Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 23 (1859)
- Issue
- Heft 20 (9.5.1859)
- Date
- 1859-05-09
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3226147-3226168--17700-3246624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
287: inden Wirrsäl der Spediälgesetze begeben und sich -brrttü-' hen, diese Unmasse -von, confusen und widersprechenden Verordnungen: zn fälschen,., die' Pforte der Willkür zu öffnen/ Es - rgiebt nicht' eine einzige von der: russischen : Regierung genommene.Maßregel,: deren Zweck uyd eigentlicher Sinn nicht Ferdreht worden, wäre/ Wir - werden mehr - als einen Beweis hiervon/ im meinem Memoire über die Lage 'der Juden in Rußland Fon. einem vielfach ausgezeichneten Mann finden.! Man - wird vor Allem, erstaunen' über die schändliche- Interpretation: -und Reglementirung? Obgleich dies' Memoire schon' einig eJahre zählt, so zeichnet es doch noch vollständig die heutige' Wirklichkeit. Ausgenommen einige: kleine Verbesserungen, -bestehen alle die bezeichneten Fehler noch, -und werden noch so. lange bestehen, als die Vorenthaltung der Gerechtigkeit in Bezug auf die russischen Juden bestehenwird', so länge als die hohe Regierung in ihrer erhabenen Weisheit und in dem Zweck, vor Allem die beamtliche Bestechung auszurotten, nicht die Gleichheit der Rechte für .alle ihre Unterthanen ohne Unterschied der Religion ausgesprochen haben wird. — Der' Artikel wendet . sich -nun zunächst zu den vielfältigen -Beschränkungen hinsichtlich der Niederlassung der Juden im-russischen Reiche-, von denen allerdings vor Kurzem einige aufgehoben-worden-,: wenn auch nur für die Käufleüte erster Gilde. \ '■ '. ■: ' Dann fährt er fort: In unferm vorhergehenden Artikel haben wir schon flüchtig gezeigt, daß, wenn der Jude sein Vaterland nicht liebe, e'S darum sei, weil dieses für ihn kein : Päterland: sei, und daß - das Mittel, eS ihn lieben zu. machen, -nicht sei/ ihn tausend drückenden und verderbenden Ausnahmegesetzen zu unterwerfen, : Aber diese Auseinandersetzung kann keine - stärkern und ergreifenderen Beweisgründe.schöpfen, 'als aus der Specialgesetzgebung für die Juden in Hinsicht des Militärdienstes^- Keines Orts suhlt der'Jude bitterer seineuntergeordnete und erniedrigende- Stellung, :als in -seinem Verhältniß zum Waffenhandwerk.' -Urtheile man selbst darüber! Fürerst kann sich: der:russische Jude nicht don seinem Militärdienste ldskauftn: Der rusfiMjüdischeSoldat,-wie groß: auch stitti Verdienste/ sein ' Muth ,und sein Genid seien/'und ohne:MÄckstcht aüft seine Dienstjähre, kann nimmereine Beförderung erlangen? Erkann nicht ' einmal zum Grad eines Corporals ernannt' werden-..' u 'Diese Maßregel^ -ist ergriffen -worden j -'um-' - dem! Mängel - an Disciplin zu Entgehen. Wir haben über diesen-Gegenstand mehrere--Berichte gelesen.: - Am wiess Mnst-i regel zu rechtfertigen, hat man keinen andern Grund" als den gefunden: Man setzt voraus, daß, wenn ein Israelit; Christen cömmandire/ das ' ein Bruch der militärischen Dis-: - ciplin sei/ ‘ n. - Diesen^GruNd anführen/ heißt ihn äburtheilen:- In' den Armeen, wo die Juden auf dem Fuße der Gleichheit! zugtlaffen sind, in der ftänzösischen Armee zum Beispiel,; haben wir niemals gehört, daß die Soldaten sich geweigert hätten, ihren-jüdischest Oberenzugehorchest und die j französische Armee zählt in ihren Reihen beinahe 350 isräe- - litische Officiere, von denen mehrere von den höchsten Chargen. Man sieht, ein, daß, wenn ein -russischer Israelit Patriot sein, wenn er dem Staate seine Jugend, sein Leben, seine Kräfte, seine Vergangenheit und seine Zukunft weihen soll, ohne Hoffnung aufBelohnung,,er ein Engel an Selbst- - verläugnung und 'Entsagung sein muß. Und hier noch dazu ist es' der': Staat/ der am Ende durch dieJrrthütner der Gesetzgebung leidet. Wie kann man verlangen, daß der jüdische Soldat,, ohne Wetteifer, ohne Hoffnung auf Avan- : cement, von Allem - beraubtwas ihn bei dem rauhen, ihm ■ aufgezwungenen Handwerk aufrecht erhält und^ 'belebt, ein \ guter -S oldat' sein - soll? Er könnte' seinen Dienst 'pünktlich erfüllen, bestehend in einer strengen Disciplin und der Wachsamkeit in jedem Augenblick. Aber etwas Anderes; sind die militärischen Eigenschaften der Führung in einer; Garnisonsstadt, ans dem Paradeplatze, in den gewöhnlichen Verhältnissen, die von dem Soldaten nur einen passiven; Gehorsam erheischen, als die Eriegerlschen Tugenden, welche die Kraft und die Ehre einer Armee in Kriegszeiten aus- : machen. Man weiß, was auf dem Schlachtfelde das Vor-- ' dringen, der Muth, die Aufopferung jedes einzelnen Sol- : vaten, besonders. im- Falle des Todes des Ofstci'ers, zu bedeuten hat. Wenn-irgendwo Freiheit und Gleichheit besteht, so ist 'es in' einem Kampfe, wo matt nur den Don-' : ner der Kanonen und das Geschrei-der Verwundeten hörtt > - Mt welchem Rechte verlangt matt denndaß der-.jü-' : dische Soldat eher -Russe sein soll als Franzose, Preuße, j Oesterreicher? : In welcher Beziehung-könnte der Anblick! der-Nationalfähne seinen Enthusiasmusentflammen? Wot- : zu: nützt ihm der- Sieg! Was!gcht: es ihn att, ob er Ge- - fangener l wird! Der Mensch in! seinewVerhältniffen, ohne - \ Hoffnung, ohne:Zukunft/7ohne irgend Etwas, was die'! Seele :erhebt .und die Gefahr -verachten: lehrt, /wird-immer j nur eine Mnschitte -Fon!:Fleisch -und Knochen sein, die den! j Toff und" den-' physischen: Schmerz - flieht: -Endlich ntttt/' j wenn der jüdischeSoldat im Abnehmen feiner-'Kräftrden:! Dienst!-ohne'ändere Belohnung,? ohne anMesnZeichen' der: j Auszeichnung:; verläßt ' als seine Wunden- oder seine i stÜmMMgett>r-iso ' Mt ernnter die-Wucht derNusnahms- 20*