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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1846-04-13 · Heft 16 (13.4.1846) · p. Seite 230

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
10 (1846)
Issue
Heft 16 (13.4.1846)
Date
1846-04-13
Page
Seite 230 (sequence 2)
Language
German
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230 Das Hirn, es wirbelt ungeschickt, Und dünket sich ein Ungeheuer; Der arme Mensch schwingt sich zu Höhen, Wo er sich hoch erhaben fühlt, Und stürzet dann beim lindesten Wehen Zum Abgrund, den ich ihm gewühlt. Dritter Geist. Und was den Beiden nicht gelungen, Hab' ich nicht minder oft bezwungen! Tief nistet Ln dem Menschengeist Die Herrschsucht; Anderen zu gebieten, Die Lust, die auch den Besten reißt So leicht zum Herrschen und zum Wüthen, Sobald er sich bevorzugt weiß, Sie siedet in ihm Hell und heiß, Bis sich die Welt mit Feinden füllt Ihm, und dem Guten auch, das er gewillt! Vierter Geist. Wohlan! so geht nur zu den Wichten, Die das Panier der Wahrheit richten Voll Gaukelei'n den Menschen auf: Ich nehme einen andern Lauf! Voll Kraft und Sturmes dring' ich ein, Mit Schwerterklang und Folterpein, Mit Dolch und Spieß, und Wuth und Haß: So komm' ich zu den Menschen baß. Wo Einer nur die Stimm' erhebt, Dem wird alsbaldigst widerstrebt; Wo Einer kräftig reden will, Den mach' ich durch mein Lärmen still; Wo Einer Zeugniß spricht und giebt, Dem Hab' ich schnell den Hauch getrübt, Daß Tausende dawiderstehen, Und weil Er's steht, sie es nicht sehen. Ha! höret ihr das ferne Rasen? Ha! Sturmgetös und Hörnerblasen! Schlachtruf und Schilderklirren — Die Streitsucht facht die wilden Wirren! Ja, ich bin's, die die Krone hält, Denn mir gehört die Menschenwelt! Fünfter Geist. So arg mag ich es nun nicht treiben, Ich lass' das Wüthen weislich bleiben; Kann ich das Hauptthor nicht erzwingen, Mag durch die Hinterpfort' ich dringen. Ich bin der blasse, gelbe Neid, Und liebe mir den milden Streit, Der sich mit grünem Gifte naht, Und Dornen säet auf den Pfad. Ta kann's der Mensch nun gar nicht leiden. Wenn Einer kühn den Kopf erhebt, Es ist das einmal unbescheiden, Drum wird ihm leise widerstrebt. Doch steh' ich weinend an dem Sarg, Wo man den Großen, Weisen barg! Sechster Geist. Drum bin ich, Nachbar, auch Dein Nächster. Ich komme, wo der Neid gekommen, Ich wachs' nicht minder, wächst er, Wir Beide sind uns stets willkommen. Da schleich' ich in die offne Brust, Und dämpfe jede Kampfeslust; Da schneid' ich still die Sehnen ab, Und winde aus der Faust den Stab; Da sinkt das Haupt, so schwer so müde, Da drück' ich auf die Augenliede; Da saug' ich Kraft und Muth heraus, Bis sie verschwinden vor dem Graus: Wie dunkles Nachtgcfieder Lös' ich des Lebens Glieder, Die Schwäche, ich, die Schwert und Schild Dem Mann entringt, mit Rost erfüllt! Siebenter Geist. Ihr habet nun genug gesprochen Von Euren Künsten, Eurer Kraft, Die doch im Ganzen Wenig schafft: Ich bin es, der das Herz gebrochen. Wie Schatten stets das Licht begleitet, So folg' ich, wo die Wahrheit schreitet; Ich trete trotzig und verwegen, Der Irrthum, ihr allüberall entgegen. Wo rechts das eine Auge schaut, Hab' links das andre ich gewendet; Wo gestern ihr der Geist vertraut, Hab' ich ihn heute schon geblendet; Wer ihre Speise heut' genossen, Ist ihrer morgen schon verdrossen;

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