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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-24 · Heft 30 (24.7.1854) · p. Seite 380

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 30 (24.7.1854)
Date
1854-07-24
Page
Seite 380 (sequence 12)
Language
German
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darauf ausspieen, oder ihr Mittel zum Widerstande gaben ~ Alles dies verschwindet, wenn, es nicht schon verschwunden ist. Siehe dieS hölel de ville, das Stadthaus — der Schauplatz der wildesten Scenen der.Revolution, wo Rübespierre sich durch die Kinnlade schoß, und Lamartine die rothe Fahne bezwang .— jetzt steht es auf - einem großen, freien Platze, an der einen Seite von einer mächtigen Caserne begrenzt — in Zukunft werden nur lange, gerade Straßen darauf münden —- nur einige gut aufgestellte Kanonen bestreichen die. ganzen Umgebungen, halten Alles zurück, -machen das- Stadthaus * uneinnehmbar. So auch die Umgebungen der Tuillerien und des Louvre — die große rue Rivoli tritt an die Stelle des Meeres von kleinen und großen Häusern und Buden, die sich sonst dicht an die Tuillerien lehnten Alles ist niedergerissen worden, und weit zurückweichend zeigen sich jetzt schön die herrlichsten Arkaden, dereinst der Aufenthalt der eleganten Welt, begünstigte Nebenbuhler der Boulevards!. „Der versteht's!" — denn wer sieht nicht, daß hiermit der Kaiser viel mehr alS eine Fliege schlägt? Zunächst beschäftigt er dadurch eine Unmasse von Arbeitern, die in so schlimmer Zeit, wie das letzte Jahr, der Noch und Arbeitslosigkeit verfallen waren. Es ist ungeheuer, was Napoleon bauen läßt. Die großen Verbindungsgallerien zwischen Louvre und Tuillerien > die schon Ludwig X!V. begonnen, Napoleon I. und Ludwig Philippe fortgesetzt haben, ohne daß sie bedeutend gewachsen, weil sie zu enorm sind, indem sie diese beiden Paläste, die eine große Strecke von einander entsernt sind, zu einem einzigen, geschlossenen Ganzen machen sollen, sind von ihm energisch angegriffen worden, so daß sie fast schön unter Dach sind, und jetzt 4609 Arbeiter beschäftigen*). Die eine Frage bleibt nur: womit will der Kaiser diese unabsehbaren Räume füllen? ^Mit Kunstgegenständen? Und wenn er ganz Europa zu diesem Zwecke aüsräUmte, würde der leere Raum größer bleiben, als der verwendete; oder zu Caserüen?... wir wissen es nicht» — Beschäftigung der Arbeiter, das ist eine der großen Sorgen, welche dem Kaiser stets am Herzen zu liegen scheint» Als ich in Paris war, erschien eines Morgens im Moniteur, eine kaiserliche Verordnung, welche den HauSeigenthümern von sechs Straßen und was für Straßen! z. B. St. *) Zn dem Augenblicke, wo wir dies schreiben, ist Nach dem Moniteur dem Staatsministerium durch ein kaiserliches Decret wieder ein Credit von sechs Millionen für diese Gallerien eröffnet worden. Honorö! die von der BarriöreundRoule bis zum place öu Palais royal geht — anbefiehlt, noch in djesem Sommer ihre Häuser abputzen und anstreichen zu lassen. Dadurch kamen soforj. einige Lausend Arbeiter tri Beschäftigung. Die Wirthe müssen heraus rücken, aber es ist nur vorübergehend, denn zuletzt schlagen sie es Azss/^eMiether.7 In diesem Augenblicke will;,der Kaiser sämmtliche Barrieren- (Thore) niederreißen und bis zu den Befestigungen hinaus legen lassen. / Dadurch werden ganze Städte, wie. Paffy, Auteuil, von 86,600 Einwohnern, zu- Paris geschlagen, das dadurch , mit. eisiem Male zu einer Seelenzahl: von 1;706,066 wächst. Oie Kosten sind enorm, aber sie heben sich gut. durch, die Ausdehnung der Octroi — man wird wohlfeilen Wein etwas entfernter trinken. Und endlich .— ift es für nichts. zu rechnen, daß der Kaiser dadurch immerfort den Parisern, diesem beweglichen, veranderungslüstigen; Pölkchen, etwas Neues und Stauneri Erregendes zum Besten giebt?... Man wird fagen, er belastet die Besitzenden zum Vortheil der Arbeiterklassen. Mag fein,, allein: die.Besitzenden hajkNapoleon noch lange in der Tasche, denn sie wollen von 1848 und dergleichen nichts wissen. Aber das ist wahr, daß mir Leute versicherten, die seit drei bis vier Jahren nicht hier gewesen: sie erkennten viele Gegenden von Paris gar nicht wieder, und müßten sich erst zurechtfragen. Da kommt man auf Plätze, wo 'man die Hand eines zerstörenden Feindes wütheud glauberi könnte: Haufen von Trümmern, an den Wänden der noch stehenden Häuser lange, hin- und herlaufende schwarze Striche, wo die Schorn» steine sich , befunden hatten — und die Pariser Häuser haben zahllose Schornsteine, weil jedes Cheminee einen solchen hat, was den Pariser Häusern, selbst den Pa» läften, ein sonderbares Aussehen giebt, .da jedes Dach von einer Unmasse hoch aufsteigender Schornsteine durchbrochen ist —; dann diese Unmaffen beschäftigter.Arbeiter, dir zahllosen Karren (zweirädrig, bespannt mit - breitbrustigen, normannischen Pferden, oft sechs, sieben einzeln hinter einander), welche das Geröll wegschaffen, und ungeheure Steine herbeiführen, halb wiederrrstandene Häuser , die zauberhaft schnell aus dem Boden wachsen».... Zn diesem Gewirre ein Mann, der ruhig den schaffenden Gedanken festhält und fortspinnt — in der That^ man muß ihn bewundern!... Wie oft zwang es mir ein Lächeln ab, wen« ich an die Carricaturen dachte^ die ganz ernsthaft die deutschen Zeitungsschreiber von 1849 bis 1852 aus diesem Napoleon machten--

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