Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 20 (1856)
- Issue
- Heft 19 (5.5.1856)
- Date
- 1856-05-05
- Page
- Seite 262 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Erlaubnisdieses dem ganzen Lande hochwichtige Ereigniß durch ein Festmahl -zu feiern. Ein' großes Diner würde veranstaltet und die ersten Männer der Stadt beehrten dasselbe durch ihre Gegenwart. Der Erzbischof entschuldigte sich brieflich, daß er nur durch das Fasten verhindert sei , daran Theil zu nehmen - aber der Vice - Gouverneur Se. Ercellenz Herr von Töhler, die Präsidenten sämmtlicher Gerichtshöfe, Barone und Fürsten saßen freundlich»vereint mit den israelitischen Gästen Und freuten sich der Hoffnung: einer glücklichen ZukünsÜ'' Der Wirth brachte zuerst einen Toast auf das erhabene Herrscherpaar und die ganze kaiserliche Familie aus, welcher mit' großem Enthusiasmus entgegengenommen wurde und dem andere auf sämmtliche anwesende hohe Gäsie folgten. Der mit vielem Jubel begrüßte Toast auf die tapfere Armee wurde vom Divisionsgeneral mit einem Trinkspruch auf den geehrten Gastgeber und sein ganzes HauS erwiedert. ' - Die Veranstaltung dieses-Festmahls auf Anlaß des allgemein ersehnten Friedens ist eben so!eh.rend für Herrn Gunzberg, wie für seine erlauchten Gäste, die ihre aufgeklärten Urw, liberalew Gesinnungen dadurch bewiesen, daß sie es nicht verschmähten, ihre ersten freudigen Gefühle über dieses hochwichtige- Ereigniß am, Tische eines achtungswürdigerr Israeliten laut werdm zu lassen. Italien. Modena, im März. (Auszug aus-einem Privatbriefe.) Gestern wohnte ich dev Beerdigung des reichsten hiesigen Juden, Namens Sacerdote bei. Er starb unverheirathet, 67 Jahre alt, und hinterläßt den Kindern seiner Geschwister ein Vermögen von 400,000 Ducaten. Doch hat er auch, nicht vergessen, seinen Namen durch Stiftungen zu verewigen Er testirte 70,0.00 Frcs.- als Beitrag zum Bau einer neuen Synagoge, deren es hier zwar 7 giebt, aber eine häßlicher als die: andere- und zum Theil im vierten Stock oben. Ein würdiger Tempel ist daher Bedürfnis 20,000 Frcs. erhielt der Armenfond zur Anschaffung von Holz und Suppen im Winter. 10-000. Frcs. wurdenvor der Beerdigung verth.eilt, wovon, die christlichen Armen seines Kirchspiels,? laut Testa-? ment 1 stOO, Frcs., erhielten. Dev Tobte wurde .vom, Hause aus zuerst vor feiner Synagoge vorbei getra-. gen; diestrlGebrauch # hier allgemein- und erscheint mir sehr anregend. Der Rabbiner sagte- Kavisch, nachher circulirten die Büchsen und hierauf ging es-dem Gottesacker, zm Es folgten in einem Wagen die beiden Rabbiner, noch acht Wagen mit Leidtragenden und reichen Juden,s dann die. Gemeinde in widerlicher Unordnung^ , Der /Tobte wird, getragen, /.was, zur Un^ ordnung sehr viel beiträgt. — Da ich vom Tod schreibeso berühre ich die Unglücksfälle der hiesigen ausgezeichneten Familie Rovighi.. Ein Sohn starb kürzlich in piemontesifchen Diensten,.als Hauptmann in cher Krim, nachdem vor nicht langer^ Zeit, ein anderer und eine Tochter, Beide, sehr talentvoll-./ an der Cholera verstorben find. — Folgende allgemeine Daten werden Ihnen auch nicht uninteressant sein. . Taö Herzogthum Modena zählt ungefähr 7000 Juden, wovon 2000 hier, 1000 in'Reggio , 500 in Karpi - 500 in Correggio und die Uehrigen in kleinen Gemeinden, zerstreut leben. Die hiesige Gememde hat einen Oberrabbwer und .einige- Unterrabbiner,'/von welchen-Herr Ehrenreich, von Geburt Pole-, und Zögling des? Paduaner Instituts, am meisten Aussicht hat, einstOberrabbiner zu werden, Reggio hat drei uerschstdeneUnterrabbiner, die jedoch /sonst Nichts als -Rubbis sind,? wie sie hier genannt werden. In dieser Stadt, ist.so eben ein neuer Tempel im Bau begriffen, welcher jedoch durch Zwistigkeiten unter den reichsten Gemeindegliedern wegen -Rangeifersüchteleien. momentan ins Stocken ge-- rathen ist. Die Angesehensten ziehen sich zurüÄ, zahlen' ihre Beiträge und kümmern sich weiter, nicht um die Gemeindeangelegenheiten. Der Gemeindehaushalt steht übrigens allenthalben sehr gut, nirgendSstnd Schulden, Alles wird .umgelegt und haar bezahlt; ich kenne einen Mannder jährlich 3000 Frcs^ zur Kehila con-, tribuirt. Ueberhaupt giebt es hier/ zu Lande enorm reiche Juden, und wären die Rabbiner Männer von Wissenschaft und Energie, so. würde viel - Gutes zu- Stande hommen und erwähnte Streitigkeiten bald beigelegt, vmden 0%.?: Die. Juden < hier Bürger, undlaut des Gesetzes: Alle Bürger haben -gleiche Rechte, emancipirt;,. jedoch w Wirklichheit-sthlh viel hieranda die: altenAusuahmsgefttza noch gehandhabt wvrdon S0 z^ B. zahlen sie jährlich 20,0W'Frcs: als Aufenchaltsstduer, dann eine Ablösungssumme von 1500 Frech für jeden Militairpflichtigen.' Dem Gesetze nach sollen jüdische.Ädv.o egten ünch Aerzte nur von Juden^ gebraucht w'erden; wovon in Beziehung dev Aerzto