Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 10 (1846)
- Issue
- Heft 43 (19.10.1846)
- Date
- 1846-10-19
- Page
- Seite 626 (sequence 2)
- Language
- German
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626 Stadt, in Ziegel, geformt vor dem gramdurchfurchetm Antlitz. Plötzlich erhebet er sich, und schüttelt die Ketten vom Arme, Springt gen die Mauer von Lehm und schlägt mit den Fausten dawider, Daß in Stücke zerfällt die ärmliche Wand, und den Ausgang Weit dem Ringenden öffnet; und was ihn umgiebet, ergreift er. An Geräthen, und schleudert es durch die Oeffnung, und stürzet Selbsten hindurch zur Flucht — nur spät erst kehrt er zurücke.... Sieh, iw Kämmerlein liegt hmschwiudeud das Weib seiner Liebe, Vom geflügelten Pfeil getroffen der Pest, und verscheidet.... Aber nicht trauert der Mann, nicht streuet er Asch' auf das Haupt sich, Nicht zerreißt er das Kleid, und sitzt nicht im Staube der Erde. Setzt an das Feuer den Topf, den eh'rnen, voll schwärzlichen Rostes, Glühet und glühet ihn da: doch nicht verglühet der Rost ihm, Daß hellleuchtend das Erz aus dem Feuer erscheine gereinigt : Sondern es wahret den Schmutz, der ihm auhaftet von Alters. Solches erschauend, der Räthsel Entwirrung mit Staunen erwartend. Saßen voll Ernstes im Kreis die sinnenden Aeltesten Juda's. Sieh, izt steht er im Kreis; aufflieget die winkende Rechte; Wie die gebeugte Gestalt sich majestätisch erhebet, Wie von Feuer erstrahlt das gramdurchfurchete Antlitz, Und die zuckende Lippe zu mächtiger Rede sich öffnet: „Also spricht der Herr, der Ew'ge: Dich wacht' ich zum Vorbild, Menschensohn, und zuw Zeichen den treulosen Söhnen von Juda, Die aubeten die Götzen, doch mich zu erfragen gekommen. Wie Du gefesselt am Boden gezählete Tage gelegen: Also Jeruschalaim umstrickt von feindlichem Bollwerk; Wie Du gemessenes Brod und gemessenes Wasser genossen: Also würget in Zion der Hunger die Schwachen und Starken; Wie Du die Mauer durchbrochen mit Fäusten zu schnellem Entfliehen: Also wird Juda's König mit seinen Großen entweichen Heimlich im Dunkel -er Nacht, doch von den Feinden ereilet; Wie das geliebete Weib Dir verstarb, ohn' daß Du's betrauertest: Also wird Juda, bedrängt, nicht betrauern das stürzende Zion, Sondern ein Jeglicher nur die eigene Rettung sich suchen — Denn wie der glühende Topf den Rost im Feu'r nicht verloren, Ob gedoppelte Gluth die eherne Wandung umschlungen: Also weichet von Juda durch alle Engniß, Bedrängnis; Nimmer die Schuld und nimmer die Sünde und nimmer der Abfall!- Menschensohn! ergreife das Messer und scheere den Bart Dir — Denn Dich macht' ich zum Vorbild den treulosen Söhnen von Juda — Und das geschorene Haar vertheile dreifach in Haufen: Einen verbrenne in Feuer, und Einen zerhau mit dem Schwerte, Einen zerstreu in die Winde, die durch die Länder ihn führen -- Menschensohn, ergreife das Holz des verdorreten WeinflockS! Sprich, was thust Du damit'? Nicht taugt es zur Schwelle des Hauses, Nicht zu stackem Gefäß und nicht zu dauerndem Nagel: In das Feuer mit ihm, denn nutzlos ist es, unbrauchbar — Also Zion in's Feu'r, das zum Holz ward verdorreten Weinstocks!- Sieh, einst ging ich vorüber: da lag sie im Blute, ein Kindlein, Ungewarret auf's Feld und ungereinigt geworfen, Nicht vom Schooßr der Mutter, vom Arme des Vaters umfangen; Ging vorüber und sprach: in Deinem Blute Du, lebe! Nährete sie und erzog die verlassne, und schmückte mit Purpur, Mit Geschmeide von Gold sie und Edelgestein und mit Seide, Und vermählte sie mir zuw Ehegesponste, die Jungfrau, Daß sie herrlich an Ruhm und glänzend geworden an Schöne. Aber in treuloser Brust verbarg sie abscheuliche Bosheit, Uebte, die Falsche, Lerrath, und buhlte mit Nahen und Fernen,