Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 24 (7.6.1858)
- Date
- 1858-06-07
- Page
- Seite 326 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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326 maligen Propheten vor, dringt in dessen Geist und weiß durch Klarheit des Ausdrucks, Feinheit der Construction und Reinheit des hebräischen Styls einen anmuthigen Zauber über das Ganze zu gießen. Dieses Werk scheint uns nach reiflicher Prüfung ganz für Chebroth geschaffen; es verdankt nach des Verfassers Vorrede solchen Vorlesungen seine Entstehung, und was einmal von einer intelligenten Gesellschaft eine, Reihe von Jahren hindurch beifällig ausgenommen wurde, besitzt sicher die Kraft, auch noch Andere zu befriedigen. Wie wir nun die feste Ueberzeugung hegen, daß dieses Werk tPTi ■’W genannt — namentlich weil es der Verfasser in seinem 68sten Lebensjahre geschrieben, — bei seinem Erscheinen zahlreiche Abnehmer finden wird, so wünschen wir dem immer noch tm Weinberge Gottes rüstigen Herrn Schütz einen einsichtsvollen und tüchtigen Verleger. L. Bo den heim er, Ober-Rabbiner. Magdeburg, 1. Juni. Nichts ist der großen Zahl nach im westlichen Europa den Juden mehr abhanden gekommen, als die Bibel. Da die Jugend nur noch selten weiter kommt als bis zum Verständniß der historischen Stücke der heiligen Schrift, so ist es ein anderes Uebel, daß sie auch in der Uebersetzung die Bibel wenig kennen lernt, und daher von ihr bald nur noch den oberflächlichsten Geschmack behalten wird. Wie durch-* aus nothwendig daher auch der Unterricht in der hebräischen Sprache für die jüdische Jugend bleibt, so darf dennoch in den Religionsschulen das Lesen der Bibel in der Uebersetzung nicht vernachlässigt werden. Die Zeitverhältnisse erfordern es bei dem Mangel an ausreichender Kenntniß des Hebräischen selbst. Es hat uns oft Kummer verursacht, wenn wir christlichen Personen begegneten, welche ihr altes Testament fast auswendig wußten, während jüdische Jünglinge und Jungfrauen Goethe und Heine genau kennen, aber Psalmen, Hiob und Sprüche Salomonis nur dem Titel nach oder aus einigen Versen des Confirmationsunterrichtes. Bei diesen Zuständen ist es erforderlich, der Bibel auf jede mögliche Weise den Zugang zu ihren verirrten Söhnen und Töchtern wieder zu eröffnen und diese zu jener wieder zurückzuführen. Wir gestehen offen, daß wir niemals besondere Freunde einer modernen Bearbeitung der poetischen Stücke der heiligen Schrift in Versmaß und Reim gewesen. Uns bedünkt, daß durch diesen Proceß nicht blos am Kerngehalt des Originals Vieles verloren geht, sondern auch der eigenthümliche Genius der hebräischen Poesie abgeschwächt wird und seiner Majestät und Großartigkeit verlustig geht. Der Erfolg hat bis jetzt auch hierüber entschieden, denn so viele derartige Versuche auch gemacht worden, sie sind immer wieder mit dem Tage vorübergegangen. Soll nämlich hierin etwas Bedeutendes geleistet werden, so genügt es nicht, das Original zu übersetzen und in Vers und Reim zu zwängen und dieses bald durch ein Flickwort, eine Paraphrase oder eine Apostrophirung möglich zu macken: sondern es muß eine wahre Wiedergeburt in modernem Geist und eleganter Form werden, es darf nicht ein alter Körper in ein neumodisches Kleid gesteckt, sondern der Körper selbst wieder verjüngt und neu gestaltet werden. Dies ist eine schwierige Aufgabe, die zwar für manche Stücke der Schrift leichter, für viele unmöglich sein mag. Aber auch hierin spricht das Bedürfniß das entscheidende Wort. Es muß auch dieser Weg beschritten werden, um die Harfe Zions, wenn auch in neue Tonarten umgewandelt, in den Sälen der modernen Welt erklingen zu lassen. Daß solche Arbeiten unternommen worden, kam uns neuerdings von mehreren Seiten zu, z. B. von Herrn Julius Nodenberg. Gegenwärtig aber liegen uns einige Proben einer solchen Bearbeitung der Psalmen durch den rühmlichst bekannten Sänger des „Mose", den Herrn Dr. med. Moritz Rappoport in Lemberg vor, und unsere Leser werden es uns Dank wissen, wenn wir ihnen hier den überaus schwierigen Psalm 45. vorlegen. 'Wir wünschen, daß der Leser eine gute wörtliche Uebersetzung zur Hand nehme, um der geistreichen Weise sich zu erfreuen, in welcher der Lr. Rappoport die Schwierigkeiten zu überwinden verstanden hat. Freilich ist auch der 45. Psalm ein Kunstwerk, einheitlich und rund abgeschlossen, voll Farbenpracht und Zartheit zugleich. Gelingt es dem Dichter, eine größere Zahl von Psalmen in gleicher Tüchtigkeit zu bearbeiten, so wird er damit dem Publikum ein großes Geschenk machen, und in der oben angedeuteten Weise fruchtbar wirken. Psalm 45. 1. Dem Sangmeister auf Schoschanim, Gedicht von den Sö.hnen Korach. Ein Liebeslied. 2. Mein Herz wallt auf im Hochgesang, Dem König gilt mein Jubelklang; Doch statt der Zunge mattem Drang, Lang' ich zum Griffel flink und blank.