Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1854)
- Date
- 1854-01-30
- Page
- Seite 61 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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61 ... Sir* Aürn ns£:i - zuletzt wieder eine. -MtheilMg\ de^^Leibwache zu Roß und Fuß. : ffbic Sonne.- neigte stch^hereitS dem Abend zu; ein kühler Windzug. hatte sich erhoben, und wirbelte zwar hier und da den Staub auf,- hatte aber die Hitze gemildertso daß es sich unter dem blauen Himmel über das schönefruchtbare Land, das bald zu Hügeln sich hob, bald zu Niederungen sich' senkte, herrlich ziehen ließ. Jetztging eS durch einen Wald, in welchem das Wild scheu, aber weugierig auS dem Dickicht blickte und dann schnell davon raschelte) bald durch die saatreiche Flur und Obstgärten, wo der Duft der Blüthen die Luft würzte. Der Zug bewegte-sich etwas langsam, der Fußsoldaten. wegen. Da erschienen von der Stadt her zwei Reiter. ES waren feine, ruhige Thiere, die sie ritten. Und der eine der Reiter war von sehr jugendlichem Alter, sieben Jahre mochte er erst zählen. Sein Begleiter war wohl her Erzieher des Knaben, denn er hielt seine Rechte nach dem Zügel des andern Reiters , als ob er jeden Augenblick-zugreifen mochte) er milderte die Schnelligkeit der Pferde nach dem Terrain, und seine Augen ruhten immerfort auf dem ihm anvertrauten Kinde. Ha! solch ein Knabe auch! Nicht seine Geburt war sein Adel — er, Mariamne's, der Hasmonäcrin, und des Herodes Sohn -H aber diese reizende Gestalt, dieses liebliche, und doch schon majestätische Angesicht, in welchem Schönheit und Würde in den Umrissen der kindlichsten Unschuld sich vermählten, und Geist und Herz ihre Weihe ergossen, der weiße. Teint, die Rothe der Wangen, die blauen Augen und'.die dunkeln Brauen, welche die lieblichen Formen mit allem Reize schmückten , und darum das wallende schwarze- Lockenhaar! ... - Als der Knabe den Zug seines Vaters von fern erblickte, da hielt ihn vergebens der Mentor zurück — „mein Vater! mein Vater! " jubelte er auf, er stieß den kleinen, unbewaffneten Fuß an die Flanken, seines . Pferdes, und fort siog. es in ficherm, gleichmäßigem Galopp , sein besorgter Erzieher hinterdrein-... Schnell öffnete die Leibwache ihre Reihen, und ein feuriges „Es lebe Alerander, Herodes' Sohn! " tönte auS den rauhen..Kehlen der Männer, denn die Erscheinung des Knaben auf dem feurigen, aber wohlgeschulten Rosse überraschte Alle in freudiger Weise. Längst war auch der König aus seinem Sinnen erwacht, und einige Schritte vorreitend, empfing er den Knaben mit Freudenblicken und.Kuß. „Willkommen, Vater!" rief ihm der Knabe schonvon - ferne wiederholt zu, und „Willkommen, Alerander!" tönte eS nicht minder innig. „Wer hat Dich hierher gesandt, mein Knabe?" frug der König leise seinen Sohn, als dieser neben , ihm ritt. „Niemand/' antwortete dieser offen, „mein Lehrer erzählte mir, daß Du heute nach vierzehntägiger Abwesenheit zurückkämest, und da hielt mich nichts mehr zurück; man mußte, übel oder gern, mir mein Pferd geben...." „Und bringst Du Deinem Vater keine Grüße?" „Von wem, Vater?" „Von Deiner Mutter?"... „Ich habe sie nicht gesehen, lieber Vater, sie hält sich in ihren Zimmern, und ist so traurig..." Herodes seufzte. Nach einer Pause fragte er wieder leise: „Kommst Du gar nicht zu ihr?" ,,Gestern Mittag aß ich bei ihr, seitdem sah ich sie nicht; mein Bruder Aristobul, der kleine Mensch, hat es besser, Vater, der ist immer bei der Mutter!..." „Wer war denn, sonst bei ihr?" Der Knabe sann. „Sahst Du Niemanden bei ihr? Besinne Dich!" Herodes harrte gespannt der »Antwort. „O ja doch, Vater! da war... Mirjam, die Zofe, und auch der Jochanan, der Greis..." „Und was erzählten diese sich denn?" „Das weiß ich nicht, Vater, ich glaube, gar nichts... es war so. still und traurig unter ihnen, daß ich mich doch freute, als ich wieder 'raus kam... Doch halt, Vater, ja, jetzt entsinne ich mich, Jochanan sprach zur Mutter, der alte, alte Mann, den Urgroßvater nennen wir ihn, der den Kopfbund so tief über die Ohren trägt, daß daS eckige Gesicht so sonderbar heraussieht, Hyrkan werde kommen, sie zu besuchen..." „So!" rief Herodes betroffen aus, und versank sofort in tiefes Sinnen. Der Knabe aber wandte sich zurück, und aus dem Haufen kam ihm ein schlanker, stattlicher Jüngling entgegen, der viele Aehnlichkeit mit dem Könige hatte, nur daß die gedrängten Züge, der lauernde Blick, däs rothe Haar, einen ganz andern Charakter üusprägten. Es war der Sohn der früher» Gemahlin des Königs, der Doris aus ^Jerusalem, von der er sich schied, als er Mariamne heirathen wollte, und die er nach Herodium Machärus jenseits des todten Meeres verbannte. Er reichte seinem kleinen Bruder die Hand, und ritt neben ihm, hinter dem Vater. „Wo kommt Ihr denn her, Bruder?" fragte Alerander. „Wir kommen von Sebastus, Kleiner." „Von Sebastus? was ist das, Antipater?" Mein Lehrer hat mir nichts davon gesagt." „Du kennst Sebastus nicht? Ehemals hieß es Schomron (Samarien), aber der Vater hat es Sebastus zu Ehren des großen. Kaisers zu Rom genannt, und so wird . es heißen in alle Ewigkeit."