Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 25 (16.6.1851)
- Date
- 1851-06-16
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
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Dem Frevel gold'ne Brücken Sind dort in Meng' erbaut. Der Unzucht wüst' Entzücken Man im Theater schaut. Nicht Pracht, noch Eitelkeiten Sind wahrer Völkerruhm, Wenn fehlt dem Geist der Zeiten Der Tora Heiliglhum. So zürnt im edlen Grimme Des Jochais frommer Sohn. Dem Proselyten schlimme Gefiel des Juden Hohn. Der sagt es den Verwandten, Wie ihn der Jude höhnt. Und kn Judäas Landen Der Heide sei verpönt. So hörte selbst der König Des Proselyten Mahr, Doch ihn verdrießt's nicht wenig, Der Tadel trifft ihn schwer Des „Juda'S" Worte siegen, Ihm schenkt er Gut und Land; Der Joseph, der geschwiegen. Wird aus dem Reich verbannt. Nach Simon laßt er fahnden, — Er büße durch den Tod — Die Schmähung will er ahnden Durch Pein und schwere Noth; Die Lippen, die geschmähet, Sie werden todes bleich, Der Geist, der sich geblähet. Er fahr' ins Tobtenreichk Doch Simon hört es, schneller Macht er sich auf davon. Und birgt sich in dem Keller Mit seinem frommen Sohn. 2. Hier heimlich, ärmlich Speise Sein ängstlich Weib ihm reicht; Er fürchtet Frauenweise, Man ängstigt sie vielleicht; Daß man das Weib nicht quäle, Verläßt er sichres Haus Und birgt sich in der Höhle Bei Nacht in finstrem Graus. Den Frommen ist nicht bange, Die Angst quält nicht das Ohr, Denn eine ries'ge Schlange Hält Wache vor dem Thor. Dadrinn mit Blitzesschnelle Ein Brodbaum schießet auf, Die silberklare Quelle Quillt fort in reichem Lauf. Tief innen in der Erde, Wie ein lebendig Grab, Sie fühlen nicht Beschwerde Am frommen Glaubensstab. Bei erstem Frühroth Leuchten Ihr hcil'ger Glaube fleht. Wenn Sonnenstrahlen bleichten Ertönt ihr Sch'ma-Gebet. Ist das Gebet zu Ende Legen sie ab 's Gewand Und bergen dann behende Die Glieder in den Sand. Im Forschen und Studiren Entrollt sich schnell die Zeit, Sie kann ja Nichts verführen, Nicht Weltlust, Herzeleid. Der Tora tiefe Schachten Befahren sie mit Glück, Was sie zu Tage brachten Erhellt den trübe» Blick. Einst saßen beide Frommen Wie sonst im Sande tief, Sie hören Schritte kommen Und eine Stimme rief: Verstrichen sind zwölf Jahre, Seit in der Höhl' Ihr seid, Des Königs Todenbahre Hat Euch vom Schmerz befreit. Der „Tischbi" bin ich, kommet, Die Freunde harren schon; Euch hat das Leid gcfrommet, Ihr erntet Himmelslohn. Sie schreiten Arm im Arme, Die Thür der Höhle fällt, „Ach, daß sich Gott erbarme, Im Argen liegt die Welt!