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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1923-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1923) · p. Seite 23

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
17 (1923)
Issue
Heft 1-3 (Januar 1923)
Article
Die Statistik der Selbstmorde bei den Juden in Preußen von 1912 bis 1919
Date
1923-01-01
Page
Seite 23 (sequence 2)
Language
German
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- % — wendigen Angaben nicht existieren. So wissen wir in den meisten Fällen nichts über die Berufsverteilung der jüdischen Selbstmörder, über die Todesart, über die Verteilung nach Stadt und Land, über das Alter, lauter Dinge, die für die Beurteilung der Selbstmordziffer von großer Bedeutung sind. Wir sammeln zurzeit das gesamte Material für die einzelnen Länder und werden in einer der kommenden Nummern eine Darstellung dieses hochinteressanten Themas geben. An dieser Stelle bringen wir nur die Ziffern für die Selbstmorde in Preußen von 1912 bis 1919. Jahr Gesamtzahl der C.1U.i OC1U51morde Zahl der;.-,.-i;^^v,p„ jUUlOWiCU Selbstmorde Anteil der jüdischen Selbstmorde unter je 100Q Auf je 100000 der Oesamtbevölk. Auf je 100000 Juden 1Q19 Jk. V X. Imd 1913 1914 1915 1916 1917 191b 1919 8723 9214 8770 6776 6904 6426 6120 6784 133 150 171 140 147 131 137 161 15 16 21 21 21 20 22 24 22 23 21 17 18 17 1 fi 18 32 35 41 33 35 31 32 40 Der erste Bück zeigt, daß die Entwicklung der Selbstmordhäufigkeit bei den Juden ungünstiger ist als bei der Gesamtbevölkerung. Denn während im Jahre 1912 noch unter 1000 Selbstmördern nur 15 Juden waren, ist diese Ziffer auf 24 im Jahre 19 S9 gestiegen Besonders stark war die Spannung von 1913 auf 1914. Damals ging nämlich die Gesamtzahl der Selbstmorde um 4,8% zurück, während sie bei den Juden um 14% zunahm. Ob und inwieweit der Ausbruch des Weltkrieges hierbei eine Rolle spielt, läßt sich leider nicht feststellen. In den Jahren 1914, 1915 und 1916 blieb der Anteil der jüdischen Selbstmorde konstant, sank sogar etwas im Jahre 1917, um von da ab verhältnismäßig stark anzusteigen. Setzt man die Zahl der Selbstmorde in direkte Beziehung zur Gesamtbevölkerung und der jüdischen Masse in den einzelnen Jahren, indem man auf je 100000 Personen die Selbstmordhäufigkeit berechnet, so sieht man, daß die Selbstmordziffer der Juden bedeutend hoher ist als die der .Gesamtbevölkerung. Es ist dies eine dem Bevölkerungsstatistiker langst bekannte Tatsache, daß der Selbstmord in der neueren Zeit bei den Juden in den Külturstaaten verhältnismäßig viel mehr um sich greift a!s bei der übrigen Bevölkerung. Auffallend ist nur — wenigstens für Preußen — die ungewöhnlich hohe Differenz zwischen den beiden Zahlen. Seit 1914 ist die Selbstmordziffer bei den Juden fast stets doppelt, ja im Jahre 1919 mehr als doppelt so hoch als bei der Gesamtbevölkerung. Die Hauptursachen für diese eigenartige soziologische Erscheinung dürfte darin liegen, daß die jüdische Bevölkerung zumeist jenen Berufen — wie Handel, Industrie, freien Berufen — angehört, die vom Wirtschaftskampfe stark erfaßt werden und ihren Trägern viel seelische Aufregungen und körperliche Erschütterungen bewirken. Beides disponiert zum Selbstmord, der ja in vielen Fällen eine Folge geistiger bezw. seelischer Zerrüttung und körperlicher Erschöpfung ist. Dazu kommt, daß die Juden in viel höherem Maße als die übrige Bevölkerung Stadtbezw. Großstadtbewohner sind und die Stadt einen bedeutend günstigeren Nährboden für die Selbstmordhäufigkeit bildet als das Land. Endlich aber darf nicht daran vergessen werden, was von allen Autoren mit Nachdruck hervorgehoben wird, daß mit dem Schwinden der Religiosität starke Hemmungen für diese soziale Krankheit in Fortfall gekommen sind. (Preußische Statistische Korrespondenz, Jahrg. 40, 41, 42, 43, 45, 46). Literatur« Jüdische I&diästrieile Usäieriielimsisigesi Isa Polen nach der Enquete von 1921 bearbeitet unter der Leitung von Ingenieur Heller. I. Band, Teil I. Warschau 1922. Das statistische Material, das sichere Angaben über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden in der ganzen Welt enthält, insbesondere in den Ländern, wo sie besonders eigenartig sind, ist recht knapp. Die letzten Angaben für Rußland haben wir aus dem Jahre 1897, für Deutschland aus dem Jahre 1907, für die Länder der ehemaligen Oesterreichisch-ungarischen Monarchie aus dem Jahre 1910, Es ist ohne weiteres klar, daß während der letzten Jahre durch Krieg und Revolution eine radikale Umwälzung auch hinsichtlich der Wirtschaftslage der Juden eingetreten ist. Es ist daher mit Befriedigung die Tatsache zu begrüßen, daß das JointDistr i b u t i o n Co m ittee im Jahre 1921 eine Enquete betreffs der jüdischen industriellen Unternehmungen in Polen veranstaltet hat, im L Band sind 21 statistische Tabellen für Warschau veröffentlicht. Außerdem sind eine Anzahl von Diagrammen vorhanden, welche die Resultate der Enquete veranschaulichen. In Kürze werden noch weitere 9 Bände erscheinen, die vor allem die Zentren des

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