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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-12-08 · Heft 50 (8.12.1845) · p. Seite 734

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 50 (8.12.1845)
Date
1845-12-08
Page
Seite 734 (sequence 2)
Language
German
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734 wiffermaßen feindliche Machte neben sich hat: so lange ist auch das Leben kräftig, energisch in ihr, sie bildet sich innen weiter, sie stärkt sich nach außen. Wenn sie aber ihre Nachbaren und Gegner —nicht etwa durch die Macht ihres Geistes überwunden, sondern durch die politische Gewalt todtgeschlagen hat: dann verfällt die Schwestcrmörderin in Apathie, diel Sehnen erschlaffen, die Knochen faulen, sie besteht zuletzt allein durch das mechanische Gewicht ihres Leichnams. Nun ist es hinlänglich bekannt, daß gerade in der russisch-griechischen Kirche des Lebens, der Geistesbewegung eine sehr geringe Summe vorhanden, so daß sie eine europäischwissenschaftliche Bedeutung noch niemals erlangt hat, ja die europäischen Gelehrten viel mehr vom Islam, Buddhaismus, der Religion des Konfutse wissen, als von der russisch-griechischen Kirche: um wie viel mehr droht ihr die Gefahr gänzlicher Verdumpfung, wenn sie Alleinherrscherin ist innerhalb abgeschlossener Grenzen. Dann steht jeder Athemzug still, und die Kirche wird zu einem Kirchhof geworden sein, den noch dazu der Schnee bedeckt. Aber es kann auch ganz anders kommen. Die russische Negierung kann sich nicht einbilden, daß, wenn sie wirklich die zwei Millionen Juden durch Gewalt zu ihrer Kirche gebracht hätte, jene auch dieser in der That angehören würden. Die Ueberzeugung läßt sich nicht kommandiren; selbst die Knute fällt machtlos an ihr herab. Wer, wie die Juden, durch die Beschäftigung des ganzen Lebens mit dem Talmud und den Rabbinen und durch die ununterbrochene Uebung zahlloser Religionsgebräuche in seinem ganzen Wesen eins geworden mit seiner Religion, und wer erst durch Roth, Jammer, Elend und Gewalt davon losgerissen worden: der — werkt es Euch — der umfaßt sein neues Bekenntnis; nicht mit Liebe — sondern mit Haß! Mit einem Wyrte: die russisch-griechische Kirche gewönne sich in den zwei Millionen Juden, in denen sie jetzt nur zwei Millionen demüthige Nach baren hat — zwei Millionen Feinde, die um so gefährlicher, weil sie im Schooße der Kirche selbst wühlen würden. Wessen Geistesprodukt und Gcistesobjekt der Talmud war, der' beruhigt sich nicht mit den to-dten Formeln einer ihm so feindlichen Kirche. Fürchtet des Juden Grübeln, des Juden talmudgeschärften Scharfsinn in Eurer Kirche! Nichts anders geht daraus hervor als — die Zersetzung, die sich früher oder später mitten durch alle Gewalt Raum schafft, und eine Zerfallenheit hervorbringt, der der gänzliche Verfall auf den Fuß folgt. Mögen immerhin Etliche über uns spotten, daß wir Furcht einflößen wollen vor einem Ilntergehenden —- aber der Biß in der Todesstunde ist der giftigste. Und wenn Ihr saget:' was sollten wir uns vor den Juden fürchten? so frage ich Euch noch einfacher: was können sie Euch denn nützen,, daß Ihr sie gewaltsam zu den Eurigen machen wollet? Wir sind mit der Beleuchtung unsres Gegenstandes, so weit der Raum und Zweck dieser Blätter reichen, zu Ende. Aber Jedermann wird sich noch die Frage vorlegen: wie wäre dem vielleicht doch zu helfen? Daß durch Bitten, Vorstellungen eben so wenig wie durch Klagen, Vorwürfe etwas zu erreichen steht, mögen diese Artikel doknmentiren. Wir würden sie nicht gegeben haben, so auf irgeqd einem Wege Etwas zu bewirken Hoffnung vorhanden. Daß der Plan, die Kolonisation der Juden innerhalb Rußlands durch Geld von außen zu unterstützen, der vor einiger Zeit im Schwange war, höchst verfehlt .in seiner ganzen Idee ist, ersieht man alsbald, wenn man das Ziel Rußlands, die Juden zur russischgriechischen Kirche zu bringen, erkannt hat. Ja, die einzige Abhülfe kann nur sein, da Rußland durchaus nur eine Kirche haben will— daß die Juden aus.Rußland entfernt werden. Also eine Uebersiedelnng der russischen Juden nach Amerika, nach Australien, nach den Inseln der Südsee. Wenn von Rußland irgend eine Konzession zu erlangen ist: so ist es die der Erlaubuiß zur Auswanderung. Dies ist die'einzige, die zu erreichen man sich schmeicheln darf. Dies ist die einzige, in deren Bewilligung ein Faktisches liegen würde. Alle anderen waren nur auf'Schein. Bis jetzt ist Sibirien auf die Entfernung gesetzt — also die Erlaubuiß zur Auswanderung müßte erwirkt werden. Aber man wird die Möglichkeit der Ausführung bezweifeln. Freilich, die Mittel so klar hinzustellen, daß man nur hinzugreifen brauchte, vermögen wir auch nicht. Aber die Wirklichkeit ist meist mächtiger, thatkräftiger und erfinderischer, als alles Entwerfen und Pläne- Ersinnen. Die Auswanderung müßte nach uno nach geschehen, so daß von Viertel'- zu. Vierteljahre eine bestimmte Anzahl fortgeschafft würde. Und wenn sie so dreißig und vierzig Jahre dauern würde. Die Geldmittel? Würde ein solcher Plan, .nur irgend zu. nachdrücklicher Verwirklichung kommen, so würden die europäischen Juden

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