Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 17 (1923)
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Article
- Die ostjüdische Einwanderungsbevölkerung der Stadt Berlin
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 2)
- Language
- German
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— 1 1 — seits auch nicht so klein, um Arbeiter völlig entbehren zu können und die Handfabrikation dafür nicht mehr lukrativ. Damals regte ein schon längere Zeit hier ansässiger Arbeiter die Kleinbetriebe an, ihm die Rohmaterialien zu liefern. Er würde die Maschinen einstellen. Für ihre Benutzung sollte pro 1000 Stück 1,20 Mark bezahlt werden. Dieser Plan fand allgemeinen Anklang und hatte in seiner Verwirklichung Erfolg. Das Verpacken und Sortieren wurde weiter hausindustriell im Anschluß an den Verkauf betrieben. Wer eine besondere Marke führte, etwa seinen Namen oder eine Phantasiebezeichnung auf die Zigaretten aufdrucken lassen wollte, sollte seinen eigenen Stempel mit den Rohmaterialien liefern. Die Zahl der modernen Lohnwerker, als die uns diese Unternehmer erscheinen, mehrte sich schnell. Dazu trug in sehr hohem Maße die Tatsache bei, daß die Maschine, wie schon erwähnt, ohne jede Anzahlung eingestellt wurde und die Fabrik auch Fabrikanten, die außer ihrem Unternehmungsgeist kaum ein Vermögen von 100 Mark besaßen, eine Maschine anvertrauten. ~-.~Mr± VTWUni|„„ A~*.l~, A.-.Ü umc giuuc v ciumiguiig iag auui uctun, uau ein geschickter Monteur gleichzeitig drei Maschinen bedienen konnte. Im allgemeinen fiel es bei normalem Geschäftsgang keinem Unternehmer schwer, die 300, später 500Mark tx r\nä n 1 IitiCf-QflllfninP 711 1 PI cfpf! A11 ~h Hip LrlpitiPn Betriebe, diekeineMaschinen aufstellen konnten, fanden bei dieser Arbeitsteilung ihren Vorteil. Es entstand in größerer Zahl die j Klasse der „Fabrikanten ohne Fabrik". Innerhalb weniger Jahre hatten sich diese grundsätzlichen Betriebsänderungen in der Zigarettenindustrie vollzogen. Inzwischen hatte die Einwanderung russischer Juden, die nur unterbrochen war, wieder eingesetzt und damit neuen Zuzug für die Zigarettenbranche gebracht. Aber die russischenZigarettenarbeiter fanden in ihrer Industrie sehr veränderte Verhältnisse, nämlich die Vorherrschaft der Maschinenarbeit und eine diesem Betrieb angepaßte, geschulte einheirnischeArbeiterschaft Seit dieser Zeit ist der russische Arbeiter als besondersqualifizierter Handarbeiter immernoch geschätzt. Aber das Feld seiner Betätigung hat sich sehr verengt. Wo Maschinenbetrieb herrscht, wird der einheimische Arbeiter vorgezogen. Er versteht mit Maschinen umzugehen undbesitztgute Schlosserkenntnisse.Der russische Arbeiter bringt diese nicht mit und hat kein großes Interesse daran, sie zu erwerben. Er ist überzeugter Handwerker und läßt keine andere Technik im Grunde gelten. Die gleichförmige Maschinenarbeit, die weniger Fingerfertigkeit, aber desto mehr Disziplin und Stetigkeit erfordert, befriedigt ihn in keiner Weise. Wir finden also heute den ostjüdischen Arbeiter fast ausschließlich in der Handfabrikation. In einer der größten Zigarettenfabriken waren im Jahre 1913 unter einer Arbeiterschaft von 1016 Personen 20,66% Ostjuden. Davon waren 41,42% Frauen. Es arbeiteten von 87 Frauen 48 verheiratete, 35 ledige iii Liv^l i iCHiviiCt L/i ixxd LiOii. ill HCl 1 ci IJclrC~ Schneiderei eine, in der Packerei drei unverheiratete Arbeiterinnen. Von den 123 Männern waren 72 verheiratete, 41 unverheiratete Arbeiter in der Handfabrikation, 9 bei de" Tabakschnfiderpi. pinpr in u.pt Kartonageabteilung beschäftigt. In einer anderen großen Fabrik, in der die Handarbeit | nur noch eine kleine Rolle spielt, und auf ganz wenig Sorten beschränkt wird, waren 29 russische Arbeiter, darunter 11 Frauen beschäftigt. Es ist auffällig, wieviel ältere Leute im Alter von 50 und 60 Jahren in der russischen Zigarettenarbeiterschaft sind. Die Löhne sind für männliche und weibliche Arbeitsleistungen prinzipiell die gleichen, da im Akkord gearbeitet wird. So wie die Hand-