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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-08 · Heft 69 (8.6.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 69 (8.6.1839)
Date
1839-06-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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in. Jahrgang. Allgemeine No. 69. Zeitung des Zu-ertthmns. Ein unpartheiischeS Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König. Gächfischer allergnädigster koncession.) Leipzig, den 8. Juni 1839. ZeitungsnaehrLchten. Liebovitz, 2. Mai. Nach einem officiellen Berichte vom II. vorigen Monats, in No. 62 der pragrr Zeitung, wurden im Jahre 1838 in Böhmen, ans dem Lande 195, in Prag 57, zusammen 252 Paare, jüdischer Religion, getrauet. Geboren wurden in derselben Religion auf dem Lande 1280, in Prag 203, zusammen 1483, und gestorben sind, auf dem Lande 857, in Prag 186, zusammen 1043 Menschen. — ' Königsberg, 14. Mai. (Privatmitch.) Mein letzter Artikel vom 17. Marz har hier einerseits unter den denkglaubigcn Gemüthern den lebhaftesten Anklang gefunden, andererseits aber Mißverständnisse hervorgedcacht, die der Unkundigen wegen beseitigt werden müssen. Referent hat sich oft genug für Verbesserungen innerhalb der Schranken der heiligen .Synagogensatzungen ausgesprochen, hat oft genug durch Schrift und That das allgemeine religiöse Interesse aus den reinsten Motiven zu fördern gesucht, hat. oft genug unfern geregelten Gottesdienst öffentlich rühmend hervorgehoben, um auch nur in den leisesten Verdacht derrohen Hyperorthodoxie kommen zu können. Aber eben weil die Kultusordnung innerhalb jener Grenzen zur Zufriedenheit Aller so schön gelungen, weil sie vielleicht andern Gemeinden zum Muster zu dienen bestimmt ist, darum dürfen jene Schranken nicht überschritten werden, darum muß die Kenntniß und Würdigung derselben von dem obersten Octsgeist liehen allein ausgehen; darum muß die Kritik da, wo die conservalive Partei nicht gehörig reprasentirt ist, ihr, unbekümmert um das Gerede Einzelner, zu Hülfe kommen. Es ^st schon traurig genug, daß es in Preußen an einer obersten israelitischen Kirchenbehörde mangelt, die alle religiösen Verhältnisse den geltenden Satzungen und Zeitumständen gemäß allgemein ordnete; es hat diese Anarchie schon manchen befähigten Kopf, der in die Launen unwissender Laien sich zu fügen nicht die Fähigkeit besitzt, von der ernsten Bewerbung um ein höheres theologisches Lehramt abgehalten. Soll man nun gar nicht einmal obwaltende Ucbelstande vor das öffentliche Forum, als das einzige noch übrige oberste Tribunal , bringen dürfen? jetzt wo das Wichtigste wie das Geringfügigste, wo jedes-himmlische. wie irdische Interesse in Zeitblättern - besprochen zu werden pstegt? Kann einer allgemein gebildeten Gemeinde, wie die Königsberger, über die es sich der Mühe verlohnt, Gutes uriö Böses zur Nachahmung des einen und zur Vermeidung des andern zu berichten, mit immerwährenden Lobhudeleien gedient sein? Die Kritik hat schon Manchen und Manches gebessert, und.muß daher auch pflichtgemäß darauf aufmerksam machen, die Erfahrungen des vergangenen Jahrzehends nicht unbenutzt zu lassen, und darüber zu wachen, daß nicht durch übermüthiges Uebecfchreiten der religiösen Gesetzcöschranken das schon vollendete Gebäude plötzlich mit Einsturz drohe. Wenn ich daher in meinem vorigen Artikel von .blinder Reformationswurh redete, so konnte sich dies keineswegs auf die Synagogenordnung überhaupt beziehen, die oft genug von mir hecvorgehoben, und selbst dort einige Zeilen vorher eine zweckmäßig adgefaßte genannt wurde; cs bezog sich nur auf gewisse beabsichtigte willkührliche Veränderungen, namentlich auf die unbegründete und nutzlose *) Abschaffung des Namensaufrufes zur Tora gegen den ausdrücklichen Willen des Nabbine-n. Zwar ließ sich der wohll. Vorstand mit demselben in einen Vergleich ein, wonach wenigstens im Mischeberach die Nennung des Namens vorkommt; schade aber, daß dies erst geschah nach her Umhecsendung des gedruckten Circulars vom 26. Marz, die Aufhebung des öffentlichen Mizwotverkaufs und der Namhaftmachung der aufzurufenden Individuen betreffend, und nachdem der Rabbine gegen letztern Punct eine Protestation eingereicht hatte. Besonders aber möchte Referent sich dagegen verwahren, als ob irgend eine Persönlichkeit auf seine Berichte Einfluß hatte. Er folgt nur feiner innersten Ueberzeugung; er steht auch, gottlob! in keines Menschen Sold, um auch nur in die mögliche Versuchung zu kommen, das kleinste Titelchen der heiligsten Wahrheit zu verleugnen. Er weiß wohl, daß man nicht Alles sagen muß, was wahr ist; wo aber Gefahr im -Verzüge ist, muß der verkannten' Wahrheit das Wort geredet werden- Referent hat oft genug den guten Willen des Vorstandes in Schutz genommen,, er darf es daher auch ernmal wagen, an dessen Anordnungen etwas auszusetzen, ohne sich gerade deren persönliche Abneigung zuziehen zu müssen. Er schreibt ja nicht für den Einen und gegen den Andern, er schreibt blos für Gottes heilige Ver- •) Nutzlos kann nach unsrer Ansicht die Abschaffung des Namensaufrufes nicht genannt werden, da das beständige Herumlaufen des Boten, zur Erkundigung nach den Namen, in großen Gemeiliden, und wo oft Fremde sind', nur sehr störend ist. In Magdeburg ist dieser Namensaufruf feit zwei Jahren abgeschaffr, und fand die» ingefammt Bcistiimnung, da die Namen im Mischeberach doch genannt werden. Red a kt.

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