Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1850)
- Date
- 1850-09-02
- Page
- Seite 506 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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506 Mann, der unter solcher saurer Arbeit grau geworden ist und dabei mit Noch und Mangel zu kämpfen hatte, derjenige Ln der Gemeinde, der er sein soll? Oder ist er nicht vielmehr geringer geachtet als der elendeste Schacherer, der Geld besitzt? Ist er der Gemeinde nicht eine Last, oder gar, man erröthet, es sagen zu müssen! eine Zielscheibe des Spottes, weil er ein sogenannter „Pedant^ ist? Weil er nicht einzustimmen vermag in das gott- und ehrvergessene Treiben einer überbildeten Jugend, die wähnt gebildet zu sein, wenn sie das Heiligste verspottet, weil er nicht weiß in die glatten Heucheleien der Komplimente mit einzustimmen, vielmehr ein ernster, seiner Pflicht treu ergebener Mann ist! Doch — hiervon spater ein Weiteres. Unerwähnt dürfen wir jedoch, der Wahrheit zu Ehren, den Umstand nicht lassen, daß es jüdische Kinder sind, die dem jüdischen Lehrer ergeben sind. Es läßt sich nicht leugnen: es hat etwas Eigenthümliches um ein jüdisches Kind, wodurch es den Bemühungen des Lehrers entgegenkömmt. Wer Gelegenheit hatte, in Schulen beider Konfessionen zu wirken, wird das deutlich gesehen haben. Lebendigkeit und Gewecktheit des Geistes, Scharfe des Verstandes, unverwüstliche Elastizität, vorherrschende Wißbegierde, verbunden mit dem Streben, in jedem Gegenstände klar zu sehen, große Wärme und Innigkeit des Gefühls, sobald es geweckt wird — das sind die Hauptzüge des jüdisch-kindlichen Charakters, der sich, Dank den eigenthümlichen politischen und religiösen Verhältnissen, immer noch erhalt und hoffentlich nicht so leicht verwischt werden kann. Christliche Inspektoren stimmen fast alle in dieses Urtheil ein; die dunkelen Augen, die sich voll Leben hin und her bewegen, leuchten ihm beim ersten Eintritte von den Schulbänken entgegen und zeugen, wie sehr das Kind seinem Gegenstände anhangt; die lebhaften Bewegungen des Körpers, mit denen es bei einem das Denken erfordernden Gegenstände sich kaum auf seinem Platze zu halten vermag, die Unruhe, wenn es irgend eine Dunkelheit nicht zu durchbrechen vermag und die Mittel und Wege, die es oft instinktmäßig hierzu einschlägt, die vorherrschende Neigung zu schweren Aufgaben, endlich die innige Liebe, mit der das Kind seinem Lehrer zugethan und in welcher es, ich kenne selbst viele Beispiele, oft gegen die Eltern für ihn in die Schranken tritt, sind Beweise genug für unser Urtheil. Wie sehr solche vorzügliche Eigenschaften des Bodens das Werk seiner Bildung erleichtern wird einleuchten. Aber ebenso wenig dürfen wir wieder vergessen, wie sehr Alle die Eigenschaften schaden, wenn sie sich einem schlechten Gegenstände zuwenden, und welche Riesenarbeit es ist, sie davon abzulenken! Hier sei uns eine Warnung an die Lehrer erlaubt, daß sie nämlich hierin nicht vorsichtig und aufmerksam genug sein können, da es ebenso leicht möglich ist, ein solch lebhaftes und feuriges Temperament auf eine tiefe Stufe des Lasters als auf eine Höhe der Tugend und der Sittlichkeit zu führen. Wir hoffen, der Weg aus allen jüdischen Schulen führe hinan zur Höhe der Gottähnlichkeit. (Fortsetzung folgt.) Literarische Nachrichten. Magdeburg, im August. In der letzten Zeit haben sich die Schulbücher, von jüdischen Schulmännern verfaßt, so ziemlich wieder gehäuft, und führen wir hier die uns zugekommenen auf. — Deutsches Lesebuch für mittlere Schulklassen von A. Horwitz, Vorsteher einer höhern Knabenschule in Berlin. Berlin, 1850. Das Buch ist nicht für jüdische Schulen, sondern für alle geschrieben, es ist darum aber, weil von einem Juden für alle, rein konfessionslos gefaßt, obschon, wie der Vers, bemerkt, es in ihm nicht an tiefsten religiösen und (deutsch-) nationalen Anklängen fehlt. Diesem bestimmten Zwecke bringt nun dieses Lesebuch eine Fülle gut gewählter Stücke und Stellen aus der Feder der besten und anerkanntesten deutschen Autoren. Wir können daher nur wünschen, daß es in recht viele öffentliche Schulen Eingang finde. — Biblische Geschichte nach Ehr. von Schmied. Zum Gebrauche für israelitische Kinder umgearbeitet durch K.L. Mailert. Kassel, 1850. Wir kennen das Buch des Herrn von Schmied nicht, und wissen daher nicht, welche Veränderungen der Verfasser mit jenem vorgenommen. Jndeß das können wir ersehen, daß der Ton, in welchem diese biblische Geschichte geschrieben ist, ein recht warmer, herzlicher, gläubiger und mit geringen Ausnahmen kindlicher (z. B. nicht die einleitende Anrede, wo von „Glaubenslehre", „Sittenlehre" die Rede) ist. Die allgemeinen Lehren treten hier zu jeder Geschichte nicht abgesondert, sondern so innig verschmolzen und durchaus nicht so breit getreten auf, daß sie der Geschichte immer eine warme Färbung geben. Das Buch befaßt sammtliche Bücher der h. Schrift und die Apokryphen. ((Fortsetzung folgt.)