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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-02-06 · Heft 6 (6.2.1854) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 6 (6.2.1854)
Date
1854-02-06
Page
Seite 74 (sequence 10)
Language
German
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74 darum sicher, daß nichts, nichts darin lebt, nichts tiefin- ' nen sich regt und schaffet?... Auch in dem Körper, der schon eine starre Leiche scheint, schlägt oft noch, von außen unfindbär, . ein leiser Puls schlag — und der könnte immerhin, noch geweckt werden... . ‘ Herodes hatte diesen gewaltigen Thurm gebaut und Mariamne genannt, und seiner Gemahlin zur Wohnung ''angewiesen. Seine eifersüchtige Phantasie sah sie so gern umschlossen von den steilen und glatten Mauern des Thur-! mes, dessen einzigen Eingang leicht das Auge einer Wache überschaute. Aber was einerseits den Zugang unberechtigter Personen von außen verwehrt, das verwehrt auch! andrerseits den ungewünschten Einblick nach innen, und! auch die 'Eingeschloffenen, sind desto sicherer, je sicherer die Einschließenven sich fühlen... Es gehörte zu der geheimen Politik der Priester, im. Bereiche der heiligen Stadt kein Gebäude ohne geheimen Zu- und Ausgang für sich selbst zu lassen, und so war auch .längst durch den massiven Unterbau des neuen Thurmes ein enger Gang gehauen, der durch eine deshalb . ausgehöhlte Säule der Cisterne hinauf in das Thurmhaus führte. Ein Stein in der nördlichen Mauer eines Gemaches der Königin auf gewisse Weise berührt, und er drehete sich geräuschlos auf Angeln, und der Eingang war offen. Doch chatte die besonnene Frau dafür gesorgt, daß dies Mne ihren Willen nicht geschehen konnte — nur si e allein wüßte, wo ein Riegel zurückzuziehen, der sonst das. 'Spielen des Steines verhinderte. Sie konnte das Zeichen in der Mauer zum Oeffnen hören: wollte sie nicht, so war keine Menschenmacht im Stande, den Stein nur zu rühren. . Es war dunkle Nacht. Nur am Himmel die Sternlein und in der Königsburg hie und da ein Lämpchen .flimmerten. Stadt und Land lagen ruhig zu den Füßen jener, höchstens daß hie und da das Waffengeklirr einer nächtlichen Wache heraufschallte. Aber mitten im Schweigen der Nacht hatten ein greisiger, wenn auch noch kräftiger.Mann und ein Jüngling einen unterirdischen Gang betreten, der weit, weithin sie führte. Nur ihr eigener Schritt, den eine kleine Laterne beleuchtete, welche der Jüngling trug, hallte im engen Gewölbe wieder, von dem bald rechts, bald links ein Zweigpfad abführte — aber der Jüngling wußte Bescheid. Dann und wann hörten; sse wie einen Bach über ihren Häuptern rauschen, einmal wares wie - ein ungeheurer Wafferschwall, der sich durch eine Schleuse drängte, es rannen auch viele Tropfen durch einige schlechtgefugte Steine,^daß die Wand des Gewölbes. glitzerte — bald war eö wieder vorüber. Jetzt stiegen .sie einige Stufen nieder, bis' ste an einem ehernen Pfortchen standen. Der Jüngling hatte. den Schlüssel', öffnete, und nun begännen'sie ününterbröchen zu steigen. Noch wandten sie sich um einen Pfeiler, und siehe, sie ständen vor der Oeffnung in der Mauer, aus' der sie ist das Gemach hineinstiegen, von welchem wir oben gesprochen — der Stein hatte schon offen gestanden. Aber Niemand . war im Gemach. , ■ — „Wir sind zur Stelle, Meister! " sprach der Jüngling. „Gehet Ihr nur weiter, mir ward befohlen, hier zu verweilen, bis ich gerufen würde. .." „Gut! " antwortete Schammai, durchschritt das Gemach, öffnete eine Thüre und ging durch dieselbe in ein anderes. Darin saß ein Greis, ein alter Diener, das Haupt, vött Silberlocken umgeben, tief in die Hand gesenkt. Aber schon daß leiseste Geräusch der Sandalen ließ ihn aufblicken, der Blick auf den hohen Mann, der jetzt vor ihm stand, aufspringen. „Ist Deine Herrin bereit,' mich zu empfangen, Jochanan?..." . „Sie hat mir befohlen, Dich zu bitten, hier zu verweilen, großer Rabbi, bis -Du eine Erfrischung eingenommen und ich Deine Ankunft ihr gemeldet . . ." „So melde mich, Trank und Speise nehmeich nicht an.". v1 ■ :; Der Diener entfernte sich, Schammailieß, sich auf einen Divan nieder. . -! Kaum daß er da einige Augenblicke geruht - — -I da öffnete sich abermals die Pforte, und herein trat.... Es ist bald gesagt, wie der Mond aus dunkelem Gewölke tritt und plötzlich die mitternächtliche Landschaft: mit seinem Silberlicht übergießt, oder wie aus blau-schwarzem Gewölk, kaum mit einem Goldrand umsäumt, .-plötzlich die Feuerkugel der Sonne sich , schwingt, und mitEinem Blitze die Nebel des Thales zerreißt, und über Berg, und Wald und Niederung bis in die tiefe Schlucht hinein den goldnen Schimmer wirft — ach! das Menschenantlitz ist mehr als Mond und Sonne, wie ein grambeschattetes Menschengesicht mehr als Dämmerung und Nacht ist... Siehe — in das wenig erleuchtete Gemach, wo der kummerbelastete Rabbi auf: dem Divan ruhete... was hatte er nicht Alles verloren, nachdem er gekämpft, wie ein Riese gekämpft, es zu erhalten; jetzt konnte er sich zu den Todten zählen, wie er schon halb im Schooße der Erde begraben war, bald.in den Höhlen der Felsen von Juda, bald in den unterirdischen Gangen des. Tempels — und. konnten nicht da. auch Späher Äs Herodes fein?

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