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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-03-03 · Heft 10 (3.3.1851) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 10 (3.3.1851)
Date
1851-03-03
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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116 Literarische Nachrichten. Leipzig, im Februar. Die 13le Lieferung des Bandes IH. des Philippson'scherr Bibelwerks, enthaltend den Schluß der Einleitung zu den Sprüchen und die ersten 11 Kapitel vom Jjob, ist ausgegeben worden. Neuenkirchen, 21. Februar. „Die heilige Schrift in ihrer Ursprache, von Heinrich Goslar, str. 0b8. Definitor der Provinz Sachsen zum heiligen Kreuz. Lippstadt, Druck und Verlag von H. Lange's Buchhandlung, 1850." . Von diesem Werke, das die ganze h. Sch. in ihrer Ursprache, nebst Einleitung und Kommentar, liefern soll, ist bis jetzt nur das erste Heft erschienen. Es enthalt: „Einleitung in die heiligen Schriften des Alten und Neuen Testamentes, mit besonderer Rücksicht auf die Herstellung der Bekenntnißeinheit in Deutschland. Die Ursprache und die uralten Ueberlieferungen. Die Hypostase und der Geist der reinen Kabbala (Urtradition) oder die Philosophie der heiligen Schriften." Der Verf., ein streng katholischer Theologe, will in diesem Werke für die Annahme und Voraussetzung, daß die hebräische Sprache göttlichen Ursprungs sei, die inneren Beweise aus der h. Sch. selbst liefern. Zugleich wähnt ec darthun zu wollen, daß das Prinzip der heiligen Bücher, der Sprache und Religionsphilosophie (Kabbala der Hebräer) Christus und die Kirche seien und darin als ein verklärter, generativer, genitaler und generabler Organismus gezeichnet waren (S. 1). Aus den Hauptwerken der Kabbala, der Jezirr und dem Sohar nämlich, sucht der Verf. den Schlüffel zu diesem Probleme zu finden. Aber auf welche Weise? Indem er mit der Kabbala ebenso verfährt, wie diese mit der h. Schrift. Durch Hineindeuten und Hineintragen eigener Meinungen und Glaubensansi'chten. Christus und die Kirche sollen auch der Kabbala, welche, nach seiner Behauptung, besonders was das Buch Zezira anbelangt, so alt oder noch älter als die h. Schrift sein soll, zu Grunde liegen. Ja, in den Formen der hebräischen Buchstaben selbst soll das Gepräge derselben gezeichnet sein. Natürlich geschieht dieses durch allerlei Art willkürlicher Kombinationen und Schlüsse. Besonders werden die zehn Sephirot des Sohar zu diesem Behufe ausgebeutet; ebenso das Buch Jezira, das in gegenwärtigem Hefte vollständig, hebräisch und deutsch, mitgetheilt wird. Was den Verf. hierbei irre führte, ist die falsche Annahme, daß das Buch Jezira von Adam oder Abraham herstamme, während dasselbe, nach den bewährtesten Forschungen neuerer Zeit, in die zweite Hälfte der geonäischen Epoche, die circa 780 anfangt, zu versetzen ist *). Der Beweis des Verf. (S. 63) — um dadurch die Ansicht Einiger, daß Moses es redigirt habe, zu bestätigen — daß schon der Talmud (ohne nähere Stellenangabe) dieses Buch als Halacha, welche Bezeichnung von der Ueberlieferung Mosi's auf Sinai gebraucht wird, zitirt, ist ebenfalls unrichtig. Unter msbft 2) versteht man nicht etwa „Vorschriften oder Lebensregeln der Schöpfung", in welcher Bedeutung man sonst im talmudischen Sinne aufzufaffen hat, sondern „Gesetze der Schöpfung oder der Natur", von welchen R. Chanina und R.Aschia an jedem Rüsttage vor dem Sabbat sich unterhielten und vermittelst welcher sie Wunderdinge zu verrichten Vorgaben 3). Dieser Halacha's geschieht aber nur fast in märchenhafter Art Erwähnung, so daß man nicht auf die wirkliche Existenz eines solchen Buches schließen darf 4). Schon der Schluß: 12^28 NSLw yrm „Und als Abraham, unser Vater, schauere u. s. w." widerlegt zur Genüge die Annahme, welcher auch R. Gedalja den Jeschija 5) folgt, daß dieses Buch Abraham zum Verfasser habe, indem dieser unmöglich sich so nennen würde. „Der Verfasser des „Buches der Schöpfung" istda- „her noch nicht entdeckt. Wir werden den Schleier nicht „zerrreißen, der seinen Namen verbirgt; bei den geringen „Elementen, die uns zu Gebote stehen, müssen wir sogar „an der Möglichkeit zweifeln." c) Was den Sohar betrifft, den der Verf. (S. 44) als eine Sammlung uralter hebräischer Ueberlieferungen betrachtet, so ist derselbe von der ältern 7) Kritik sowol, als auch der neuern 8) als Produkt aus dem letzten Viertel des 13ten Jahrhunderts angesehen worden. *) Zunz, die gottesdienstlichen Borträge der Juden, S. 165. 2) Sanhedrin fol. 67, b. 3) Vergl. Talmud Sanh. Kap. 7 zu Ende; ferner die Parallelstelle (zu Sanh, 67, b) Sanh. 65, b, wobei, nach Zunz, G. V. 164, N. h. irv^ zu lesen ist. 4) Zunz, ibid. 164 und 165. 5) Schalschelet Ha-Kabbala fol. 20 b. 6) Frank, die Kabbala oder die Religionsphilosophie der Hebräer, überseht von Jelinek, S. 65. 7) Abraham ben Salomo Sakut, Juchasi'n, S. 42 und 45. 8) Zunz, G. V., S. 405.

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