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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-23 · Heft 99 (23.11.1839) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 99 (23.11.1839)
Date
1839-11-23
Page
Seite 606 (sequence 2)
Language
German
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606 erfreut sich einer lebhaften Teilnahme von jüdischen und christlichen Zöglingen. Der Versuch, das deutsche mit dem französischen Unterrichtsverfahren zu Vereinbaren, findet die erfreulichste Anerkennung und verspricht die besten Folgen. Der Umstand, daß der Unternehmer Israelit ist, hat auf seine bürgerlichen Verhältnisse nicht, den geringsten nachtheiligen Einfluß. DaS Consistocium hat die Freundlichkeit gehabt, durch ein französisches und deutsches Circular das neue Instirut durch ganz Frankreich dringend zu empfehlen. Der Unternehmer nimmt auch Zöglinge aus Deutschland in Unterricht und Halbpension gegen ein jährliches Honorar von 380 Fr. (101 Thlr.), in ganze Pension für 600 Fr. (160 Thlr.) auf. Stotterer und Stammler können entweder in wenigen Tagen oder in einigen Monaten curirt werden, jede Kur mit 250 Fr. (66z- Thlr.) zu honoriren.. Metz, 31. Okt.' (Privatmitth.) Sie haden mir einmal die Verbindlichkeit auserlegt. Ihnen über den Fortgang der Tsarphatischen Angelegenheiten zu berichten, indeß haben Sie es auch meinem Urtheile anheim gestellt, wie weit ich den Bericht ausdehnen mag. Und so werden Sie mir gestatten, nur ganz flüchtig eines 18. Briefes zu erwähnen, der im Co um dela JVloselle abermals seine Stelle gesunden , und welcher zwar von Metz aus datkrt und mit A. T. gezeichnet, aber doch ganz gewiß aus der Feder Lsarphati's geflossen ist. Derselbe ist mit einer Lithographie, einen Juden mit Talit und TefiUim vorsteliend, begleitet, die ich Ihnen bei Gelegenheit, übersenden werde. Derselbe ist aber eine solche Kette von Extravaganzen, daß ich mich durchaus nicht befugt halte, Ihre Leser damit zu knkommodiren. Zuerst kommt wieder das Konsistorium an die Reihe, dann Talit und Tefiliim, die ec für chaldaischen und persischen Ursprungs ausgiebt, (die h. Schrift giebt doch wol überklar den symbolischen Sinn derselben an: die Erinnerung an die Gesetze, und eine Mahnung gegen die Unkeufthheit —) und endlich das Col nidre. Wie ich höre, wird in nächster Zeit eine angemessene Widerlegung der Tsarphatischen Briefe erscheinen, von der Hand, nicht eines Orthodoxen, sondern eines Liberalen in Paris , der die Tsarphatischen Briefe für ein öffentliches Unglück halt, indem sie gerade allen Reformen hindernd in den Weg treten, erscheinen.. x -Oesterreich» Lemberg, 18. Okt.. (Privatmitth.) Beschäftigt mit einer genauer» Würdigung des Lebens und Wirkens des um Kultus,, Erziehung, Gesittung und Gewerbthätigkeit seiner galizischen Glaubensbrüder so hochverdienten Joseph Perl, wobei ich nicht unterlassen werde, Ihnen die vor seinem Hintritte zum Besten öffentlicher,, wohlthatiger Anstalten von ihm getroffenen Verfügungen und vermachten Legate anzugeben, sende ich Ihnen einstweilen die No. 82. der hiev erscheinenden Mnemosyne (vom 1.2. Okt.) Dasselbe' enthält folgenden „Am I. Ottober nach 7 Uhr Morgens verschied m Tarnopol in Folge einer,, durch außerordentliche geistige Anstrengung sich zugezogenen langwierigen und schmerzhaften Krankheit, der verdienstvolle und allgemein geachtete Joseph Perl, St.kfter und Direktor der dortigen deutsch-israelitischen Hauptschule in einem Alter von noch nicht vollen 66 Jahren. Ein Sohn des Glückes und ein Mann der That und Energie, jebec Aufopferung fähig, Jedermann, durch seinen offenen und redlichen Charakter Vertrauen, wie durch seinen ausgezeichneten Verstand, seine Welt- und Menschenkenntniß Achtung einflößend, von -warmer Liebe zu seinen Glaubensgenossen beseelt, und mit seinem Hellen Blicke all' , die Hebet erkennend, welche ihren physischen und moralischen Zustand in Galizien untergraben und zerstören — war er ganz der Mann dazu, für sie eine neue Aera heraufzuführen. Wol hat er seine Mission ehrenvoll erfüllt, doch nur in den-Augen der Welt, nimmer aber in den seinigen. Sein Unternehmender Geist strebte immer höhek>ünd"''höher und""manch segenvolles Werk zum Heile seiner Glaubensgenossen und zum Nutzen des Staates blieb durch seinen Hmtritt unvollendet — Von zwei hohen Monarchen mit den Zeichen ehrender Anerkennung seiner Verdienste geschmückt-^-und von allen Redlichen, die ihn kannten, hochverehrt, erweckte sein Hintritt allgemeine Trauer. Aber nie mag wol Tarnopol ein rührenderes Schauspiel gesehen haben, als"'das, welches der Leichenzug am darauf folgenden Tage därbot, wo Christen und'Juden sich unaufgefordert vereinten, um einem Juden-die letzte Ehre zu erweisen. Am Morgen des 2. Oktober sah man den ganzen geräumigen Platz vor dem Hause des Verewigten von einer unzähligenMenschenmasse bedeckt. 'Um 10 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Voran schritten die 42 Bahrenträger, aus den Vornehmsten der Jsraelitengem'einde bestehend, die Bahre in ihrer'Milte, abwechselnd von 6 derselben getragen; darauf folgten,--den Kreis-Rabbinen in ihrer Mitte, die Leidtragenden, denen sich der allgemein hochverehrte Herr Gubecnialrath und Kreishaüptmann Karl Ritter v. Sachter mit dem löblichen Kreisamts- Personale, der Herr Bürgermeistec^rfüt dem Magistrats- Pecsonale und den Stadt-Repräsentanten, das Personale der hiesigen Krekshauptschule, so wiechas^bLL^ö.' Kameral- Bezjrksvecwaltung und viele Mitaliedev-^s hiesigen k. k. Offiziers-Corps anschlossen; dann kamen Matweise, in Begleitung der Lehrer, die Zöglinge der deutsch-israelitischen Hauptschule,, vereint mit den jüdischen Studiosen des Lyeeums, denen sodann eine Menge Vol^s, Christen und Juden, Männer, Weiber und Kinder nachwogte. Auf dem Leichenacker hielt der ehrwürdige Kceis-Madbine, S. L. Rapoport, unter Thränem und Schluchzen eme-Iurze, aber höchst ergreifende Leichenrede. Kein Auge blftü trocken, vielfaches lautes Schluchzen ließ sich vernehmen. Es waren die tiefgebeugten Angehörigen des Verblauen, dir das theuerste Haupt der Familie beweinten,^s^Hnren^die.Freunde,, es waren die Lehrer seiner An sta l t,, die^um7dM^aIMlchH Freund und Rathgeber trauerten; es' wären dle^ZÜHlisige seiner Anstalt, die ihm ihre Erziehung,, ihre Bildung, ihr Glück; es waren die von ihm gebildeten Handwerker, die ihm ihre Existenz, ihren Wohlstand zu. verdanken hatten; es waren die Armen, die Nothleidenden, die er unterstützt; es waren alle jene, demn er mit Rath und That beigestan-

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