Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 89 (14.9.1839)
- Date
- 1839-09-14
- Page
- Seite 472 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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472 noch weit Höker und heiliger machen würde. Je mehr du dich dem Menschen näherst, desto mehr näherst du dich der G oti heit, sagt Plaro schon. - - Diese Bemerkungen machte ich, .nachdem ich das Vergnügen hatte, mich einige Stunden mir Salvador zu unterhalten, einem Manne, der bei seinem ersten Erscheinen schon die Aufmerksamkeit der größten Männer erregte. Benjamin Constanr hieltes für nöthig ihn öffentlich zu.loben,' f>upin uine» der jetzige Präsident der Depurirtenkammer, hielt ihn für gefährlich genug , um ihn öffentlich widerlegen.zü müssen, Und zwar ohne Erfolg; einem Manne, sage ich, den man in Deutschland zwar kennt, aber, ohne seine Größe zu ahnen, einem Manne endlich, dtt sein ganzes Leben dem innern He-,l. der Juden gewidmet har, der erste I üde rn Frankreich und als solcher anerkannt. : Ich brauche Ihnen sein erstes Werk les in8tit»ti6n8 et lois Zs Noist:'nicht ins GedachtniK rufen, es ist allgemein anerkannt. Weniger bekannt noch in Deutschland ist sein neuestes in '-ganz Frankreich Sensation'erregendes Werk:lesus Clirist et sa doctrihei Ich werde Ihnen später weitläufig und gewissenhaft darüber berichten °l. Was aber die Juden aller Nationen-und besonders die deutschen aufs heißeste inreressiren muß, ist die Art und Weife, wie dieser ausgezeichnete tiefe und gcRiatc Gelehrte dazukam fein ganzes Leben einer Idee zu opfern, einer Idee, die er keinesfalls noch, ausgesprochen har. ' Es ist. ein Unglüt für die deutschen jüdischen Gelehrten , daß sie inmitten der heiligsten Conzeptionen, inmitten der schönsten Inspirationen von den materiellen Hindernipen, die noch zu beseitigen sind, ,gestört werden; ich möchte sagen,, sie werden als Architekten.'gezwungen gemeine Ma.uererarbeir zu versehen, und müssen, ehe sie in das Innere des Tempels dringen können, zuerst den Schurr des bürgerlichen Lebens wegräuiuen. Dem ist, Gotrlvb nicht also in Frankreich, und dcßwegen werden französische jüdische'Gelehrte immer einen großen Vorsprung haken. Sie können gleich in das Mark des Judcnrhums^greifen, sie können und düifen jüdische Philosophen sein; sie können, sage ich, jüdische Gesetzgeber werden, insofern man dieses werden kann. . ... Schafft abl-r die Zeit ihren Mann, wie es gewöhnlich in der Geschichte der Fall ist; tragen dann tausend Kleinigkeiten zu einem Großen bei — Big non behauptet, so gar der Name Napoleon hätte zu seiner Größe beigetr.igen — so kann man dreist behaupten, daß dem innern Heil der Juden wenn auch nicht ein Rener wie der Name Salvador bedeutet, doch ein großer Held an ihm geboren wurde. Man höre, wie Salvador sich der jüdischen Gesetzgebung, der er bis jeht schon, 20 Jahre seines Lebens beständig widmet in die Arme wie ein' Verliebter warf. Ick erzähle ihm treu nach, versichere aber auf Ehre, daß er keinesfalls die Veröffentlichung dieses TheilS seiner Biographie ahnt, ja als großer Mann, die Bescheidenheit selbst ist. Alles Große ist'einfach und'bescheiden. Nur eine freundschaftliche Ergießung riß ihn so weit, um mir dies zu erzählen, das zu interessant ist, um es nicht zu veröffentlichen, um so mehr, da Salvador eine Hauptzierde der jüdischen Gelehrten in Europa und der einzige Jude in Frankreich ist, worauf man hoffen und vertrauen kann. Ich kam von Montpellier nach Paris, also sprach-er, uiü meine -medizinischen Studien zü vollenden. Ich war tvobl das was man Arzt nennt, um prakticiren zu können, dock wollte ich mich zum'Professor auSbildcn und .studirre daher stark Psychologie und die allgemeine Geschichte deS Menschen sowvl in. miördlischer °) Man siebt, daß Herr A. Weill die Bericht, nicht kennt,,.welche wir über Salvador gegeben, und in denen wir ihn vollkommen zu würdigen uns beinüheten. R e d ak t. ’ als in physischer Hinsicht. Ich zahlte damals. 20 bis 22 Jahre und dachte so wenigem Juden, so daß ich fast selbst vergaß, daß ich ein Jude war.-^Jm Besten nun meiner Studien und in einem pdantastijchen Schlendrian meines zukünftigen Glückes träumend, kaufte ich ernes Tags ein Journal, worin ich zufällig von deiner Verfolgungsgeichichre der' Juden in Frankfurt am Main las, und ich erinnere mich noch dunkel daß das Losungswort der Christen Hep, Hep, war, ein Wort, das ich bis heute noch nicht zu entziffern weiß, und mich immer schämte einen deutschen darüber zu fragen. Sonderbar, dachte ichsollte'.in unserm Zeitalter eine mittelalterliche Juden- und Religionsverfolgung noch möglich sein 'i sollte die französische Revolution so spurlos vorüber gegangen sein? kurz, die S -che war mir, einem Franzosen, unbegreifiich. Ich wollie darüber weg Denken, vergebens. Immer las ich den schwarzen Artikel in dem Journal wieder, immer stand da6 grause- Bild der deutschen Verfolgung. vor.meinen Augen. Ich war ein Voltairianer von Kopf biö Fuß, ich lebre und leibte in ihm, aber als ich die Brücke paffirt hatte, fiel mir es ein, daß ich auch ein Jude bin und Lhranen entstürzten meinen; Wangen. Ich stürm re wie ein Wüthender nach meinem Zimmer, warf alle medizinischen Bücher weg und kolre mir — eine Bibel-, ja eine Bibel und zwar in schlechter französischer Uebersetzung. (Schluß folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. . Im Verlage von Ignaz Kohn ist so eben erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Rabbiner» - Wahl. Zur Aufklärung über die dabei vertretenen religiösen Interessen. Von ®r. Ifaae B. Lowofitz. Gr. 8. eleg. broch. Preis 3 gGr. =, 3^ Silb. Gr. ' In allen Buchhandlungen (Leipzig bei W. Nauck/istzu haben: Für die israelitischen Festtage: Sabbat - Fest - und Gelegen hei tspredigtett von vr. Herxheim er, Landes-Rabbiner zu Anhalt- - Bernburg. Die hockst günstigen Recensionen in der Zeitung des Judenthums No. 66. 1839. Beilage, und mehren andern Zeitblattern übcrdeben uns oller weirern Empfehlungen dieser rasch abgefetzten, besonders für die Festtage zu empfehlenden Predigten. Ich habe Gelegenheit, zwei junge Menschen, von anständigen und cechttlchen Eltern, die Lust haben die Buchbindeckunst zu erlernen, in meiner Buchbinderei zu beschäftigen. Es wollen daher Lusttragende auf Anfragen in frans kirten Briefen, den nähern Bedingungen entgegensehen. Paderborn, August 1839. L. D. Winkler. Druck von I. B. Hirschfeld.