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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-09-22 · Heft 39 (22.9.1856) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 39 (22.9.1856)
Date
1856-09-22
Page
Seite 531 (sequence 9)
Language
German
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53t ein besonderer Religionsunterricht ertheiltwird/, vorhMen wareck, ft eütftringt diese äus ßer Erklärung derin der Ürsprache und 'aus dein Unterrichte der Zugend lm Talmud. Noch jetzt wird: die israelitische, Jugend fast durchaus wenigstens bis zu einem. Älter von 13 Jahren in Bibel und Talmud 'unterrichte^ "Urft'wenn es auch einerseits klar am Tage liegt, daß nur sehr Wenige es, namentlich Ln der „Fechtschule der Hatachä", zu'etwas bringen, indem der Inhalt der stalmudischen Bücher , schon Äne, gewisse Reife des . Geistes verfangt,''zu. welcher der dpch Kindes gewaltsam hinaMeschraubt chird/ so Lft's Joch auch andererseits sicher, dasi sich qus dieser aufgenommenen Masse des Wissens ein 'religiöses Bewußtsein herausbildet, und Ln dem „Garten der Hagada" enthüllen sich dem kindlichen Geiste unvermerkt die erhabensten WahrheitM über Gott und dessen Eigenschaften, über Gewissen und menschliche Bestimmung. Man sieht älsö, daß man hier zu, Lande bie SüLeNlehre nicht erst aus dem Munde des Rabbiners erfahrt, aus dessen mündlicher. Belehrung und Unterweisung, nein, es sind ganz andere ÖueÜen! Es sind die ewig frischen , unversiegbaren Urquellen der heiligen Schrift Und des' Takmüds, woraus man hier ftit jeher und noch jetzt die heiligsten, erhabensten Wahrheiten schöpft. Man staunt oft, talmudische Phrasen aus dem Wunde eines ÄÜtagsmenschen aus der Volksmasse zu hören, welches den Inbegriff der ganzen Sittenlehre ausma-' chen. Wir brauchen solche hier nicht vorzuführen — genug, daß sie Ltt das Herz des Volkes eingewachsen .und,'das ein. hohes .und zartes sittlich-religiöses Bewußtsein wach halten.. Daß der Chassidismus, wie es im Berichte weiter .heißt, „einen deprimirenden Druck aus übe", ist nichts weniger als . wahr, denn derselbe hat, mit sehr geringen Ausnahmen, wo er noch in manchem kleinen Städtchen auftaucht, faetisch zu sein aufgeh o rt. Daß derselbe — in. Parenthese bemerkt, — nirgends im ZudenthUme Wurzel gefaßt außer hier und'. in Kußsand, dürfte vielleicht als Beleg für die Empfänglichkeit und lebhaftere Imagination des polnischen Juden dienen. . ' Weit entfernt jedoch, irgend einen ÜMstand in schütz nehmen , zu wollen, erkennen wir vielmehr an, baß es deren hei Uns noch viele giebt, namentlich das starre Festhalten, am herkömmlichen Buchstabenglaubeü, an starren, verjährten Formen, deren Geist läWst^ntschwunden ist; -wk erkennen ßS an/ daßwir M. sto, Manche zeitgemäße - durchgreifende. ^Reformen in. Lehre und Leben . nöthig haben;- - allein diese können sich nur allmälig eine Bahn brechen. .Mer-Miß nicht die Macht und den zähen Widerstand eingewurzelter, starrer Vorurtheile, diese können über Nacht nicht aus gerottet werden. Hoffen wir jedoch,auf!eiye baldige bessere Zukunst.und mus die mdliche Erkenntpiß der Wahrheit. m Auch fängt's schon überall sich zu.regen an. ES giebt unter uns klarer denkend e Männer, welche-: freiern Ansichten huldigend, Instngen, Alles zu prüfen Md M sichten; das sind die „Deutschen", vonchenender.Bericht höhnend sagt: „Die Deusschen,/d. h^ chie. S.trejmekund Schubeze mit Cylindev^ Md.Qusicker .vertauschenden Juden sind -zu sehr-indifferent, - schämen stich zu sehr alles Jüdischen und waS dessen. Namen trägt". Diese Behauptung ist, wie sage ich nur gleich bos-' hafte, unter allem Begriffe platte Verstumdung 1 möge man diese harten Worte -entschuldigen,: es sind die angemessensten der Erwiederung. Nein, das sind grhßtentheils andere Männer, das sind Männer mit einem würdigen, aus dem innersten Bewußtsein entsprossenen Streben; da ist ein Durchdrungensein von der heiligen Idee, daß die Fmstermß weichen muß vor dem Hellen Lichte des Tages.. Aus der Witte dieser Männer sind diejenigen hervorgegangen, welche die hohe Wichtigkeit jüdischer Volksschulen-einsahen; daß die geistige Erhebung und Verjüngung, die Verbesserung und Veredlung des JudenthumeS an die Zugendbildung geknüpft sind. Auch erblicken wir mit innerer Befriedigung ein fröhliches Emporblühen der deutsch-israelitischen Hauptschule zu Lemberg, welche durch allseitiges, harmonisches Zusammenwirken, von Außen durch höhere Beaufsichtigung unserer hochherzigen Regierung, und ununterbrochen begünstigt und gefördert durch den dasigen humanen und strebenden Vorstand, der dieselbe gegründet, daß von.hier-aus die Morgenröthe einer bessern Zukunft füo unsere Brüder anbreche, und von Innen durch kräftige Leitung eines trefflichen Direktors, wie durch eintüchtiges Lehrpersonale, als Muster dasteht. Die schustbesuchenden Kinder —; gegenwärtig ungefähr tausend an der Zahl — strömen zahlreich herbei und -da -die Anmeldung . zum Schulbesuche täglich stärker/ . wird, sah man, sich vorigen Jahres genöthiget, eine vprsiädtische^Trivialschule Ms^Leben -zu rufen,^ünd mit 39

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