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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-06-07 · Heft 24 (7.6.1858) · p. Seite 324

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 24 (7.6.1858)
Date
1858-06-07
Page
Seite 324 (sequence 2)
Language
German
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324 ihrer Ueberzeugung und ihrem Bedürfniß gemäß zu wählen. Zwiefaches ist es, was, sobald das Reich der Hoffnungen betreten ist, sich den Augen der preußischen Israeliten darstellt: erstens, daß die Verfassung auch für sie eine dolle Wahrheit, und damit der Entwickelung und Anwendung unsrer geistigen Kräfte in den verschiedenen Zweigen des Staatsdienstes und des Lehramtes freier Spielraum gegeben werde, und zweitens, daß jene Ausschließung der Juden aus der preußischen Freimaurerloge, die unter dem Protektorate Sr. König!. Hoheit steht, falle, da Preußen hierin bis jetzt allein dasteht, wodurch hinlänglich bewiesen ist, daß jene nicht zum Wesen der Freimaurerei gehört. Wir sind nun allerdings nicht so sanguinisch, um bei den ersten Anzeichen sofort den vollen Tag heraufsteigen zu sehen. Nichts desto weniger müssen hiermit die Motive gegeben werden, um jeden Anknüpfungspunkt zu benutzen, unermüdlich nach der Erreichung unsres Zieles zu streben. England hat uns so eben dafür ein leuchtendes Beispiel gegeben. Der Prinz von Preußen, der die Institutionen Englands so hoch achtet, läßt wohl auch seinerseits diesen Vorgang nicht unberücksichtigt. Literarischer Wochenbericht. Hannover, 21. Mai. (Eingesandt.) Wenn Wahrhaftigkeit eine der höchsten Tugenden ist, so dürfte wohl an einem Reisenden, der aus fernen Ländern von wenig bekannten Verhältnissen erzählen will, kein größeres Verbrechen zu finden sein, als die Lüge. Wenn irberall, so ganz besonders bei einem Reisenden, muß es in des Wortes vollster Bedeutung heißen: ein Mann, ein Wort. Für jedes Wort muß der Reisende mit seinem ganzen Menschenwerthe einstehen können; handelt es sich ja bei ihm ganz besonders um das Vertrauen, das man in seine Ehrenhaftigkeit setzt, zumal der Gegenbeweis zu seinen Behauptungen nur schwer zu führen ist. Im Begriffe, meine Reiseberichte in d eutscher Sprache, die in diesen Tagen die Presse verlassen, der Oeffentlichkeit zu übergeben, kommt mir zufälliger Weise Herrn Dr. B. Beer's „Rückblick aus die jüdische Literatur von April 1856 bis dahin 1857" in dem „Jahrbuch der Israeliten 5618 von Jos. Wertheimer, Wien" zu Gesicht und finde ich darin folgende (Stelle: „— ferner Benjamin II., „cinq ann6es de voyuge en Orient“, eine ziemlich romanhafte Reiseskizze in ferne Länder, welche der Verfasser besucht haben will. War dies auch vielleicht der Fall, so ist der Inhalt doch großentheils aus verschiedenen, mehr oder weniger zuverlässigen Büchern und Mittheilungen ohne Auswahl zusammengetragen." Aus den oben angeführten Gründen kann und darf es mir nicht gleichgültig sein, darf es mir schon um des Interesses willen, welches viele der bedeutendsten Gelehrten an meiner Reise nehmen, nicht gleichgültig sein, mit welchen Augen meine Mittheilungen betrachtet werden; und die Ansicht eines Mannes wie der Herr Dr. Beer muß es mir angelegen machen, jeden möglicher Weise irgendwo aufsteigenden Zweifel an der Wahrheit meiner Berichte zu beseitigen. Ich fühle mich deshalb gedrungen, hierdurch die Erklärung abzugeben, daß ich keine einzige Thatsache berichtet habe, welche ich nicht aus eigener Anschauung kennen gelernt. Führe ich hier und da irgend Etwas an, das ich nicht selbst erfahren, so findet sich es stets ausdrücklich bemerkt. Ich bin im Stande, nöthigenfaüs mir Auszüge aus den Büchern der verschiedenen Consulate in Asien und Afrika zu verschaffen, bei welchen ich mich behufs Reiftlegitimationen u. dgl. unterwegs eingestellt habe. Unter meinen Papieren befinden sich noch zufällig ein mit einem Carawan-Baschi abgeschlossener Contract in persischer Sprache; ferner Briefe von Rabbmen und Geschäftsleuten in Bagdad und Bassora, die an mich während meines Aufenthaltes in Ostindien gerichtet wurden, eine Correspondenz während meiner Reise in Kurdistan und verschiedene andere Briefe und Schriften, welche namentlich meinen Aufenthalt in Ostindien und Persien bis zur Evidenz darthun und andere Beweise meiner Anwesenheit in den von mir behandelten Ländern.*) Ich führe noch beispielshalber an, daß ich dem Herrn Abraham Camondo, Chef eines der angesehensten Bankhäuser in Konstantinopel, ein Paquet von Bagdad überbracht habe und bei meiner Durchreise in Dijon im Hause des Herrn Rabbiner Charleville von dem Chacham Baschi Bagdads, dl. Elias Katstn, begrüßt wurde. Die Authenticität meiner Notizen in meinem Reisemanual, welche ich in hebräischer Sprache niederschrieb, *) Wir bezeugen hiermit, daß Herr Benjamin auch uns obige Schriftstücke, welche den vollen Stempel der Aechtheit tragen, vorgelegt hat. Die Redaction.

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