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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-14 · Heft 16 (14.4.1845) · p. Seite 241

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 16 (14.4.1845)
Date
1845-04-14
Page
Seite 241 (sequence 13)
Language
German
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241 eine Gleichgiltigkeit gegen das religiöse Leben, die sie mehr den Materialisten als den Bekennern einer geoffenbarten Religion anreihet. — Durch diese sehr überwiegende Anzahl der aller Vernunft zuwider lebenden Chassidim wird die Judenheit entwürdiget. Es sind nicht die Juden, die uns unsere alten Schriften schildern, es sind auch nicht die, die sich der europäischen Zivilisation angeschlossen haben; es sind Wahnsinnige, die so sehr verrückt sind, daß gar keine Mittel geeignet zu sein scheinen, sie zur Rückkehr zur Vernunft bewegen zu können. Welche bizarre Meinungen werden in die heilige Schrift nicht hineingezwängt, um die chassidischen Dummheiten nicht nur zu rechtfertigen, sondern zu heiligen und allgemein zu machen. Das Traurigste bei der Sache ist, daß sie bei diesem Bestreben allein nicht stehen bleiben, denn wo es thunlich ist, dringen sie ihre ungereimten Meinungen Einern Jeden mit Gewalt auf, Widerstand durchaus nicht duldend, ja sogar als einen unerhörten Frevel mit möglichster Grausamkeit züchtigend. Ihre Ausschweifung ist von der Art, daß sie keine Selbstprüfung zuläßt, indem all' ihr Thun schon im Voraus geheiliget ist. Daher diese frechen Anmaßungen von Unfehlbarkeit, ihrer Unübertrefflichkeit und aller anderen Eigenheiten, deren sie sich rühmen; daher der Verfolgungsgeist, der sie den wüthendesten Thieren gleich macht; daher die vielen Laster, die sie zu den niedrigsten Geschöpfen hinunterziehen. Wenn bei diesen Umständen der Fortschritt zum Bessern bei uns dennoch Raum gewinnt, kann man es wahrlich als die erstaunlichste Wirkung der Zeit betrachten; denn man braucht sich nur die früheren Jahrzehende zurückzurufen, wo ein entfesselter Verfolgungsgeist, der von den Volksführern ausging und in dem Volke die tiefsten Wurzel faßte, spukte, und sie mit der Jetztzeit, wo selbst manche rechtgläubige Familien ihren Kindern occidentalische Bildung zugänglich machen, vergleichen, so wird der gemachte Fortschritt in die Augen fallen. — Diese Bemerkung, die dem erensten Beobachter nicht entgehen kann, hat wahrscheinlich zu der Meinung, veranlaßt, daß es nicht nöthig sei dem Chassidismus Einhalt zu thun, 'wiewol man von der Lügenhaftigkeit desselben überzeugt ist; und vielleicht ist es auch human und vernünftig jeder Meinung sich Geltung verschaffen zu lassen, indem durch die Reibung verschiedener Ansichten die wahre erzeugt wird; allein dieß wäre nur bei einem Einverständniß von beiden Parteien zulässig; dem ist aber nicht so, da die chassidische Partei von Führern geleitet ist, die sie im Wahne erhalten, Gegenmeinungen nicht gestatten, und jeden Weg zur Erleuchtung mit Fluch und Bann hemmen. — Ueberhaupt ist Galizien jetzt die einzige Quelle, aus der der Chassidismus seine Lebenskräfte schöpft. In allen Kreisen *) sind die *) Wir wollen einige derselben dem geehrten Leser vorführen, damit er sich doch ein deutliches Bild von unseren Zuständen machen kann. Rebbe Meier in Pczemirzlany im brzerzaner Kreise zeichnet sich durch seine auffallende Dummheit aus. Seine Auslegungen der heiligen Schrift vercathen die größte Ignoranz, und zeigen nur zu sehr die traurigen Folgen von der Verirrung des menschlichen Geistes. Ec scheint mehr betrogener als berechnender Betrüger zu sein, vertheilt die empfangenen Gaben unter Arme, und wird deshalb sehr geachtet; jedoch besteht sein Anhang meistens aus der niedrigsten Volksklasse. Rebbe Simon in Jaraslow in przemyrzler Kreise, war in 'seinen jüngeren Jahren ein Gerber. Seine Wunderthatigkeit besteht darin, wie wir von seinen wärmsten Anhängern sehr oft hörten, daß er im gewöhnlichen Sprechen so sehr stottert, daß er unverständlich ist, während er beim Vorbeten sehr verständlich und deutlich ist. Er ist unwissend und arm. Rebbe Hersch Meschores, in seinen Jünglingsjahren Schneider, dann Kutscher beim Rebbe Mendel in Romanow im sanoker Kreise, berühmt durch seine Schutzblättchen gegen jedwede Krankheit, und durch seine Keckheit im Geldfordern, ist der älteste der jetzt lebenden Rebbes, und genießt außerordentliches Ansehen. Er hat auch zahlreiche Anhänger in Ungarn. Seine Kinder verheirathet er sehr glücklich, sich selbst aber noch glücklicher. Er ist es schon zum dritten Mal, und die Umstande der letzten Vermahlung sind in ganz Galizien bekannt. Ein junges Frauenzimmerklagte ihm die Gleichgiltigkeit des Gatten, worauf der sehr kluge Rebbe erwiderte: „Scheidet euch, und heirathet mich." —- Dieser Wink genügte dem frommen Weibe, und es befolgte, des Zadik Geheiß. Man sagt, die Frau sei sehr schön, der Rebbe wird aus Rah' und Fern besucht, und sie leben sehr glücklich. — Rebbe Chajim aus Kassow im kolomar Kreise ist ein moderner Rebbe, d. h. er hat die sehr empfehlenswecthe Tugend, die der unsterbliche Kato zu rühmen pflegte, er sammelt — Geld. Wie sehr er aus seinen Anhang pocht, zeigt eine Aeußerung von ihm,, die jetzt Sensation macht. Jemand forderte mit einem rechtlichen Wechsel eine uns unbekannte Summe von ihm, die er leugnete, worauf das Gericht ihm den Eid

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