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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-03 · Heft 83 (3.8.1839) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 83 (3.8.1839)
Date
1839-08-03
Page
Seite 388 (sequence 16)
Language
German
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368 len, wird ihm an sich selbst, an seiner eigenen Aerfleischung, wieder ersetzen zn wollen scheinen, was er nicht dem .Alten, sondern dem Veralteten amIudenthume abgezogen. (Fortsetzung folgt.) Literat« Mosrs den Esra aus Granada, von Lropold Dukes. Altona (1839). *VI. und 115 S. in 8. Seitdem in unseren Tagen die Wissenschaft in Israel, von der Freiheit geweckt, die Augen aufgcthan, ward eS munter um sie her und lebendig. Denn auf ihren Ruf erhoben sich in jugendlicher Frische die Gestalten des jüdischen Alterrhums, nicht mehr angethan mit Lumpen und staubbedeckt, wie langes Elend und gelehrter Judenhaß sie zugerichtet hatte. Vergessene Namen stiegen von Mund zu Mund, und alte Lieder zeugen junge Tharen. Einer jener Geister ist Mose b. Esra (A. .11.20,) aus Granada, aus edlem Geschlecht, Dichter, Philosoph , Literatvr; als geistvoller Denker, als hinreißender Hymnendichrer und glühender Freund seines Volkes gepriesen, von dessen Gebeten alle Synagogen wiederhallen. Aber die Encyklöpädien kennen ihn nicht, die Lexika für die Conversation schweigen von ihm, die Literarhistoriker haben ihn nicht nennen hören. Sogar Wolf und de Rvssi wissen wenig tröstliches zu sagen, da sie seine religiösen Poesien kaum kennen, und seine arabischen Schriften Hüter ern Drache — der Bibliothekenstaub. Um so dankenswcrther ist der wissenschaftliche Eifer jüdischer Gelehrten, der daö Lebensbild dieses Mannes vor uns aufrollt, und mit seinen Gesängen uns Freude bereitet. Diese Anerkennung gebührt den Herren DukeS und Luzzato. Professor Luzzato in Padua, unermüdlich im Sammeln und fleißig im Ausbeuten werthvoller hebräischer Handschriften, hat im vierten Bande de- Kerem chemed (Prag 1839, Briefe 12 und 14) Nachrichten über „Tarschisch" und „Divan"'— welches letztere Werk Mose b. Esra's bisher ganz unbekannt gewesen — und aus beiden kurze Proben gegeben. Ihm verdankt Hr. Dukes alle seine Mittheilungen über den Divan und die Hymnen aus dem Oranschcn Machsor. Dahingegen hat Herr DukeS in dem vorliegenden Merkchen eine vollständige Uebersicht von den Schriften Mose b. Esra's zu geben versucht, so daß dessen Biographie sich denen Gabirol's und Charisi's (Dukes: Ehrensäulen u. s. w. Wien 1837) anschließt, vielleicht um demnächst mit den Lebensbeschreibungen seiner großen Zeitgenossen Jehuda Ha-Levi und Abraham b. Esra vervollständigt zu werden. Ausführliche Nachrichten werden mitgetheilt über Mose b. Esra's Leben und Leistungen, Werth und Character seiner philosophischen und poetischen Werke geschildert, und der Autor mittelst zahlreicher Proben aus seinen Dichtungen bei uns eingeführt, wobei die Kenntniß der Literatur überhaupt gelegentlich nicht unbedeutende Bereicherungen erhält. Auch den dcö Hebräischen Unkundigen wird die Darstellung belehren, und die deutschen Ue-crtragungcn — sämmtlich in Versen — ans ziehen. ES sind dieß: 1) vvn Mose b. Esra zwölf Synagogalpoesien (worunter eine, gleich dem Originale in ungebundener Rede), 4 Stücke aus dem Divan, und mehrcrn Proben 10 Seiten stark aus dem Tarschisch, (S. 33 — 60). 2) Von Charisi: nächst kleineren Stücken aus dem Tachkcmoni (s. S. 26. 28. 31. 32. 52. 54. 57), das ganze 49. Capitel „vom Lobe verschiedener Gartenfrüchte" als Parallele zu Mose b. Esra'S Naturschilderungen <S. 111—115), Die Uebersetzung ist in der Weise, die bereits Hr. Di-. Krafft. (Jüdische Sagen, Ansbach 1859, und diese Zeitung 1837, No. 81 :c.), mit so vielem Geschick versucht har; hie und da leidet sie an Flickwörtern („wahrlich", „auch", „nur"). 3) Kleinere Sachen von verschiedenen Verfassern (S. 25. 27. 54. 56. 57. 59' 69-. Die hebr. Beilagen (S. 61 —106) geben von Mose b. Esra: 1) 31 Synagogalpoesien, die —zum Theil nach ungedruckten Quellen — den Machsorim des spanischen, griechischen Ritus und denen von Avignon, Montpellier, Tripolis und Oran entlehnt sind. Bei der großen Seltenheit dieser Werke waren die meisten so gut wie unbekannt. 2) 14 Proben aus dem Divan, worunter 2 Gedichte von Joseph b. Sohal, dem Freunde unsers Autors. Hiervon sind nur 5 (die Nummern 2. 