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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-23 · Heft 99 (23.11.1839) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 99 (23.11.1839)
Date
1839-11-23
Page
Seite 607 (sequence 3)
Language
German
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«07 den, und manches Gute, das er im Verborgenen gestiftet, kam da unter heißem Dankgefühle an.den Tag. Am Schluffe seiner Rede sprach' der Kreis-Rabbine noch seine Hoffnung aus, daß des Verblichenen einziger Sohn, Herr Michael Perl, Apotheker allhier, den der Vater, kraft des ihm von Weiland Sr. Majestät Franz I. verliehenen Rechts, zu seinem Nachfolger als Schuldirektor ernannt, in dessen Fußstapfen treten und in seinem Geiste fortwirken werde in der feurigen Liebe zu seinen Glaubensgenossen, und>-zu dem reinen Glauben ihrer Vater. Hierauf wurde' die Hülle 'des Hingeschiedenen in die Gruft'gesenkt.—Es-war-DNherzerhebender Anblick, wie die Bekenner zweier verschiedener Religionen brüderlich vereint im Gefühle der" Achtung für den Verblichenen und der Trauer um seinen Verlust, ihre Thronen mischten an semE-Graber-'-Gewiß, der Allgütige sah wohlgefällig herab auf diese Scene hoher Feier und nahm liebreich auf den in seinen Schooß zurückkehrenden Geist, dem eine solche seltene Anerkennung zu Theil wurde." — Wien, 29. Oktober. (Privatmitth.) In Folge meiner, No. 94 (S. 538 ff.) dieser Blatter mitgetheilten Auskunft über die Vertreibung der Juden aus der königl. Freistadt Tyrnau ist mir von sehr achtbarer Hand ein Schreiben zugekommen, welches folgende Notizen über die gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in jener Stadt enthalt: „Das strenge Verbot, welches die Juden unter Androhung der Todesstrafe selbst vom Weichbilde Tyrnaus fern hielt, wurde von Kaiser Joseph II. im Jahre 1786 aufgehoben. Diese Maßregel war den Einwohnern sehr willkommen, da die Vortheile derselben für Woll- und Manufacturhandel leicht vorauszusehen waren, und von Religionshaß und Fanatismus in Ungarn schon damals keine Rede sein konnte. Gegenwärtig wohnen dreißig jüdische Familien daselbst, die in allen Stadttheilen WoWungen-^ifnehmen, und Groß- und Haufirhandel betreiben dürfen; doch ist ihnen eine Handlung zu öffnen untersagt. Eine sehr lästige Beschränkung ist auch die, daß Töchter jüdischer Einwohner, wenn sie einen Auswärtigen heirathen, die Stadt verlassen müssen. Sonst können sich die Tyrnauer Israeliten von Seiten ihrer christlichen Brüder der humansten Behandlung rühmen. Als vor einigen Jahren die Synagoge gebaut wurdetrugen auch Christen Geld und Baumaterialien bei. Das Gotteshaus ist nach einfacher, aber schöner und sehr ansprechender Weise eingerichtet, und gehört zu den schönsten jüdischen Bethausern in Ungarn. Die Gemeinde will, sobald es die beschrankten Mittel erlauben, einen Religlonslehrer berufen, welcher deutsche Vortrage halten soll." Merkwürdiger Weise befreunden sich auch in Ungarn, wie in Deutschland, die kleinern Gemeinden immer mehr mit den, des israelitischen Gottesdienstes würdigem. Formen, wahrend die größern Gemeinden Alles und Jedes beim Herkommen lassen. Nur die große, aber junge Pesther Gemeinde macht in ihrem rüstigen Vorwartsstreben eine ehrenvolle Ausnahme; ihre Nachbargemeinde in Altofen, deren Lehranstalt alles Lob verdient, hat zur Verschönerung des Gottesdienstes in ihrer herrlichen Synagoge noch nicht gesorgt. Das Rabbinat ist auch da unbesetzt, da