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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-09-02 · Heft 36 (2.9.1850) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 36 (2.9.1850)
Date
1850-09-02
Page
Seite 504 (sequence 8)
Language
German
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504 ist, wie bk größten Wunderwerke der Natur, in welchem der Geheimnisse so viele ruhen, und welches das unentweihteste Abbild der göttlichen Milde tragt, bedarf wol zum Zwecke dieser unserer Beurtheilung keiner nahem Beschreibung. Es ist schon so viel und so Inhaltliches über diese Materie geschrieben, daß wir füglich schweigen können! Aber die Frage bleibt: Wie hat die jüdische Schule unsrer Provinz diesen Boden überlieferterhalten? Noch in seiner ursprünglichen Erhabenheit und Reinheit, noch im unverdunkelten Glanze des Götterbildes, noch mit ungebrochncr Kraft und Fügigkeit zur Aufnahme der Begriffe und zur Leitung auf die Bahn zur Tugend, oder bereits entstellt und verzerrt, mit gebrochner Kraft und verwachsener Fügigkeit? Leider war das Letztere der Fall! Als die jüdischen Schulen hier in's Leben traten, bekamen sie keine reine empfängliche Jugend zur Bildung, sondern eine verschrobene und im höchsten Grade verkümmerte! Was txje Ursache davon? Bor Allem der traurige Bildungsstand der Eltern selbst. Wer nicht selbst vor 20 Jahren eine hiesige Judengemeinde gesehen, der wird schwerlich einen Begriff von der niedern Stufe und Intelligenz derselben sich machen können! Leben und Streben, Schaffen und Sorgen gehörte so ganz und gar dem Schacher, daß für jeden andern Lebenszweck nicht mehr Raum war. In dem niedrigsten Jargon sprach man mit einander und wehe dem, dem es einsiel, einen Satz in deutscher Sprache an's Tageslicht zu bringen. Die ganze Welt exisiirte für sie nur so weit, als es der Handel mitbrachte, mit ihr in Berührung zu kommen. Und unter solchen traurigen Verhältnissen ward das Kind erzogen und wozu? zum Kaufmanne. Kaum daß man damals schon für die Ertheilung des nöthigen hebräischen Unterrichts Sorge getragen. Recht frühzeitig wurde das Kind mit dem Geschaftsleben vertraut gemacht, damit es der Vater recht bald solle verwenden können. Oder ließ man Unterricht ertheilen, so geschah dies in einem Eher'- der und in welchen Gegenständen? Im Talmud! Was kann also unter diesen beiden Erziehungsweisen aus dem kindlichen Gemüthe werden? Es wurde verschroben, unnatürlich, verlor alle seine Gemüthlichkeit und Lenksamkeit, und dünkte sich recht bald so viel wie jeder Andere Zu sein. Und wie gern wurde dies von den Eltern bestätigt^ * *j *) Es ist unsre Absicht keinesweges die Eltern hier- Noch weniger vortheilhaft aber waren die Kinder derjenigen wenigen Eltern gebildet, in denen ein Streben nach Besserm erwacht, das aber so falsch angewandt wurde, daß sie die Bildung allein in der Nachäffung christlicher Sitten fanden. Wenn die Eltern dadurch schon selbst in einen unnatürlichen Zwang gerathen und nicht selten lächerlich waren, so war dies um so mehr der Fall bei den Kindern. Da werden diese eitlen Sitten der sogenannten fernen Welt, die als Schaum auf der Oberfläche des sozialen Lebens schwimmen, den Kindern in frühester Jugend eingebläuet, das christliche Kind fortwährend zum Muster aufgestellt, jeder Gang und jede Bewegung mußte genau nach diesem Modelle geformt sein, und, was das Schlimmste bei der Sache war und die nachhaltigste, traurigste Wirkung ausübte, alles Jüdische wurde mit einer traurigen Konsequenz aus dem kindlichen Gemüthe und seiner Umgebung gebannt, und nicht selten wurde eine Unart strafend bezeichnet durch ein: Das ist jüdisch!*) Wurde das Kind nun schon durch solche Erziehung eines Theils in eine unnatürliche Zwangsmaschine gepreßt, aus welcher ein verkrüppelter und verschrobener Geist hervorging, so war die Verachtung alles Jüdischen gewiß noch tausendmal schlimmer. Denn diese Schule ist es größtentheils, aus welcher der böse Geist des Jndifferentismus erwachsen, und jenen Kindern der altjüdischen Eltern ward immer noch ein Vorzug darin, daß sie Anhänglichkeit und Liebe und nicht selten große Opferfreudigkeit für die Sache der Juden besaßen. Mehr aber noch als Tiefe häusliche Erziehung hat die verderbende und verpestende Luft der Cheidarim, schrecklichen Andenkens! gethan. Wer nicht selbst diese Atmosphäre eingeathmet, wer die schrecklichen Auswüchse nicht gesehen, die sie erzeugt, wer ihre leider nur zu sehr nachhaltige Wirkung bis zum reifem Alter nicht erfahren, wird schwerlich den Haß gegen diese Anstalt begreifen, der sich bereits des größten Theils der hiesigen Juden mit anzuklagen. Es ist zu oft schon bewiesen, daß es nicht anders möglich war. Korresp. *) Nun diese Eltern trifft wenigstens der Vorwurf eines jüdischen Handelns nicht: ein wahrer Jude handelt freilich anders und — auch besser. Doch soll auch diese Eltern kein zu bitterer Vorwurf treffen, da dieser Zustand eine Durchgangsperiode war, in welche ein ungetenktes Streben nach Besserem ausartete. Gottlob! Es verschwindet jetzt gänzlich, besonders durch den belebenden Hauch der Gegenwart! Korresp.

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