jüdischen Glaubensgenossen und demnächst ein Tanzvergnügen die Feier des Tages beschloß. — Schließlich halten wir es noch für unsere Pflicht, unsere anerkennende Freude darüber auszüsprechen, daß sowohl Herr vr. Cohn aus Potsdam wie Herr Cantor Lewy aus Stettin mit so uneigennütziger Bereitwilligkeit keinen Augenblick zögerten, herbeizueilen/ um durch ihre Mitwirkung die Feier wes Tages zu erhöhen. Jüdisches MWblatt Ro. 41. Der geraubte Sohn, (Schluß.) — Notizen', des Tages. NB. Durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Jährlich 1 Thlr. Vierteljährig V* Thlr. r; . Verlag vy n. Baümgärtners Büchhändlung in Leipzig. -7- Drück von I. B. Hirschfeld. ' ' Verantwortlicher Redakteur: K. Nabe.