Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 21 (1857)
- Issue
- Heft 52 (21.12.1857)
- Date
- 1857-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zu Nr. 52. drr Allgemeinen Zeitung des Jndenthums. Von der Mosel. Die verheerenden Brände, von welchen bekanntlich unsere Moselgegend in diesem Sommer heimgesucht worden, haben auch unter den israelitischen Glaubensgenossen ihre Opfer erheischt, ganz besonders hat eine Familie schrecklich dabei gelitten. Am Nachmittag des 22. Juli brach nämlich in dem Kreisstädtchen Berncastel Feuer aus, welches in wenigen Stunden über 30 Gebäude zerstörte. Unter diesen Abgebrannten war auch das israelitische Handlungshaus unter der Firma S. u. L. Marr, welches durch sonderbare unglückliche Fügung gerade in dem Momente, als das Feuer ausbrach, nicht versichert war, was sonst immer bei demselben der Fall gewesen, und zwar in den letzten Jahren für 17000 Thlr. bei der Stettiner Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Es war nämlich unversehens deren Police abgelaufen, aber auch wieder zur neuen Versicherung der Antrag gestellt, als der schreckliche Brand ausbrach, welche deren Haus, Ladengeschäft und Habseligkeitcn in Asche legte, wodurch deren Vermögensverhältnisse sehr zerrüttet wurden. Dieses traurige Ereigniß erregte daS allgemeinste Bedauern, da diese Familie Marr in allen Beziehungen in größter Achtung sieht, vorzüglich aber daS Familienhaupt Simon Marr im Verein mit dessen Gattin, im Ausüben von Wohlthaten und Tugendhandlungen, im weitesten Sinne deS Wortes, unermüdlich waren. Auch hat derselbe eS häufig schon dahin zu bringen gewußt, sowohl durch gute Anleitung, als auch durch thatkräftige Unterstützung Verwandten und andern jungen Leuten zu anständiger und nützlicher Existenz zu verhelfen. Außerdem wirkte derselbe als Notabel des Consistorialbezirks Trier, und als langjähriger Gemeindevorsteher sehr vortheilhast für seine Gemeinde und Umgegend, und so hatte denn Berncastel hauptsächlich durch seine Thätigkeit fast ununterbrochen eine gute israelitische Elementar- und Religionsschule. Auch bei dem Neubau einer schönen Synagoge hat er unermüdlich mitgewirkt, große Geldopser gebracht, und in derselben einen geregelten Gottesdienst mit sehr schönem Chorgcsang eingeführt, welche Anordnung manchen anderen Gemeinden als Muster und Nachahmung diente. Daß aber auch die hohen Behörden dessen Chevalier und Bestrebungen achten und anerkennen, geht daraus hervor, daß bei einer Eingabe, welche die genannte Firma S. u. L. Marr an die Feuer-Versicherungs-Gesellschaft nach Stettin richtete, um allenfalls noch eine theilweise Entschädigung zu erreichen, der hochgeachtete Landrath des Kreises Berncastel, Herr Regierungsrath Wiethaus, dieses Gesuch aufs Kräftigste unterstützte und unter Anderm sich also äußerte: „Ich füge aber auch noch hinzu, daß der Herr Marx in dem besten Rufe, in dem Rufe eines edeldenkenden ManneS steht, der sich überdies um den aufblühenden Wohlstand der hiesigen Gegend mannigfache Verdienste erworben hat. Darum ist es auch zunächst, daß daS ihn betroffene Unglück und seine Beziehungen zur gedachten Versicherungs-Gesellschaft in weiten Kreisen ein so ganz ungewöhnliches Aufsehen, und das Mitgefühl in hohem Grade rege gemacht habe."