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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-01-18 · Heft 4 (18.1.1858) · p. Seite 56

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 4 (18.1.1858)
Date
1858-01-18
Page
Seite 56 (sequence 14)
Language
German
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56 Artikel feine Spalten bieten mochte, wie ihn dieses"so vielgelesene Blatt in seiner No. 1. 6. ck. 1. Januar 1858 unter der Rubrik „Privatmittheilung aus Fürth" gebracht. Um so weniger statthast ist es noch, wenn, wie hier der Fall, ein wenig wahrheitliebender Berichterstatter in ungebührlichen Ausfällen als Wächter und Richter über Sitte und Gesetz sich aufwirst und in angeborner Schmähsucht auf ein Publikum herabschimpft, das es unter seiner Würde hält, dem fanatischen Gebühren dieses Unberufenen in einem officiellen Schriftstück zu begegnen. Nur der verehr- Lichen Redaction gegenüber sei es unsere Aufgabe, die Sache näher zu beleuchten und für dieselbe einige hieraus bezügliche Worte der Belehrung anzureihen. Der hier bestehende Männer-Gesang-Verein wurde allerdings von Herrn Cantor Ebert in der Absicht gegründet, den Gesang zu fördern und insbesondere zur Verherrlichung des Gottesdienstes durch Chöre beizutragen z seit mehreren Monaten indeß hat gedachter Verein durch Hinzutritt einer sehr großen Anzahl geachteter Familien in der Art eine Umgestaltung erfahren, daß neben der ursprünglichen Tendenz derselbe auch gesellige Unterhaltungen, bestehend in Bällen, theatralischen Vorstellungen u. s. w. sich mit zum Zwecke gesetzt hat. Wenn nun der Ausschuß dieses Vereines, den Ihr wackerer Kämpe für den Glauben unserer Väter aus jungen Modegecken zusammengesetzt wähnt, keinen Anstand genommen, die Aufführung der Posse: „Sennora Pepita, mein Name ist Meyer", zu erlauben, so dürste derselbe auch wohl mit gutem Gewissen die Verantwortlichkeit dafür übernehmen können. Stücke, die auf den Tagesbühnen aller Orte zur Aufführung gelangen und die in ihren Hauptmomenten lediglich dazu berufen find, eine Abnormität eines Standes zu zeichnen, brauchen um so weniger aus einer Sphäre verbannt zu werden, in der man über die leider noch so vielfach bei unseren Stammesgenoffen auftauchende Empfindlichkeit längst hinweggekommen ist. Wie häufig werden der Adel, das Beamtenthum und sonstige Stände und Berussarten in abnormen, krankhafren Erscheinungen auf die Bretter gebracht, müssen ja auch selbst Katholiken es sich gefallen lassen, wenn Jesuiten unter heuchlerischer Larve in finsterem, unheimlichem Treiben über die Bühne schreiten, und warum sollten wir Juden gerade eine so übergroße, ungeeignete Reizbarkeit zeigen, wo es sich keinesweges um Verhöhnung oder Lächerlichmachung des jüdischen Glaubens, sondern einzig darum handelt, einen unwissenden, in seinem Gelddünkel sich überhebenden, für ein chronographisches Talent schwärmenden Parvenü, der vielleicht nur zufällig aus dem Stamme Juda gegriffen wurde, in den Kreis einer Gesellschaft zu führen, besonders wenn dieselbe vermöge ihres Bildungsgrades ein gesundes, lehrreiches Urtheil darüber sich zu bilden vermag. Es läßt sich sonach zwischen diesem harmlosen Schwanke und dem von der löblichen Redaction beispielsweise angeführten Stücke: „Unser Verkehr", welches nur judenfeindliche, jüdische Zustände, bespöttelnde Gesinnungen zur Schau trägt, und das seiner Zeit von dem verdienstvollen, geistreichen Börne schon in scharfer Lauge gewaschen wurde, ein Vergleich nimmermehr ziehen. Die alberne Bemerkung, daß die Vorstellung in einem christlichen Gasthofe, vor einem christlichen Orchester stattgefunden, wollen wir, der Naivetät wegen, nicht weiter erörtern, denn gegen Thorheiten kämpfen Götter selbst vergebens! — *) *) Es liegt mancherlei Wahres im Obigen. Vielleicht dachten die Herren an Sokrates, der bei der Aufführung „der Wolken" von Aristophanes am Proscenium sich aufstellte, um den Eontrast erkennbar zu machen; oder an Friedrich den Großen, der das Pasquill auf ihn an den Ecken tiefer heften ließ, damit das Volk es besser lesen könne. Aber einen kleinen Unterschied haben die Herren doch vergessen, das ist: wenn Aristokratie, Beamtenthum u. s. w. in ihren Schwächen oder in verkommenen Subjecten des Standes auf der Bühne abconterfeit werden, so weiß das Publikum sehr wohl, daß dies die Aristokratie, das Beamtenthum u. s. w. selbst nicht treffe, und die Achtung vor diesen Körperschaften wird nicht geschmälert. Nun aber muß man wissen, wie ein jeder Funke der Lächerlichkeit und Verhöhnung, auf Juden geworfen, im nichtjüdischm Publikum zündet und auf alle Juden übertragen wird; man muß erwägen, wie wir Juden eben nur mit vieler Mühe uns aus dem Zustande der Verachtung, Hintenansetzung, Vorurtheile und Gehässigkeit herausgearbeitet und noch herausarbeiten müssen; wie aber das nicht'jüdische Publikum hierin uns durchaus nicht willig entgegenkömmt, sondern auch den geringsten Schatten aufgreist, um ihn über uns Alle zu breiten — um einzusehen, daß der Vergleich mit der Aristokratie, dem Beamtenthum u. s. w. sehr hinkt, und daß es die mit Recht gerügte Empfindlichkeit noch nicht ist, welche dergleichen Schaustücke durch eigene Kräfte nicht unterstützt sehen will. Die Revaction. Bekanntmachung. Wir zeigen von Neuem an, daß wir Briefe, die uns liufraukirt mit Annonce» für den Anzeiger der Allgemeinen Zeitung des I u d e u t h u m s zukommen, wie bisher »»eröffnet zurückweisen werden. Solche Anzeigen aber, deren ungefährer Betrag nicht beigefügt ist, oder für deren Bezahlung eine auswärtige Buchhandlung oder ein hiesiges Handelshaus nicht garantireu, legen wir nnberücksichtigt bei Seite. Leipzig, im Januar 1858. Baumgartners Buchhandlung. Jüdisches Volksblatt Ro. 3. Die Schicksale des Salis Roftngold zu Warschau. — Der alte Arzt. — Kleine Beobachtungen. — Aphorismen. NB. Durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Jährlich: 1 Thlr. Vierteljährig V* Thlr. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. Hirschfeld. Verantwortlicher Redacteur: K. Rabe.

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