3. 5. 9. 10) vollständig auch im Kerem chemed (S. 84 — 91) befindlich. Außer diesem Werke des Herrn Dukes vereinigt kein unS zugängliches Buch so viele und so verschiedenartige Dichtungen M. b. ESra'S: neben wohllautenden Hymnen geistreiche Gebilde in fremd« arngem Schmuck. Zehn Sachen sind zugleich hebr. und deutsch nurgelyeilr, auch erhallen wir eine, mir Unrecht in die Anmerkungen verwiesene, Aufzählung aller seiner religiösen Poesien, deren Anzahl nahe an 200 reicht (S..8 bis 14. 88. 89). ' Da der Vf. den Tarfchich herauszugcben gedenkt, so har er — bis auf einige Verse S. 21. ILO — aus denselben keine Proben geliefert (es finden sich deren im Kerem chemed S. 66 — 74, wo auch die Dedicarion), und dafür hie und da einige andre poetische Sachen eingestreut, als von Elia Loanz (irrig Schlua genannt, S. 23), Ab. b. Esra (angeblich, S. 27), Gavirol (s. 96. 106), Jehuda b. Schabrai (S. 54), Schemrvb Palquera (S. 59), Eleafar (S. 107), einem Ungenannten (S. 25. 56/57). Ueberdieß ist (S. 107 — 109) ein —der Vermehrung fähiges — Verzeichniß in chrö« nolofischer Reihefolge von noch 22 Lttaneien Namens Moses angefügr. Die Aulor)chaft des Bußgebereö (N. 47) iiu Verzeichnisse, hebräisch S. 67—73, deutsch S 37—43, jedoch ist daö Original von S. 72 Z. 10 an u«'übersetzt geblieben) ist unsicher, auch ist selbiges im griechischen Machsor unvollständig, wo höchstens hdeö Ganzen befindlich ist. Auf daö Gebet $!- 56 (S. 75), dessen Strvpyenschluß ein Vers mit -,22 ist, Härle da vingewiesen werden sollen (S. 7), wo die Gedichte über das Thema: „Staub bist du" besprochen werden. N. 159 (S. 13) ist im Verzeichnisse übergangen, und N. 172 scheint zweifelhaft. Daß N. 73 und N. 173 einerlei sind, bemerkt der Vf. S. 77. Aber auch N. 178 (S. 88) ist dasselbe alö das S. 77 beschriebene 17z; Ti, wovon also N. 72 nur die Fortsetzung bildet. Der Anfang von N. 183 lauter (nicljt 1^), und N. 191 fchlr vor dem Worte >1172772 (S. 88 Z. 2 b. u.). Mit dem hierGegebenen möge daö Mose b. ESra Betreffende in meinem Aufsatze: „RituS der Sl)- nvgoge von Avignon" verglichen werden. Die S. 84 in der Anmerkung angegebenen Variante ist aus den Avignon-Selichvt 1. 17. a. Tarschisch betreffend so kennt der Vf. nur Schabtai, der eS unter dieser Benennung aufführe, hält daS Werk für ungcdruckt und in der hebr. Literatur für einzig in seiner Gattung (S. 20. 29). Aber schon Buxtorf führt Tarschisch auf, und zwar in dem Supplement, daö er bekanntlich von Jacob Roman erhalten, und in der That nennt dieser in seinem jetzt bei Luzzato befindlichen Exemplar dies Gedicht mir demselben Namen (s. &\rcm chemed Th. 4. S. 68). Eine Edition desselben, rv^n betitelt, hat Wolf gesehen, s. dessen biblioth. hebr. f. 3 p. 804 (nicht p. 884 oder 814, wie S. 20, 21 gedruckt ist). Endlich hat Charisi auch ein pw geschrieben, ganz so gebaut wie das Mose b. Esra'S, nach alfabelifcher Reihefolge der Schlußwörter, wovon eine Probe (mit Schreibfehlern) bei Wolf l. 1. p. 341 (nicht p. 34 wie eS S. 19 unten heißt) zu sehen ist. ES liegt in Orford (Uri. cod. 500), woselbst auch die codd. 494 und 499, Mose b. Esra's Sachen enthaltend, noch auf die Hülfe eines einsichtigen Gelehrten warten müssen. Ein Mißverstänvniß ist, was S. 17 in meinem Namen bemerkt wird, als müßte in dem Kinichischen Verse nicht?V)73 gelesen werden, waö vielmehr ganz richtig ist: der Glossator liefert den Autor, der 5 mal in verschiedenen Bedeutungen 1*0723 hat, eine Beweisstelle Ps. 78, 40. Eine correctere Sprache, mehr Ebenmaß in der Darstellung wird der seinen wissenschaftlichen Zwecken gewissenhaft hingcgebenen Verfasser sicherlich noch sich eigen machen, selbst wenn es bei unfern Aristokraten' noch nicht herrschcnbe Mode sein sollte,, jüdische Gelehrte tbatsächlich zu ehren und wirksam zu fördern. Sollte überhaupt der Sinn für ehrenhaftes Wissen und die nationale Literatur rege werden, so wird auch Hr. DukeS den Weg geebneter finden zur Vollendung seiner umfassenden Arbeit über die neuhebräisthe schöne Literatur, wovon die beiden bisherigen nur Vorläufer sind, aber zur Kenntniß der jüdischen Poesie und der mit selbiger zusammenhängenden, redlicher Arbeit noch sehr benöthigter, Literatur angelegentlichst empfohlen werden dürfen. Zunz. Druck von I. B. Hirschfeld.

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