Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 16 (14.4.1845)
- Date
- 1845-04-14
- Page
- Seite 232 (sequence 4)
- Language
- German
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232 den einzelnen Judenverfassungen mit Ausnahme der Ln den Rheinprovinzen geltenden sämmtlich aufzuheben, in Stelle derselben dem Edikte vom 11. März 1812 betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden im preuß. Staate, nicht allein in der Ausdehnung, in welchen es Ln den alten Landestheilen in Wirksamkeit ist, allgemeine Geltung zu gewähren, sondern auch bei der Gelegenheit zugleich die Disposition des H. 8 des Edikts wegen Zulässigkeit der Juden zu akademischen Lehr- und Schulämtern wieder in Wirksamkeit treten zu lassen, und die Bestimmung des §. 23 in Betreff der Glaubwürdigkeit eines eidlichen Zeugnisses der Juden außer Kraft zu setzen. Ferner huldreichst zn befehlen, daß nicht nur der Vorbehalt des §. 39 des Edikts hinsichtlich des kirchlichen Zustandes derselben erledigt, und den Inden in Beziehung auf ihre religiöse Verbindungen das Gemeinderecht beigelegt werde, sondern auch in Gemäßheit des §. 9 des Edikts ein Gesetz über die Ansiellungsfähigkeit der Juden in den in H. 8 nicht erwähnten öffentlichen und Staatsämtern entworfen, und Allerhöchst Ihren getreuen Ständen zur Berathung vorgelegt werde. Die Provinzialstände des Königreichs Preußen. Danzig den 21. März 1845. Magdeburg, 3. April. Was will die Partei, welche sich — mit Unrecht — die orthodoxe nennt? Man hat es sich angewöhnt, bei dem Menschen für seine Handlungsweise einen vernünftigen Grund, einen bestimmten Zweck zu vermuthen. Er kann wol dies und jenes im Augenblicke thun, ohne sich viel dabei zu denken. Aber wenn es eine fortgesetzte Art des Handelns ist, wenn sich Ein und Dasselbe immer wiederholt: so ist man genöthigt einen festen, motivirten Willen vorauszusetzen. Ueberschauen wir daher, wie die sich orthodox nennende Partei seit Jahren verfahren ist, so können wir uns der Frage nicht erwehren: was will sie? Mustern wir ihre Thaten. . Es wurde ihr Reform des Gottesdienstes angeboten: sie antwortete mit einem— Verdammungsurtheil. Es wurde ihr die Errichtung einer jüdischen Fakultät augetragen: sie antwortete mit — Schimpf. Es wurde ihr die Erbauung eines Hospitals und einer Talmud-Tora in Jerusalem offerirt: sie antwortete mit — Bannflüchen. Es wurde ihr eine Rabbinerversammlung zu Gebote gestellt: sie antwortete mit — Nichtigkeitserklärungen. Man wird sagen: die Reform des Gottesdienstes konnte sie nicht annehmen, die widerspricht ihrem Wesen. Durchaus nicht. Sie kann keinen erheblichen Grund gegen Piutimentfernung, Einstreuung deutscher Gebete, Chorgesang ff. Vorbringen. Sie brauchte darum keinen Schritt von der Stelle zu rücken. Man wird sagön: die jüdische Fakultät konnten sie nicht annehmen. Warum nicht? Die Orthodoxie will ja auch wissenschaftlich sein, sie sagt sogar, sie habe die Wissenschaft ganz und gar schon immer gehabt, es giebt schon eine schöne Portion echt Orthodoxer, welche sehr wissenschaftlich gebildet sind. Was heißt eine jüdische Fakultät? Lehrstühle der jüdischen Theologie. Nun, die Orthodoxen konnten sich dieser Stühle bemächtigen. Es kam bloß darauf an, ob sie das Geld dazu hergaben. Von dem Hospital in Jerusalem wird man freilich! nicht gut sagen können, daß es den Orthodoxen widerspreche, es sei denn, daß sie die Lehren'sche Barbarei und Unterdrückung und Unordnung und Bettler- und Faullenzererhaltung und Kothverewigung für völlig mit ihrer Ansicht übereinstimmend erklärten, wie es allerdings den Anschein hat. Auch von der Rabbinerversammlung können sie nicht sagen: sie widerspreche ihrem Wesen. Denn iyir sahen ja, daß sie gleich darauf eine in Ungarn zu dem Zwecke hielten, zwölf Männer zu ernennen , welche die ganze Geistlichkeit der ungarischen Israeliten in ihrer Macht haben sollten und unter ihrer Geißel. 25 Männer waren in Braunschweig, 77 haben sich ihr gcgenübergestellt. Es hätten ja diese 77 nur nach Braunschweig zu kommen brauchen, so wären sie ja völlig übermächtig gewesen. Also wie gesagt, sie hätten ja nur zu kommen brauchen. Durch alles Dies ist man nun wohl hinter das Geheimniß dieser Leute gekommen. Man sieht, sie hätten alles Dies für sich brauchen und gerade zu ihrem Nutzen wenden können, sie hätten nur Geld zu geben und sich in Bewegung zu setzen brauchen. Aber sie haben es nicht gethan. Da liegt denn nun auch offenbar, was sie wollen — das Nichts. Sie wollen, es soll Alles so bleiben, wie es war, d. h, mit anderen Worten, das Judenthum, das schon scheintodt war, soll ganz todt werden, ersterben, begraben,