Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 28 (3.7.1848)
- Date
- 1848-07-03
- Page
- Seite 408 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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408 jämmerlichen Jargon ein entsetzliches Pereat und eweckte die Lust zum Lesen anderer deutschen Bücher, zum Studium anderer. deutschen Wissenschaften, sie hatte auch zur nächsten Folge, daß die Masse der Juden richtige Begriffe vom Bibelinhalte statt der fabelhaften Allegorien, statt der spezifizirenden Erläuterung, die der Jugend spanische Dörfer waren, statt der juridischen Schikanen und Winkelzüge ohne großen Zeit- und Kraftaufwand erhielt. Dies ging aber nicht ohne Kampf, nicht ohne starke Opposition ab. Es ist ein alter Erfahrungssatz: daß alles Gute nur langsam seiner großem Vollendung und Vervollkommnung entgegenreife, und der religiöse Glaube gebietet anzunehmen: daß die göttliche Vorsehung gewiß ihre guten und weisen Absichten dabei habe, wenn erst nach Kämpfen und Stürmen Ruhe und Stille eintritt. Wie in der Natur, so im Menschenleben. Kämpfe und Anstrengungen sind ebenso nothwendig, als in dieser unvollkommenen Welt unvermeidlich. Nichts Menschliches ist davon ausgenommen, und selbst das Höchste und Heiligste des Menschenlebens, die Religion, ist diesem Schicksale nicht entgangen. — Mancher talentvolle Knabe konnte damals nur verstohlen sein deutsches Gelüste befriedigen und im Dachstübchen, in verschlossenen Kammern oder unter dem Raschi Chumesch sein deutsches Buch, das Visa lesen. Man betrachtete das Deutsche als den Mörder aller Gottesfurcht und Tugend und Cchalchetschreiben und Lesen war identisch mit Taufenlassen. Ist auch solche Anhänglichkeit an unsre heilige Religion nur zu loben und eine gleiche Liebe für dieselbe von deren Bekennem für die Jetztzeit zu wünschen, so erhellet doch andererseits, wozu religiöse Unwissenheit nothwendig führen, muß. Diese Opposition ging nicht nur von jüdischen Idioten aus, sondern selbst von. Männern mit anerkannter Geistesftärke und großem Scharfsinne. Die größten Rabbiner schrien Zeter über Mendelssohns Streben, denn ihr Instinkt — und der ist noch heute den Orthodoxen nicht abzusprechen — sagte ihnen, welche Bresche nunmehr in das alte ehrwürdige Gebäude des Rabbinismus geschossen sei, sie zogen mit Feuer und Schwert, durch Wort und Schrift gegen Mendelssohn zu Felde, um der Progression seines edeln Stcebens Dämme entgegenzusetzen.: „Aber gegen die Nothwendigkeit kämpfen selbst die Götter vergebens." Der Widerstand stählte seinen Muth.'. Die Stimmen seines Gewissens und der Beifall intelligenter hochstehender Personen boten ihm Ersatz für die Anfeindung, und die erlittenen Unbilden. Sein Beispiel zog vielem denkende Köpfe an, die sein Werk fortsetzten und weiter führten. Seine Schüler und Nachfolger hatten sich besonders mit warmem Eifer auf das pädagogische Fach geworfen und die bessere Heranbildung der jüdischen Jugend zum Gegenstände der sorgfältigsten Angelegenheit gemacht. Sie fühlten und erkannten, daß, sollte Zion neu erstehen, es von unten erbaut werden wüsse, daß also nur in der Schule und durch die Schule die Pflänzlinge zu gesunden, kräftigen Stämmen für das synagogale, bürgerliche und häusliche Leben herangezogen werden können, daß nur hier der Grund zum. moralisch-geistigen Tempel gelegt werden könne, deren Säulen den Dom über die Wolken hinauftragm, das Sichtbare mit dem Unsichtbaren verbindend, das Sinnliche zum Uebersinnlichen hinaufleitend. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Ein unverheiratheter, jüdischer Lehrer, der mit schönen jüdischen Kenntnissen versehen, seine Ausbildung auf einem königl. Seminar erlangt hat und bereits zwei Jahre im Amte ist, wünscht zum 1. Oktober d. I. sich anderweit zu engagiren. Hierauf reflektirende Gemeinden werden ersucht, sich dieserhalb portofrei an den Lehrer N. Cohn zu Pr. Fciedland in Westpreußen zu melden. Anzeige. Herr B. S. Berendsohn Buchhändler in Hamburg ist, zu mehrerer Bequemlichkeit des betreffenden Publikums, von uns ermächtigt worden: Inserate für unsere Zeitschrift: „Zeitung -es Jndenthums," zur Beförderung^ sowie deren Belauf, für uns anzunehmen. Leipzig, im Zuui 1848. Baumgartners Buchhandlung. Druck von Z. B. Hirfchfeld.