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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1856-01-01 · Heft 1 (1.1.1856) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
20 (1856)
Issue
Heft 1 (1.1.1856)
Date
1856-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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II Oesterreichisch er Kaiserstaat. H-rzitz (Böhmen), im November. (Ein ernstes Wort an Dr. Iarisch in Wien.) . Während seit OlimS Zeiten auf Katheder und Kanzel sich die erleuchtetsten Männer dem leichtverzeihlichen Wahne Hingaben, Religion und Glaube seien Eins und Dasselbe, während es seit langer Zeit allen hohen Regierungen gefallen hat, den jüdischen Glauben als eine der recipirten Religionen im Staate zu erkennen, wäre es wohl keinem gefunden Menschenkinde mehr eingefallen, zu glauben, daß eS anders sein könne. Doch wir leben im Zeitalter der Erfindungen/ der menschliche Geist hebt täglich den Schleier von so vielen bis jetzt noch unenthüllten Geheimnissen der Ideenwelt, und so war es dem Herrn vr. A. Jarisch in Wien Vorbehalten, die Welt in diesem Punkte zu erleuchten, und ein einfaches Bild in seinem vor Kurzem erschienenen „katholischen VolkSkalend.er^, das einen Juden mit einem Geldsacke, einen Pastor mit einer Bibel und einen afrikanischen Götzenanbeter in einer Gruppe zusammenstellt, soll der nach Erleuchtung strebenden Welt die große Wahrheit aus dem Privatglauben deS Herrn vr. Jarisch offenbaren, indem die Unterschrift dieses geistreichen Bildes in deutlichen Worten sagt: „siehst Du, lieber Leser, Alle diese haben wohl Religion, aber keinen Glauben." — Großer, weiser Volkslehrer Jarisch! die Nachwelt wird Dir, wenn einst die Giftsaat deS Haffes, die Du gesäet, aufgegangen sein wird, wohl auS jenen Giftpflanzen einen Kranz winden und ihn Dir dankbar aufs Grab legen. — Also Religion haben wir Juden, sagt vr. Jarischaber keinen Glauben. — Ja wohl mag er Recht haben, dieser würdige Sendbote der Volksaufklärung (?), wir haben keinen Glauben, wir verstockten Juden, wir g lau benscht an den wahrhaft religiös-gläubigen Geist des^Herrn vr. Jarisch. — Wir wagen es ferner zu gestehen, daß wir nicht glauben an das große Licht seines Geistes, denn jene dem famosen Bilde beigegebenen Worte scheinen uns dem Reiche der Finsterniß weit eher als dem deS Lichtes zu entstammen — wir glauwollten ja nichts, als was jetzt geschieht, und da wir persönlich nicht im Entferntesten interessirt sind, so kann bei uns Niemand einen ändern Zweck voraussetzen, als den — dem jüdischen Lehrerstande .Hebung und Erleich-' terung zu schaffen. ' , Redact. ben nicht an seine Volksaufklärung, trotz-der in gro-. ßen Lettem gedruckten Lüge deS Titelblattes feines Ka^ lenderS, denn wer durch solche Bilder, wie daS erwähnte, das Volk ausklärt, wer in hie Gemüther deS noch so sehr deS wahren, reinen Lichtes der allgemeinen, Liebe entbehrenden Volkes die Brandfackel des ReligionShaffeS schleudert, wer durch.eine BegriffSver-! wirrung, wie die geistreiche Definition von Religion und Glaube im Kalender des vr. Jarisch, die ja ohnehin oft so vagen Begriffe deS Volkes , in ein Labyrinth von Vorurtheilen und verknöcherten Afterprincipien verwandelt, in dessen Hand wird der unschuldigste Gänsekiel zum ^giftigen Pfeil, verwandest die Tinte sich in Galle-und werden die tobten Buchstaben zu grinsenden Gespenstern, die ihren Tummelplatz im nächtlichenDunkel deS so srevelhäft verleiteten Volksgeistes finden. — — . >. So möge er denn hinausgehen in dir Welk der katholische Volkskalender deö Dr. Jarisch. — Die Welt wird ihn richten. Die Jahreszahl 1856 übrigens, die großgedruK'E^Titelblätte prangtist die beste Kritik von deö Verfassers 'eigener Hand geschrieben, eine beißende Ironie auf daS Buch und seinen Inhalt. — Hoffen wir von dem gesunden Geisternder doch manchmal in den untersten Schichten deS Volkes eher als unter den ex oküeia Erleuchteten zu finden ist, daß man diesem Buche einen Platz anweisen wird unter den GeisteSproducten deS finstern Mittelalters, und eine derartige Volksaufklärung von Anno 1856 mit gerechter Entrüstung vEstch weisen; wird. — Wir aber geben Herrn Jarisch die Versicherung, daß die Nachwelt von den ersten Steinen, die das durch ihn belehrte Volk nach den Juden werfen wird — ihm ein Monument errichten wird. Ciiiquei suumü— Adolf Ehrentheil, Rabbiner und Religionslehrer. Anzeige». Prediger-Gesuch. Die Emanü-El-Tempelgemeinde der Stadt New-Jork, sucht einen Prediger, der bei gründlicher Gelehrsamkeit ein Redner ersten Ranges.sei, und seinen Predigten den Zauber des Belehrend-Unterhaltenden, so wie, das Erhebende der Andacht zu verleihen' oer-; steht. Der Gottesdienst im Tempel ist in zeitgemäßer Reform, mit Orgel und Chorbegleitung. Candibaten, die obgengnnte Eigenschaften mit Kenntniß der eng-

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