Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 11 (1847)
- Issue
- Heft 16 (12.4.1847)
- Date
- 1847-04-12
- Page
- Seite 248 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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248 Israelitisch-französisches Institut zu Dackenheim bei Frankfurt am Main unter der Direktion des Herrn Mayer, dem älteren, Professor der Universität;u Paris, in Verbindung mit einem Lehrer der hebräischen Sprache, so wie mit noch drei anderen deutschen Lehrern. Man beklagt sich seit längerer Zeit nicht ohne Ursache, daß in der wahren Bedeutung des Wortes kein Erziehungshaus für Israeliten bestehe, oder daß diejenigen, welche bestehen, theils zu unvollkommen, theils zu kostspielig sind. Um daher einem in vielen Familien gehegten Wunsche entgegen zu kommen, haben wir ein Institut für junge israelitische Knaben vom 6. bis 15. Jahre eröffnet. Wir haben die in Frankreich allgemein befolgte wechselseitige Schuleinrichtung nach den Prinzipien Jacotot's eingeführt und gedenken durch sie die Schwierigkeiten des Lernens zu ebnen, die Thranen der Kinder zu vermeiden und rasche Fortschritte zu erhalten. Alle unsere Sorgen und unser eifrigstes Streben zielt dahin, den Eltern gute und gehorsame Kinder, der menschlichen Gesellschaft und dem Staate für die Zukunft tüchtige und würdige Mitglieder zu erziehen. Dieses Ziel hoffen wir zu erreichen: 1) Durch eine wohlverstandene religiöse Erziehung, durch einen anschaulich gründlichen Unterricht in der französischen, deutschen und hebräischen Sprache, der Arithmetik, und Geometrie, der Naturgeschichte und Physik, der Geschichte und Geographie, der Kalligraphie und Stenographie, dem Gesänge, dem Zeichnen, der Duchsührung und dem kaufmännischen Rechnen. 2) Durch Entwickelung der physischen Kräfte vermittelst gymnastischer Uebungen, welche täglich in dem Garten und auf den Exkursionen in die Umgegend stattstnden werden. — Nur in einem gesunden Körper kann eine gesunde Seele wohnen. 3) Durch eine sorgfältige Beobachtung des Charakters der uns anvertrauten Zöglinge, um ihre kleinen Fehler bei ihrer Erscheinung zu unterdrücken, wobei jedoch körperliche Strafen unseren Maximen zuwider sind und nicht geduldet werden, auch werden wir eben so sehr große Lobeserhebungen, welche die Eitelkeit reizen, wie zu ernsten Tadel, welcher entmuthigt, vermeiden. Um in den Charakter des Einzelnen klar einzudringen, führen wir ein Tagebuch, in welches täglich Alles eingeschrieben wird, was auf den Charakter und die Neigungen des Zöglings Bezug hat. Die Eltern werden jeden Monat ein aus diesem Tagebuch gezogenes Zeugniß über die Aufführung und Fortschritte der Ihrigen erhalten. Besonders werden deutsche Zöglinge in unserm Institute Gelegenheit finden, sich schnell in der französischen Sprache, deren Kenntniß in fast allen Klaffen der Gesellschaft unerläßlich geworden ist, zu vervollkommnen, ohne daß darüber die anderen Zweige des Unterrichts vernachlässigt werden, eben so wird die Anstalt französischen und englischen Zöglingen den Vortheil bieten, schnell das Deutsche zu erlernen. Wir hoffen, daß mit dieser Einrichtung und durch den Eifer und die Liebe zu unserm ernsten Berufe unsre Anstalt den Familienvätern in jeder Beziehung alle Vortheile eines guten Instituts darbieten wird, denn wir sagen es mit Zuversicht, wir wollen, daß unsere Schule eine Musterschule sei. Die reizende Lage Bockenheims, eine viertel Stunde von Frankfurt am Main entfernt, ist bekannt und bedarf keiner besondern Empfehlung. Dies Städtchen vereinigt die Reize des Landlebens mit den Vortheiten einer großen Stadt. Jedes Jahr findet eine öffentliche Prüfung und eine feierliche Preisvertheilung statt. Der Preis der Pension beträgt 34Ä Gulden für's Jahr, vierteljährig und voraus zahlbar. Bücher, Papier, Dinte und Federn gehören zur Rechnung der Anstalt und die Eltern zahlen dafür Nichts. Ein Musiklehrer und ein Lehrer der englischen Sprache sind für das Institut engagirt, ihre Stunden müssen jedoch besonders bezahlt werden. Briefe und Packete erbittet man sich franko mit der Adresse: An Herrn Dtayer den älteren, Professor der französischen Sprache in Bocken heim bei Frankfurt am Main. Druck von I. B. Hirfchfeld. (Mit einer literarischen Beilage von Eduard Kummer in Leipzig.)