der Wunsch und Wille des Herrn Marcus Boskowitz, unter dessen Leitung die Gemeinde in jeder Beziehung so viel gewonnen, — seinen bereits vorgenommenen Verbesserungen 1>urch die Aufnahme eines gebildeten Rabbinen die Krone aufzufetzen, noch immer auf Schwierigkeiten stößt, welche jedoch wahrscheinlich die nächste Zukunft beseitigen wird. Preßburg, 21. Oktober. (Privatmitth.) Die heutige hiesige Zeitung enthalt die Nachricht, daß es in Folge der neuesten Reichstagsverhandlungen in der Zukunft den Juden gestattet sein werde, Grundstücke zu kaufen und zu besitzen, wenn sie dieselben durch Juden bearbeiten lassen. Sie sehen, wir haben von der Zukunft das Beste zu erwarten, und es wäre nur zu wünschen, daß man vorzüglich in den Schulen hierauf mehr Rücksicht nähme. Vor Allem sollte die ungarische Sprache in den Pflanzschulen der Jugend sorgfältiger gepflegt werden; leider wird derselben noch immer zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Wer unsere Verhältnisse nur einiger Maßen kennt, wird die Wichtigkeit unb dringende Nothwendigkeit dieses Unterrichtszweiges leicht einsehen. Da jedoch der bei Weitem größte Theil der jüdischen Lehrer in Ungarn aus Deutschen besteht, die der ungarischen Sprache ganz unkundig sind, und Eingebome nur ftlten für den Lehcerstand tüchtig befunden werden,' so kann dieser Mangel nur durch Privatunterricht, auf eine sehr unbefriedigende Weise, ersetzt werden. Möchten doch Schulvorstande und Lehrer diesen Wink beherzigen! Wien, 1. Nov. (Privatmitth.) Es ist hier ein Waksenverein im Entstehen, welcher, allem Anscheine nach, zu den schönsten Instituten dieser Art 'zu zahlen sein wird. Herr M. L. Biedermann, dessen Namen alle .jüdischen Einwohner der Monarchie nur segnend nennen, und dessen Wirken und Schaffen als Vertreter der hiesigen Gemeinde von so herrlichen Folgen war, hat seinen 71sten Geburtstag mit der ersten Grundlegung dieses Vereins gefeiert, indem er selbst dem Fond 7009 Fl. C. M., und für jedes Jahr einen Beitrag von 100 Fl. C. M. zuwies, und zugleich die hiesigen Israeliten in einem Schreiben, in welchem die Nothwendigkeit und Nützlichkeit eines solchen Vereins klar und einfach auseinandergefetzt ist, einlud, durch ihren Beitritt die Realistrung seines Planes zu fördern. In Folge mancher Zweifel am Gelingen dieses heilsamen Unternehmens, welchen das erste, vielleicht zu wenig auf das Specielle eingehende Schreiben Raum zu geben schien, erschien nun diese Tage ein zweites Circular vom H. Bie dermann, aus welchem ich folgende Stelle hervorhebe: „Es ecgiebt sich aus der Großartigkeit des Unternehmens wol von selbst, daß eine Kapitalsanlage zur Sicherstellung der beabsichtigten Zwecke unerläßlich sei, und dürfte die Einlage von 100 fl. wol der kleinste Beitrag sein, der in Berücksichtigung genommen werden könnte, wobei bereits auf den Beitritt der minder Begüterten, die ihren Kindern eine Versorgung im dereinstigen Nothfalle sicher stellen möchten, Rücksicht genommen ist, und von den Begüterten ein Mehreres in gleichem Verhältnisse erwartet werden kann. — Die jährlichen Beiträge dürften sich nach Klassen von 36 — 24 — 18 — 12 fl. als genügend erweisen. In Betreff der Zwecke des Vereins, wiederhole ich, daß die sorgfältige Erziehung der unmündigen Waisen und ihre Verwendung im fortschreitenden. Alter zu einer der ersten und heiligsten Pflichten und Bestrebungen des Vereins zu ma-

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