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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-04-14 · Heft 16 (14.4.1845) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 16 (14.4.1845)
Date
1845-04-14
Page
Seite 234 (sequence 6)
Language
German
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234 Der Geist verläßt, und doch vermag der Geist Nichts ohn' den Staub, an ihn ist ec gebunden. Doch nicht allein die Hand, der Fuß, Das Aug', die Zunge sind's, die er bedarf. Und, weil er sie bedarf, die ihn beherrschen: Der Trieb des Staubes, tief ihm eingesenkt, Begehrt Befried'gung, und der Geist Muß dienen dieses Triebs Befriedigung, Die Mittel suchen, dem Verlangen Genüg' und Ruh' zu schassen Zeit für Zeit. So sind sie Beide Knecht' und Herren, Beherrschte Herrscher, wechselnd mit Dem Spaten und der Krone. Doch weh! wo solch' ein ungleich Paar, So widersprechend sich, wie Geist und Staub, Ist aneinander, und so fest, geschlpfsen. Da kommt der Kampf! die Zwietracht ist nicht fern! Der Staub, er will den Geist sich unterwerfen, Daß ihm allein der Sohn des Himmels diene. Weil auf die Erde dieser ist gebannt, Will itzt die Erde als das wahre Ich, Als dieses Lebens Inhalt sich gebärden, Und facht die Gluthen der Begierden an, Und laßt die Flammen wirbelnd sich erheben. Daß sie den Geist durchglühen und vermehren. Weh! wenn der Geist sich übermannen laßt! Wenn machtlos ec die Macht dem Staube giebt, Daß ungetheilt den Thron der Staub besitzt. Da wird des Geistes Wappenschild zerbrochen, Der Helm zerklopft, die Lanze eingeknickt, Tief sinkt das Roß in den Morast des Lebens, Dem niemals fröhlich wieder es entsteigt! So willst Du keine Mahnung? Nicht soll Religion Mit weiser Umsicht Dich zurückehalten? Wohl werd' dem Staube, was des Staubes ist, Dieweil er auch des Herrn Gebilde, Des Herrn Erschaffniß was der Staub begehrt — Doch thatest Du, was recht des Staubes ist: So komm geschwind in's Heiligthum des Herrn, Laß rein'gen Dich, Dich weih'n von Neuem, Des Geistes Heiligung erfrischen, Auf daß der Geist die volle Kraft behalt, - Dem Dienst des Staubes leicht sich zu entziehen, Und seinem eignen Dienst, sich selbst zu leben. Bring' Weiheopfer, bring' Entsühnung dar: So bleibt der Geist des höheren Berufes Sich wohl bewußt, der Herrschaft sicher, Und seinem Gott geweiht — Sein Blick erhebt sich über Staub und Wolke, Und feine Schwinge voller Kraft und Stolz. So geh' nicht, kluger Jünger unsrer Zeit, Uralter Zeiten Satzung stolz vorüber, Mit Achselzucken und mit höhn'schem Blick. Der Vater Weisheit zu belächeln- Ich sehe durch den Mantel Deines Stolzes,— Du wirst mich schmähen, doch ich sag' es Dir — Oft fade Nüchternheit und Sinnenlüste blicken! Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 7. April. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei das Aktenstück, womit 28 sehr achtbare Männer hervorgetreten sind. Der Urheber des Zusammentritts ist Herr Ludwig Lesscr (als Dichter unter dem Namen Ludwig Liber bekannt.) vr. Stern, M. Simion, C. Hepmann, Rebenstein sind thätige Mitglieder des Komitö's. Es sind bereits Viele beigetreten, seitdem der Aufruf durch Umdruck veroielfältigt ist. Derselbe lautet: An unsere deutschen Glaubenbrüder. Seitdem der politische Druck im deutschen Vaterlande von unseren Schultern genommen, und in uns der aufstrebende Geist sich seiner Fesseln entledigt, seitdem wir in Bildung und Sitte ganz in das Leben der Gegenwart eingetreten, hat die religiöse Befriedigung mehr und mehr aufgehört, welche der Trost und daö Glück unserer Vorältern gewesen ist. Unsere Religion hielt unveränderlich fest an den Formen und Vorschriften, in denen sie uns seit Jahrhunderten vererbt worden; unsere Ueberzeuzungen und unsere Empfindungen aber, unsere innere Religion, der Glaube unseres Herzens, ist nicht mehr in Einklang mit dieser Gestaltung. Und wir stehen da in Zerrissenheit mit uns selbst, in Widerspruch des innern Lebens, des Glaubens, mit dem äußern Leben, dem gegebenen Gesetz. Wohl kämpfen unsere Gelehrten und Lehrer auf dem Gebiete der Theologie für und gegen eine Aus

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