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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1857-08-10 · Heft 33 (10.8.1857) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
21 (1857)
Issue
Heft 33 (10.8.1857)
Date
1857-08-10
Page
Seite 453 (sequence 11)
Language
German
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453 Für die Achtung, welche den hiesigen Lehrern angeblich zu Theil wird, mag folgendes Factum sprechen. Ein Mitglied deS Gemeindevorstandes findet, daß sein 14jähriger Knabe eine schlechte, unleserliche Schrift schreibt. Er erscheint eines Tages in der Classe und macht dem Clafienlehrer (einem der besten hier) bittere Vorwüefe. .Dieser, gereizt, giebt eine barsche, gehässige Antwort, wodurch jener sich zu Beschimpfung, ja sogar zu Drohungen hirtreißen läßt. Der Lehrer beklagt sich — man macht Ausflüchte, Endlich beschließt der ganze Lehrkörper/ die'Scssüle ohne Satisfaction nicht wieder zu betreten. Was geschieht? — Die Lehrer werden von der politischen Behörde gehalten, ihre Functionen wieder anzutreten und — geschlagen ist geschlagen. Daß aber und warum die jüdischen Lehrer in diesem Grade die Achtung ihrer Gemeinde verscherzen, ist unseres Erachtens nicht immer außer ihnen zu suchen; es . liegt vielmehr in den meisten Fällen in ihnen selbst. Da macht sich ein pedantisches Haschen nach scheinbarer Ehre breit; da.findet man Selbstüberschätzung, Eigendünkel, Halbheit und Seichtheit des Wissens; da ist so selten, ein gewissenhaftes Streben in der Schule und für die Schule. Miethlinge sind es meistens, deren Herz kalt, deren Geist abwesend ist von ihrem heiligen Geschäfte. Die Aeltern werden mit der größten Geringschätzung behandelt und „die Herzen verstehen einander." — ' Sonach wäre das Aufhören so vieler neu gegründeter Schulen in der mangelhaften Bildung und in dem anspruchsvollen Wesen der Lehrer begründet. Keineswegsmüssen, wie der Einsender glaubt, immer die Rabbiner schuld daran sein. Wo Lehrer auf ächt humane Weise wirken, wö sie das Wohl der Schule wollen und verträglich sind, um dies zu fördern, da sehen wir auch in kleinern Gemeinden die Schulen blühen und gedeihen. Beispiel: die nicht eingegangene Schule zu Tirnau. Schließlich bemerken wir noch, daß die hiesigen Lehrer., nicht definitiv angestellt sind und wir überlassen eS dem »gewesenen Lehrer", die Ursache zu suchen, warum die meisten Gemeinden Anstand nehmen, ihre Lehrer definitiv anzustellen. — Ein Schulfreund, Die Schweiz. Ober-EndinstM,chm Juli. (Privatmitth.) Seit 1839 besteht hier ein Verein zur Unterstützung junger Israeliten, die ein Handwerk erlernen wollen und war derselbe vor einigen Jahren in Stockung gerathen, allein durch den Einfluß des Herrn Rabbiners vr. Fürst wieder zu neuer Thätigkeit inS Leben gerufen. Jetzt greift er jungen Handwerkslehrlingen »tüchtig unter die Arme durch Rath und That. So eben steht das Comite desselben, dessen Präsidium von Herrn vr. Fürst geführt wird, im Begriffe, eine schöne Institution hier einzuführen. Es hat einen Vertrag geschlossen, um mehreren hiesigen Mädchen die Seidenweberei erlernen zu lassen. Von nächster Woche an kommt ein Lehrmeister täglich hierher und erhält vom Vereine per Tag 2 Franken. Der Verein stellt auch die Webstühle. Der Lehrmeister verspricht dagegen, den Arbeiterinnen an ihrem Verdienst so lange zu Gunsten des Vereins einen verhältnißmäßigen Abzug zu machen, bis Lehrlohn und Webstuhl bezahlt sind. Ferner verspricht derselbe, den Arbeiterinnen, die der Verein empfehlen wird, stets Arbeit zu verschaffen. Arbeitslohn erhalten die Arbeiterinnen schon von beginnender Lehrzeit. Wer die hohe Bedeutung der Seidenindustrie in der Schweiz kennt, sieht ein, welch hohes Verdienst das Comite und besonders Herr Rabb. vr. Fürst durch Einführung dieses Industriezweiges in unserer Gemeinde sich erworben. Viele unbemittelte und arme Familien werden dadurch einen einträglichen und sichern Verdienst erlangen. Und gewiß ist der moralische Eindruck eines solchen Instituts nicht gering anzuschlagen. Herr vr. Fürst wirkt auch in anderer Beziehung wohlthuend sür seine Gemeinde. Seine Predigten, womit er jeden Sabbath seine Gemeinde erbaut, erfreuen sich der allgemeinen Anerkennung. Auch für die Gleichstellung der Israeliten in der Schweiz hat Herr vr. Fürst mehrmals mit Erfolg in der Presse gewirkt. Großbritannien. London, 22. Juli. Lord John Russell hat eine Bill eingebracht, nach welcher jedes der beiden englischen Häuser selbstständig seinen Parlamentseid anzuordnen berechtigt sein soll, und zugleich aus dem Eide für jüdische Mitglieder des Unterhauses die bekannte Schlußformel wegbleiben soll. Die Zulassung der Bill wurde mit 246 gegen 154 Stimmen bewilligt. Lord Palmerston erklärte sich zwar nicht gegen den Antrag, wollte aber, daß die Berathung der Staatsangelegenheiten nicht benachtheiligt werde, und da so 33**

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